Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e.V. (GdO)
in Verbindung mit FG Faunistik und Ökologie Staßfurt

Bericht über die 22. Jahrestagung deutschsprachiger Odonatologen
vom 14.-16. März 2003 in Dessau / Sachsen-Anhalt

> Programm / Tagungsband   > Grußworte > Abstracts der Beiträge
>
Fotos > workshop “Fische ... Libellenschutz”


Das Tagungslokal “Kornhaus” unmittelbar im Deich an der Elbe ...

  • Restaurant Kornhaus Dessau, Inh. Roswitha & Ulrich HEILMANN
    Kornhausstraße 146, D - 06846 DESSAU;
    siehe auch: www.kornhaus.de
  • Tel. 0340 - 640 41 41; Fax. 0340 - 640 41 11;
  • mailto:

Mit Redaktionsschluß zum 28.Febr.2003 war der Tagungsband als Sonderheft von “pedemontanum” Mitt.-Bl. AG Odonatenfauna Sachsen-Anhalt fertig. Das Heft erschien zum Tagungsbeginn am 14.März2003 ...

 

Tagungsbericht
s. auch Tagungsband, abrufbar als PDF-Datei - 282 kB unter:
“pedemontanum 4/2003”

Folgende Vorträge wurden gehalten ...

... am Samstag, dem 15. März 2003:

  • Eröffnung mit
  • kulturhistorischen Grußworten aus dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich und
  • naturkundlichen Grußworten aus dem Biosphärenreservat Flußlandschaft Mittlere Elbe.
    > Reichhoff, L., Dessau & J. Müller, Magdeburg
     
  • Die Ausbreitung mediterraner Libellenarten nach Deutschland, Mittel- und Nordeuropa - Zusammenstellung aktueller Daten im Hinblick auf einen Klimawandel. (abstract)
    > Ott, J., Trippstadt
  • Veränderungen der Odonatenfauna der nordwestlichen Niederlausitz vor dem Hintergrund des Klimawandels. (abstract)
    > Donath, H., Fürstlich Drehna
  • Auswirkungen der Hochwasser 1995 und 1999 auf Libellenbestände von Fließgewässern der südbadischen Rheinniederung. (abstract)
    > Westermann, K., Rheinhausen
  • Die Libellenfauna der Oberheinauen als Spiegelbild der historischen Verhältnisse und des rezenten Ausbauzustandes. (abstract)
    > Schiel, F.-J., Sasbach
  • Distribution of "FFH-Annex species" of dragonflies (Odonata) in Slovakia and their ecolocical status. (abstract)
    Bulankova, E., Bratislava / Slovakia
  • Ökologische Beobachtungen an vergesellschafteten Subpopulationen von Coenagrion ornatum und C. mercuriale in der Helme-Unstrut-Aue. (abstract)
    > Zimmermann, W., Weimar & L. Buttstedt, Roßla
     
  • Zur Habitat-Präferenz einiger Sommer-Libellenarten in den Elbauen im Raum Dessau im Hinblick auf den Einfluß von Beweidung mit Großvieh. (abstract)
    > Schmidt, E.G., Dülmen
  • Ausbreitung von Ceriagrion tenellum und Orthetrum coerulescens in der Südheide.
    > Clausnitzer, H.-J., Eschede  (abstract)
  • Beobachtungen zum Vorkommen und zur Reproduktion der Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis in Brandenburg. (abstract)
    > Brauner, O., Eberswalde
     
  • Die Libellenbesiedlung des Unteren Allier nördlich Moulins - naturnahes Vorbild für vergleichbare mitteleuropäische Flüsse. (abstract)
    > Lohr, M., Boffzen
  • Erste Antworten auf die Frage, warum Anax parthenope im Norden Brandenburgs klare und im Süden trübe Seen besiedelt. (abstract)
    > Mauersberger, R., Templin
  • Habitatspezifisches Driftverhalten der Larven von Cordulegaster-Arten: Erklärung für ihre Einnischung? (abstract)
    > Leipelt, K.G., Braunschweig
  • Nehalennia speciosa - eine Schlüsselart im Moornaturschutz.  (abstract)
    > Kuhn, J., Seewiesen
  • An welche Libellenart dachte Linné, als er Libellula aenea beschrieb? (abstract)
    >
    Joedicke, R., Lindern. (vorgezogen - wegen Vortragausfall Brockhaus ...)
  • Der Libellen wegen nach Norden ? - Ergebnisse langjähriger Libellenbeobachtungen auf der Ostseeinsel Gotland. (abstract)
    > Burkart, W., Wilstedt
  • Die Wüste lebt ! - Verbreitungsmuster der Libellen Namibias in Raum und Zeit. (abstract)
    > Martens, A., Braunschweig / Karlsruhe
     
