pedemontanum

Mitteilungsblatt der AG Odonatenfauna
 Sachsen-Anhalt der
Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V.
(EVSA)

Nr. 1  - Januar 1997  - Magdeburg

Herausgeber: Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V.
Redaktion:
- Frankefelde 3. D-39116 Magdeburg

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Vorübergehend folgt hier noch die alte Fassung:

 

Editorial

Mit diesem ersten Mitteilungsblatt der am 09. April 1994 in Halle/Saale gegründeten Arbeitsgruppe in der Entomologen -Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V. soll die Bearbeitung der Libellenfauna unseres Landes aktiviert werden, indem hiermit die schnelle Information untereinander und die Verbindung zur Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) sowie zur Societas Internationalis Odonatologica (S.I.O.) gefördert werden soll. - Über die Gründung der AG Odonatenfauna Sachsen-Anhalt wurde im Mitteilungsblatt der EVSA e.V. Bd. (H.2/1994): 32-33 bereits offiziell berichtet.
Diesem Mitteilungsblatt gingen 2 Mitteilungen voraus: 1.) am 11.09.1994 mit Informationen zu Gründung und Aufgaben der AG sowie über aktuelle deutsche Aktivitäten der GdO und S.I.O. und aktuelle Literatur; 2.) am 09.08.1995 ein sogenannter Zwischenruf an alle "Elbanlieger"-Odonatologen zur Erfassung der Südlichen Mosaikjungfer
Aeshna affinis. - Für das neue offizielle Mitteilungsblatt wurde bewußt der Name "pedemontanum" gewählt, weil Sachsen-Anhalt nun tatsächlich zum größten Teil "pede" "montan" = "am Fuße des Berges" liegt und die Art Sympetrum pedemontanum hierzulande eine interessante Art ist. "Früher" habe ich sie in meiner ersten Rote Liste für den Bezirk Magdeburg (1987) und auch noch zum 16. Magdeburger Entomologentag am 09.03.1991 in der aktualisierten Roten Liste für den Regierungsbezirk Magdeburg nicht als gefährdet eingestuft, da ich sie so häufig in den zahlreichen meliorierten Gräben (z.B. der Altmark, im Elbe-Havel-Winkel und im Ländchen Schollene) gefunden hatte, daß ich sie nicht als gefährdet ansah. Das hat sich inzwischen mit weniger Melioration gändert und sie mußte nun als weniger häufig in Kategorie 3 (als gefährdet) eingestuft werden. Somit wurde sie hierzulande vom "Meliorationsanzeiger" als thermophile Fließwasser-Art mit Bindung an lockeres Wasserried zum Bioindikator naturnaher Verhältnisse. - Das Phänomen der Bestandsveränderung einzelner Arten wird uns zukünftig gewiß noch mehr beschäftigen.
Mit diesem Mitteilungsblatt beginne ich den notwendigen aktuellen Informationsaustausch und bitte um rege Mitarbeit. Das Mitt.-Blatt soll zunächst einmal im Jahre (zum Jahreswechsel als Rückblick und Vorschau), später vielleicht auch zweimal (vor und nach der Saison) höchst aktuell erscheinen. - Der Bezug ist für EVSA-Mitglieder kostenfrei und darüberhinaus gegen Porto-Erstattung (1.- DM) möglich. - JoMü

