FFH-Libellen
FFH-Odonata

Nach der FFH-Richtlinie (“Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen”, Amtsbl. der Eur. Gem. L 206/7 vom 22.07.92, Novellierung s. Amtsbl. der Eur. Gem. L 305/42 vom 8.11.97) sind für Sachsen-Anhalt

  • gemäß Anhang II dieser RL die folgenden LIbellenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen:
     
    • Coenagrion mercuriale (CHARP. 1840),
      4 FFH-Gebiete in ST ausgewiesen;
    • Ophiogomphus cecilia (FOURCR. 1785)
      15 FFH-Gebiete in ST ausgewiesen;
    • Leucorrhinia pectoralis (CHARP. 1825)
      6 FFH-Gebiete in ST ausgewiesen;
       
  • gemäß Anhang IV dieser RL die folgenden streng zu schützenden Arten von gemeinschaftlichem Interesse:
     
    • Gomphus (Stylurus) flavipes (CHARP. 1825),
    • Ophiogomphus cecilia (FOURCR. 1785),
    • Aeshna viridis EVERSM. 1836,
    • Leucorrhinia albifrons (BURM. 1839)
    • Leucorrhinia pectoralis (CHARP. 1825).
       
      • Die Artenauswahl ist zwar nicht nur aus deutscher Sicht zu bemängeln, fachlich also keineswegs begründet, kann aber hier nicht erörtert werden. Das bedeutet z.B. auch, daß die nicht in FFH-Gebieten liegenden Vorkommen von C. mercuriale u. L. pectoralis nicht durch die FFH-Richtlinie geschützt werden können, aber m.E. über den Biotopschutz ausreichend zu sichern sind.
         
      • Der taxonomische Status von Stylurus (wie in Anh. IV benannt) ist unsicher (Gattung? / Untergattung?). Stylurus hat sich  nach der Neuordnung durch SCHMIDT (1987) (noch) nicht durchgesetzt, deshalb wird hier nach der systematischen Liste der Libellen Deutschlands (JÖDICKE 1992) Gomphus als Gattungsname und Stylurus als Untergattung verwendet: >

Gomphus (Stylurus) flavipes, Asiatische Keiljungfer.
Man beachte die kleine Fliege am Rand des rechten Vorderflügels, bei der es sich nach neuesten Erkenntnissen von Martens & Wildermuth (Vortrag 21. GdO-Tagung, Worms 2002) um die Hämolymphe saugende Gnitze (Dipt.) Forcipomyia (Pterobosca) paludis (Macfie) handelt.
Die Wirtsart Stylurus flavipes ist für die Liste von Martens & Wildermuth neu.
Es bleibt zu untersuchen, ob die Gnitzen mit der Hämolymphe evtl. eine Mangeldiät aufnehmen und fehlende Nährstoffe durch Endosymbionten synthetisieren (?) - zu evtl. vergleichbaren Endosymbiosen bei Blut- und Pflanzensaft-saugenden Insekten s. unter
abstracts  Endosymbiose
Aufn.: J. Müller.
 

Für die sachsen-anhaltischen Vorkommen der Anhang II-Arten wurden Übersichten erarbeitet und in “Entomologische Mitteilungen Sachsen-Anhalt” sowie in “Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt” publiziert:
 

  • Steglich, R. (2000):
  • Odonata (Libellen). 
    S. 13-19 in:-
     
  • Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V. (Hrsg.):
  • Zur Bestandssituation wirbelloser Arten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Land Sachsen-Anhalt. -
     
  • Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt, Sonderheft 2000:
  • 62 Seiten.

  • Steglich, R. (2001):
    Odonata (Libellen).
    S. 15-22 in:
     
  • Autorenkollektiv:
  • Die Tier- und Pflanzenarten
    nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie
    im Land Sachsen-Anhalt.
     
  • Naturschutz im
    Land Sachsen-Anhalt
    38. Jg. (Sonderheft 2001):
  • 151 Seiten.
     

 

Folgende Arbeit bringt interessante Einzelheiten zum Vorkommen in der Magdeburger Stadtelbe:

  • Steglich, R. (2000): Zum Vorkommen der “FFH-Libellen” Ophiogomphus cecilia und Gomphus (Stylurus) flavipes sowie von Gomphus vulgatissimus (Odonata, Gomphidae) in der “Magdeburger Stromelbe”. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 8(1): 3-6.

Zusammenfassung:
Für den Bereich der Magdeburger Strom-Elbe zwischen den Elb-km 317 (Westerhüsen) bis 337 (südlich der BA 2) werden Schlupfnachweise durch Exuvien- und Flügelfunde sowie Subadulte von 18 O. cecilia, 143 Gomphus (Stylurus) flavipes und 8 G. vulgatissimus im Zeitraum zwischen dem 08. Juli und 10. September 1999 erbracht. Die besondere europaweite Bedeutung der indigenen Vorkommen und ihr besonderer Indikationswert für die Ökomorphologie und die Fließgewässerqualität der schiffbaren Stromelbe werden diskutiert. Die Vorkommen der Arten aus den Anhängen II (cecilia) und IV (flavipes) der FFH-Richtlinie rechtfertigen den besonderen Schutz der Buhnenfelder und anderer Gleithangzonen auch im Stadtbereich der Stromelbe und belegen damit die Notwendigkeit der Durchgängigkeit des Schutzes der Elbe nach der FFH-Richtlinie.

 

Weitere Abb. s. auch > Gomphidae > abstracts Odonata

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