  • zum Gesellschaftsabend: "Hugo Junkers-Abend" im JUNKERS-MUSEUM;
    • Informationen über die WDA-Tagung in Australien - einschl. naturkundlicher
       Beobachtungen.
      > Peitzner, Gabi & Peter, Börnsen.
    • Naturkundliche und odonatologische Beobachtungen aus Südafrika (20 Min.).
      > Ott, Jürgen, Trippstadt
       

... am Sonntag, 16. März 2003:

  • Libellen in der Vorreiterrolle bei der Pflege und Gestaltung von Naturschutzgebieten - ein Beispiel aus der Schweiz.  (abstract)
    Wildermuth, H., Rüti / Schweiz.
  • Ergebnisse dreijähriger Untersuchungen und Populationsentwicklung naturschutzfachlicher Zielarten in der halboffenen Weidelandschaft Hoeltigbaum bei Hamburg. (abstract)
    > Behrends, T., Kiel.
  • Artenhilfsprogramm für die Libellenarten Coenagrion mercuriale und C. ornatum in Thüringen. (abstract)
    > Serfling, Chr., Hermsdorf.
     
  • Entwicklung von Sympetrum pedemontanum vom Ei bis zum Imaginalschlupf am Sihlsee (Schweiz). (abstract)
    >
    Fliedner, T., Bremen.
  • Onychogomphus costae: Portriat eines ibero-maghrebinischen Endemiten.  (abstract)
    >
    Kunz, B., Langenburg & R. Joedicke, Lindern
  • Untersuchungen zu Habitatansprüchen und Morphometrie von Cercion lindenii. (abstract)
    >
    Richter, M. & W. Xylander, Görlitz.
  • Workshop “Fische, Fischerei und Libellenschutz” 
    Konzept
    (abstract) und Koordination: Kuhn, J., Seewiesen
    Moderation: Martens, A., Karlsruhe

  • Einführung (abstract - Thesen)
  • 1. Koexistenz von Libellen und Fischen
    • Koexistenz von Libellen und Fischen - die evolutionsökologische Perspektive.
      > Martens, A. Karlsruhe. (abstract)
    • Koexistenz-Typen: Wer kann mit wem (nicht)?
      > Kuhn, J., Seewiesen.
    • Diskussion
       
  • 2. Seenfischerei
    • Zur Kenntnis der potentiell natürlichen Fischfauna der Seentypen NO-Deutschlands als gedankliche Basis für den Libellenschutz.  (abstract)
      > Mauersberger, R., Templin.
    • Diskussion
       
  •  3. Fischbesatz und Angelfischerei
    • Angelfischerei und Libellenschutz - eine Problemskizze.
      > Kuhn, J., Seewiesen.
    • Inwieweit beeinträchtigen Fische die Libellenfauna kleiner Moorgewässer.
      > Wildermuth, H., Rüti / Schweiz.  (abstract)
    • Die ökologischen Folgen von Fischbesatz auf Libellenzönosen von Kiesgruben.
      > Ott, J., Trippstadt. (abstract)
    • Ein Baggersee mit reicher Libellenfauna trotz intensiver Angelfischerei.
      > Weihrauch, F., München.  (abstract)
    • Angebot und Nachfrage - Libellenvorkommen an Fischteichen in NO-Württemberg.
      > Kunz, B. , Langenburg.
    • Aeshna viridis und Angelsport.  (abstract)
      > Clausnitzer, H.-J., Eschede.
    • Diskussion
       
  • 4. Teich- und Weiherwirtschaft
    • Teichwirtschaft und Libellen.  (abstract)
      > Clausnitzer, H.-J., Eschede
    • Der Einfluss traditioneller Nutzungsformen der Karpfenteichwirtschaft auf das Vorkommen und die Entwicklung von Libellen.  (abstract)
      > Keil, R., Weißwasser.
    • Quantitative Untersuchungen zum Schlupf von Libellen an Fischteichen. (abstract)
      > Schnabel, H., Mücka
    • Weiherwirtschaft und Libellenschutz - positive Aspekte der Winterung und anderer Pflegeeingriffe.
      > Kuhn, J., Seewiesen
    • Diskussion
       