Asiatische Keiljungfer Stylurus flavipes (Needham, 1897) oder
Gomphus flavipes (Charpentier, 1825) ?
Nachdem die Asiatische Keiljungfer nun an der Elbe wieder heimisch ist (s. Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 4/1996, H. 1/2: 44-46), sollten wir uns auch über deren exakte wissenschaftliche Bezeichnung klar werden. - SCHMIDT (1987: Adv. Odonatol. 3: 135-145) ordnete die Art der Gattung Stylurus Needham, 1897, zu, was aber nicht immer konsequent übernommen wurde (es sei unklar, ob Stylurus Gattung oder Untergattung ist ?). So führt JÖDICKE (1992: Libellula 1, H. 3/4: 89-112) in der deutschen Liste die Art als Gomphus flavipes, die FFH-Liste aber Stylurus flavipes. Professor Schmidt schreibt (11.11.96) mir dazu: "Bei Stylurus flavipes habe ich ... keine ´Neuordnung` vorgenommen. Ich hatte lediglich ... die anderen odonatologischen Bearbeitungszentren der Paläarktis auf die Taxonomie unserer Formenkreise hin überprüft. So ist in Japan Stylurus unstrittig, in Nordamerika zumindest als Untergattung klar. Wenn man das akzeptiert (und das war meine Aussage), gehört flavipes zu Stylurus. Die Abtrennnung ist im übrigen auch aus ökologisch/biogeographischen Gründen hilfreich, denn die Larve repräsentiert einen ganz anderen Typ, auch ökologisch". Den umfangreichen (z.T. polemischen) Aussagen von HEIDEMANN (Libellula 7/1988: 27-40; 8/1989: 115 -144) schließen sich SUHLING & O. MÜLLER (Neue Behmbücherei Bd. 628/1996) an und führen die Art weiterhin als Gomphus flavipes. - Das letzte Wort ist m. E. hier aber noch nicht gesprochen. - JoMü

Südliche Mosaikjungfer Aeshna affinis Vander Linden, 1820
Nach dem "affinis"-Sommer 1995 (s. für LSA: Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 3/1995, H. 1/2: 21-22; Natursch. Sachsen -Anhalt 33/1996, H. 1: 2. - für D: MARTENS & GASSE Libellula im Druck) konnte die Art nach dem Winter 1995/96 an vorjährigen Fundorten wieder beobachtet werden, weshalb wir davon ausgehen, daß sich die Art nun etabliert hat und wohl zur indigenen Fauna zählt. Für eine Darstellung der somit evtl dauerhaften Einbürgerung erbitte ich Ihre Mitarbeit durch Meldung noch nicht bekannter Nachweise. - JoMü

Kleine Königslibelle Anax parthenope (Selys, 1839)
Ebenfalls für eine zusammenfassende Darstellung des Vorkommens von A. parthenope erbitte ich Ihre Zuarbeit. Bei Betrachtung der zunehmenden Nachweise (etwa des letzten Jahrzehnts) stellt sich heraus, daß die Art in Mitteleuropa in einem Streifen zwischen Braunschweig (insbesondere Schöppenstedter Börde), Großes Bruch und Bodeniederung (Weiher der Bergbaufolgelandschaft), Köthener Ackerland, Dessau und Saaleniederung (bis in´s Thüringische) vorkommt, was in einer zusammenfassenden Arbeit dargestellt werden sollte.

"FFH-Libellen"
Gemäß FFH-Richtlinie (92/43/EWG vom 21.Mai 1992) sind für die nach Anhang I auszuwählenden Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse (v.g.I.). für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen, und für die in Anhang II genannten Arten v.g.I., für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen, nach Anhang III Gesamtbeurteilungen für die Erhaltung (u.a.) der genannten Arten vozunehmen. Das betrifft in Sachsen-Anhalt folgende Libellenarten (von den genannten "FFH-Libellen"): Coenagrion mercuriale, Ophiogomphus cecilia, Leucorrhinia pectoralis (Anh. II) und Stylurus flavipes, O. cecilia, Aeshna viridis, Leucorrhinia albifrons, L. pectoralis. - Von überregionaler, europaweiter Bedeutung sind die Vorkommen von Stylurus (Gomphus) flavipes in der Elbe (Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 4/1996, H. 1/2: 44-46), wobei die Vorkommen in den als FFH-Gebiete bereits ausgewiesenen NSG mit Elbe-Anteilen: Saalberghau, Steckby-Lödderitzer Forst sowie Bucher Brack und Bölsdorfer Haken hervorzuheben sind. - Die FFH-Libellen sollten vorrangig bearbeitet werden. Zu fragen wäre in diesem Zusammenhang, wo gibt es ein aktuelles Vorkommen von L. albifrons. - JoMü

Literatur

Hier werden Arbeiten zur Odonatenfauna Sachsen-Anhalts fortlaufend und möglichst aktuell aufgelistet (um Zuarbeit wird gebeten), die nicht in den beiden zusammenfassenden Übersichten (1. und 2.) enthalten sind:

1. MÜLLER, J. (1993): Beitrag zur Geschichte und Bibliographie der entomofaunistischen Forschung im Raum Magdeburg in den Jahren zwischen 1971 und 1993. - Abhandlungen und Berichte für Naturkunde, Magdeburg 16: 79-96.

2. MÜLLER, J. (1994): Die Libellenfauna (Odonata) und deren Gefährdungsstatus im Land Sachsen-Anhalt ("Rote Liste-Korrektur"). - Mitteilungsblatt der EVSA e.V. 2 (2): 39-52.

3. UNRUH, M. (1992): Anaciaeshna isosceles (MÜLLER, 1767) im Zeitzer Gebiet (Odonata). - Entomol. Nachr. Ber. 36 (2): 140.

4. MARTENS, A. (1985): Vorkommen des Kleinen Granatauges Erythromma viridulum (CHARPENTIER, 1840) (Odonata: Coenagrionidae) in der Umgebung von Braunschweig. - Braunschw. Naturk. Schr. 2 (2): 289-298 (berücksichtigt auch Bez. Magdeburg).

5. LOTZING, K. (1991): Libellenstudien am FND "Kiesgrube" bei Staßfurt. - Entomol. Nachr. Ber. 35 (3): 205-206. (Titelkorrektur für LOTZING 1991a in MÜLLER 1994, Mitt.-Bl. EVSA 2 (2): 49).

6. LOTZING, K. (1994): Bemerkenswertes gemeinsames Auftreten von 6 Heidelibellenarten in den "Salzwiesen" bei Hohenerxleben (Odonata). - Entomol. Nachr. Ber. 39 (2): 129-131.

7. BURKART, W. (1994): Libellenbeobachtungen bei Havelberg (Odonata). - UNTERE HAVEL - Naturkundl. Berichte Heft 3/1994: 53-55.

8. MÜLLER, J. (1994): Gründung der AG Odonatenfauna. - Mitteilungsbl. EVSA 2 (2): 32-33.

9. DÖRFLER, G. & G. HARTMANN (1995): Zur Kenntnis der Libellenfauna des Harzes und seines näheren nördlichen Vorlandes: Fundortliste. - Mitt. Naturw. Ver. Goslar 4: 159-174. (leider mit Fehlern bei Funden im Ostharz und mit eigener und somit falscher naturräumlicher Gliederung im Ostharz und Vorland; Vorlandfunde werden dem Harz zugeordnet).

10. FLEISCHER, B., J. JEBRAM, A. SCHUMACHER & K. TREMP (1995): Vegetationskundliche und faunistische Untersuchungen im einstweilig gesicherten NSG "Harzer Bachtäler". - Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 32 (2): 3-18; u.a. Libellen: 13.

11. SCHNITTER, P., A. BERBIG, F. GOHR, B. HEINZE, K. HÜTTCHE, J. MÜLLER & M. TROST (1995): Untere Havelniederung in Sachsen-Anhalt. 3.3.5 Wirbellose. - Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 32 (Sonderheft): 34-41; Libellen (MÜLLER): 36, 38; Literatur, Tierwelt, außer Vögel: 68-71.