  • 5. Forschungs- und Klärungsbedarf
    • Thesen
    • Diskussion
       
  • 6. Konsequenzen für die Praxis
    • Thesen
    • Diskussion

    Poster
    (in alphabetischer Reihenfolge)

  • Libellenfauna in Kanälen und Flüssen mit Grubenwasser im Lubliner Steinkohlegebiet (Ostpolen). (abstract)
    > Buczynski, P., Lublin / PL
     
  • Zur Ausbreitung von Crocothemis erythraea in der nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Oberweserniederung. (abstract)
    > Lohr, M., Boffzen
     
  • 20 Jahre GdO: Der offizielle Startpunkt am 4.9.1982 in Bonn. (abstract)
    > Schmidt, E. G., Dülmen
     
  • Emerging habits of the Gomphid dragonflies (Odonata: Gomphidae) at the uppermost course of the Hungarian section of Ticza river.
    > Turcsányi, I. & G. Dévai, Veszprem & Debrecen / Ungarn:


Abstracts der Beiträge (Vorträge und Poster)

Libellen-Monitoring im Rahmen des E&E Projektes  ”Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum” bei Hamburg - Eine Zwischenbilanz
BEHRENDS, Thomas - KIEL

In dem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten E&E Vorhaben ”Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum” bei Hamburg geht es um die Fragestellung, wie Flächen mit bisher schon hohem Naturschutzwert, wie beispielsweise ehemalige militärische Übungsflächen (StÜPL Höltigbaum), in einer Nutzungsänderung weiterhin naturschutzfachlich günstig zu entwickeln sind.
Dabei wird im Projektzeitraum von 2000 bis 2004 erprobt, ob durch eine ganzjährige, extensive Beweidung einer gemischten Herde aus Schafen und Rindern naturschutzfachliche Ziele erreichbar sind und die Beweidung in ein ökonomisch tragbares Konzept eingebunden werden kann (zum Projekt siehe auch (Härdtle et al. 2002, Haese 2002, Behrends 2001).
Seit Beginn des Projektes im Frühjahr 2000 befindet sich ohne Unterbrechung eine gemischte Herde aus der Grauen Gehörnten Heidschnucke und Rindern (Galloway-Einkreuzung) auf den Flächen. Dadurch wird ein ganzjähriger Einfluss auf zahlreiche im Gebiet verstreute Kleingewässer oder deren Uferzonen ausgeübt
Der landschaftsökologisch prägende Faktor für die Entwicklung von Gewässerlebensräumen ist die Beweidung durch die Rinderherde, deren Herdengröße jahreszeitlich bedingt zwischen 40 und 120 Tieren auf der zentralen Fläche variiert. Die Heidschnucken nutzen die Kleingewässer weder als Tränke noch zur Nahrungsaufnahme.
Die Kleingewässer sind integraler Bestandteil der täglich aufgesuchten Bereiche der Rinder. Die Tradierung der Verhaltensabläufe hat zu einer kontinuierlichen, aber von Gewässer zu Gewässer sehr unterschiedlichen Nutzung als Tränke oder Weidefläche geführt. Neben der Lage eines Gewässers in bezug auf bevorzugte Ruhe- und Wiederkäuplätze, beeinflussen natürliche Wasserstandsschwankungen Art und Intensität der Nutzung durch die Rinder.
Es zeigen sich erhebliche, für die Entwicklung der Gewässer maßgebliche, jahreszeitliche Unterschiede in den Ausmaßen der Weidenutzung durch die Rinder. Hervorzuheben ist hierbei das nahezu vollständige Verbeißen der Flatterbinsenhorste in den Wintermonaten. Während zu Beginn des Projektes ein großer Teil der Gewässer von dichten Flatterbinsenrieden und hohen Streulage gekennzeichnet war, so sind die Binsenbestände nach 3 Vegetationsperioden an vielen Stellen aufgelichtet oder sogar vollständig verschwunden. Sowohl die Textur als auch die Struktur der Vegetation hat sich dadurch teilweise grundlegend geändert, so dass viele Gewässer eine abwechslungsreichere Ufervegetation aufweisen. Pionierfluren, schüttere Kleinröhrichte und Niedermoorgesellschaften breiten sich aus, mit der naturschutzfachlich erwünschten Konsequenz einer verbesserten Habitatqualität durch ein umfangreicheres Nischenangebot für Libellenarten.
Negative Veränderungen der Gewässereigenschaften (z. B. Eutrophierung durch Fäkaleinträge) sind bisher nicht in einem für Libellen relevanten Maß eingetreten.
Bei den Kleingewässern handelt es sich überwiegend um saisonale bzw. ephemere Gewässer, die nur in wenigen Fällen einen kontinuierlichen Zustrom von Grundwasser aufweisen. Dementsprechend sind die Gewässer von ausgeprägten Wasserstandsschwankungen gekennzeichnet und der überwiegende Gewässerbereich kann als Wechselwasserzone angesprochen werden. Die Wasserführung erscheint abhängig von der Jahresniederschlagsmenge und der daraus resultierenden Existenz oberflächennaher, temporärer Grundwasserleiter. Aus diesem Grund unterliegen die Gewässer einer erheblichen zeitlichen Dynamik, wobei sich ein mehrjähriger Zyklus von Trockenheit und Wasserführung abzeichnet.
Die Gewässerdynamik hat weitreichende Konsequenzen auf die Vorkommen der Libellen. In der Summe wurden 30 Arten nachgewiesen, wobei jedoch nur 18 Arten alljährlich im Gebiet zu finden sind. In dem überdurchschnittlich regenreichen Jahr 2002 konnte die bisher höchste Zahl bundesweit gefährdeter Libellen im Gebiet nachgewiesen werden. - Arten der Roten Liste Deutschlands (Ott & Piper 1998) auf dem Höltigbaum 2002: L. dryas - RL D: 3 - bodenständig, sehr häufig; L. virens - RL D: 2 - bodenständig, sehr selten; L. barbarus - RL D: 2 - bodenständig, lokal sehr häufig; I. pumilio - RL D: 3 - bodenständig, lokal häufig; C. pulchellum - RL D: 3 - Einzeltiere; C. hastulatum - RL D: 3 - Einzeltiere; C. lunulatum - RL D: 2 - bodenständig ?, lokal selten; A. juncea - RL D: 3 - bodenständig ?, nicht häufig; S. pedemontanum - RL D: 3 - Einzeltiere.
Arten mit einer mehrjährigen Larvalentwicklung unterliegen hohen Aussterberisiken, während die an austrocknende Gewässer angepassten Arten der Gattungen Lestes und Sympetrum ideale Bedingungen vorfinden. Dementsprechend wurden während der bisherigen Untersuchungsdauer alle schleswig-holsteinischen Arten dieser Gattungen im Gebiet festgestellt.
Im Jahr 2002 wurden viele Hunderte frisch geschlüpfter oder schlüpfender Individuen von L. barbarus in einem Gewässer beobachtet. Im Rahmen einer Fang-Wiederfanguntersuchung wurden 547 Individuen markiert, jedoch wurden nur 115 Individuen wiedergefangen. Ein Männchen wurde 70 Tage nach der Markierung wieder am gleichen Ort festgestellt.
Die Beweidung nach dem Konzept einer Halboffenen Weidelandschaft hat nach den bisherigen Untersuchungen zu einer verbesserten Habitatqualität durch die Veränderungen in der Vegetationsstruktur geführt, so dass auch nach einer teilweise über einjährigen Trockenphase 2001 und den damit gekoppelten Populationseinbrüchen die Gewässer 2002 wieder von zahlreichen seltenen und bundesweit gefährdeten Libellenarten besiedelt wurden.
Aus Sicht des Naturschutzes ist ein unbeeinflusster oder sich selbst überlassener Landschaftswasserhaushalt erforderlich, um bei einer möglichst hohen Zahl an verschiedenartigen, eng benachbarten Gewässern einen langfristigen Schutz der Libellen zu gewährleisten.
Die Bedeutung einzelner, niederschlagsabhängiger Gewässer zeigt sich teilweise erst nach einer mehrjährigen Beobachtungsphase. Die Jahreweise unterschiedlich intensiven Einflüsse der Rinder auf Kleingewässer sollten zu einer Loslösung von der Betrachtung einzelner Gewässer führen und zugunsten einer naturschutzfachlichen Analyse der langfristigen Eignung eines Landschaftsbereiches für Libellen aufgegeben werden.
Literatur
Behrends, T. (2001): Libellen-Monitoring im Rahmen des E&E-Projektes ”Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum” von 2000-2004. Abh. Ber. Naturkundemus. Görlitz, Bd. 73,1: 1 - 2. - Härdtle, W.; Mierwald, U.; Behrends, T.; Eischeid, I.; Garniel, A.; Grell, H.; Haese, D.; Schneider-Fenske, A. & N. Voigt (2002): Pasture landscapes in Germany. Progress towards sustainable use of agricultural land in: Reddecker, B.; Finck, P.; Härdtle, W.; Riecken, U. & E. Schröder (Hrsg.)(2002): Pasture landscapes and nature conservation, Springer Verlag, S. 147 - 160. - Haese, D. (2002): E+E Project ”Semi-open pasture landscape Höltigbaum” - results of the  vegetation survey. Verh. Gesell. f. Ökol. Bd. 32: 98. - Ott, J. & W. Piper (1998): Rote Liste der Libellen (Odonata). In: Binot, M.; Bless, R.; Boye, P.; Gruttke, H. & P. Pretscher : Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. - Schriftenr. f. Landschaftspfl. u. Natursch. 55: 260 - 263.