12. LOTZING, K. (1995): Zum Vorkommen der Keilflecklibelle (Aeshna isoscelis MÜLL.) (Insekta, Odonata) am südlichen Rand der Magdeburger Börde. - Entomologische Mitteilungen Sachsen-Anhalt 3 (1/2): 17-20. (Bd. 1 und 2 erschienen als: Mitteilungsblatt der Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V.)

13. MARTENS, A. & M. GASSE (1995): Die Südliche Mosaikjungfer Aeshna affinis in Niedersachsen und Sachsen -Anhalt (Odonata: Aeshnidae). - Braunschw. natzurkdl. Schr. 4 (4): 795-802.

14. MÜLLER, J. (1995): Vorläufige Mitteilung zum Vorkommen der Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis (Odonata) im Jahre 1995 in Sachsen-Anhalt. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 3 (1/2): 21-22.

15. MÜLLER, J. (1995): Cordulegaster bidentatus SELYS, 1843 (Odonata) im Jahre 1995 im Ostharz wiederentdeckt. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 3 (1/2): 23-24.

16. SELUGA, K. & U. MAMMEN (1995): Nachweis der Helm-Azurjungfer Coenagrion mercuriale (Charp.) im Köthener Ackerland. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 3 (1/2): 25-26.

17. MÜLLER, J. (1996): Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) - Invasionsart oder Neubürger ? - Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 33 (1): 2.

18. LOTZING, K. (1996): Ein Beitrag zum aktuellen Kenntnisstand der Verbreitung von Calopteryx splendens HARRIS (Odonata) in Sachsen-Anhalt. - Entomol. Nachr. Ber. 40 (1): 23-26.

19. MÜLLER, J. (1996): Die Libellenfauna und deren Gefährdungsstatus im Land Sachsen-Anhalt. - Verhandlungen des 14. Internationalen Symposiums für Entomofaunistik in Mitteleuropa (SIEEC) in München (04.-09.09.1994): 434 (Posterkurzfassung).

20. MÜLLER, J. (1996): Zoogeographische und ökologische Analyse der Libellen-Fauna (Insecta, Odonata) des Landes Sachsen-Anhalt. - Abh. Ber. Naturkunde, Magdeburg 19: 3-11.

21. MÜLLER, J. (1996): Zum Vorkommen der Gemeinen Keiljungfer Gomphus vulgatissimus L. (Odonata) im Mittellandkanal (Naturpark Drömling, Sachsen-Anhalt). - Abh. Ber. Naturkunde 19: 13-18.

22. MÜLLER, J. (1996): Ökofaunistische Übersicht zum Vorkommen der Federlibelle Platycnemis pennipes (Odonata) in Sachsen-Anhalt. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt  4 (1/2): 28-31, 47.

23. LOTZING, K. (1996): Die Verbreitung der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens HARRIS) im Bereich der Bodeniederung des Altkreises Staßfurt - die Chronik einer Wiederbesiedlung? - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 4 (1/2): 32-35.

24. MÜLLER, J. (1996): Vorläufige Mitteilung zum indigenen Vorkommen der Asiatischen Keiljungfer Gomphus flavipes (Odonata) im Biosphärenreservat Mittlere Elbe/Flußlandschaft Elbe (Sachsen-Anhalt). - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 4 (1/2): 44-46.

25. REINHARDT, K. (1996): Libellen (Odonata) aus der Saaleniederung zwischen Geisel und Weißer Elster. - Mauritiana (Altenburg) 16 (1): 41-44.

26. REINHARDT, K. (1996): Zur Libellenfauna (Odonata) des Großen Bruches bei Oschersleben, Sachsen-Anhalt. - Braunschw. naturkdl. Schr. 5 (1): 243-247.

27. UNRUH, M. (1996): Libellen und Bergbaufolgelandschaft. - Hrsg.: Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH. Zeitz: 1-16.

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Titelabb. aus TÜMPEL, R. (1908): Die Geradflügler Mitteleuropas. Tafel IX. - Gotha.  -
Redaktionsschluß: 22. Januar 1997

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