Beobachtungen zum Vorkommen und zur Reproduktion der
Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis in Brandenburg
BRAUNER, Oliver - 6225 Eberswalde

Aeshna affinis, die im südlichen Europa weit verbreitet ist, zählt in Deutschland zu den mediterranen Invasionsgästen. Zu Beginn der 90er Jahre mehrten sich in mehreren Regionen Mittel- und Norddeutschlands die Beobachtungen. Eine Zusammenstellung für Brandenburg dieser Funde findet sich bei Mauersberger (1995) sowie für das benachbarte Sachsen-Anhalt bei Müller & Steglich (2000). Neben einer erhöhten Untersuchungsintensität wurde dies wiederholt auch in Zusammenhang mit den jüngeren klimatischen Entwicklungen gebracht.
Nachdem die Art im Jahr 2000 bei eigenen Kartierungen bei der Paarung und der Eiablage beobachtet wurde, konnte im darauffolgenden Jahr erstmals für Brandenburg eine erfolgreiche Entwicklung durch Exuvienfunde belegt werden. In einem zu dieser Zeit schon in größeren Bereichen ausgetrockneten Waldgewässer bei Chorin wurden am 03.07. in einer kleinen Restwasserschlenke 2 Exuvien gesammelt. Eine seit dieser Zeit gezielte Nachsuche erbrachte weitere Nachweise in einer Reihe von Gewässern im nordöstlichen (Barnim, Uckermark) sowie im westlichen Brandenburg (Elbtal, Westhavelland). Im Jahr 2001 gelangen dabei auch Bodenständigkeitsnachweise durch den Fund von Exuvien in insgesamt 6 Gewässern. Im Jahr 2002 konnte eine erfolgreiche Larvalentwicklung in 20 Gewässern, darunter auch in 5 der 6 Reproduktionsgewässer des Vorjahres nachgewiesen werden.
Von Ende Juli bis August wurden an einer Reihe von Gewässern bis zu 20 Imagines nachgewiesen. Dabei konnten hier regelmäßig auch Fortpflanzungsverhalten mit Kopula sowie Eiablagen im Tandem bzw. auch von Weibchen solo beobachtet werden. Im Zusammenspiel mit den klimatischen Verhältnissen ist der Wasserhaushalt der Gewässer von besonderer Bedeutung für Aeshna affinis. Besiedelt werden zur Flugzeit teilweise bzw. vollständig ausgetrocknete Gewässer mit vegetationsarmen bzw. -losen Offenbodenstellen an geschützten Standorten. Im zunehmenden Sukzessionsgeschehen nach der Austrocknung wurde wiederholt die große Attraktivität neuentstandener Störstellen durch Schwarzwild als Patrouillen- und Eiablagestandorte deutlich.
Unter den zusammen mit Aeshna affinis nachgewiesenen Libellenarten zählte in einem Kleingewässer im Westhavelland auch Sympetrum fonscolombii, für die Exuvienfunde vom 13.07.02 auf eine erfolgreiche Überwinterung in Brandenburg hindeuten. In den intensiver untersuchten Gewässern erreicht die thermophile Tümpelart Lestes barbarus neben L. sponsa und Sympetrum sanguineum sehr hohe Stetigkeiten und häufig höhere Abundanzen.
Durch die starke Dynamik des Wasserhaushaltes im Sommer und Frühherbst 2001 konnte Aeshna affinis im Folgejahr in mehreren Gewässern zusammen mit A. mixta im selben Larvallebensraum angetroffen werden.
Literatur
MAUERSBERGER, R. (1995): Aeshna affinis wieder in Brandenburg. - Libellula 14 (1/ 2): 49-56. - MÜLLER, J. & R. STEGLICH (2000): Zur Verbreitung der Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis (Odonata) in Sachsen-Anhalt in den Jahren 1993 bis 1999. - Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt 8 (1 ): 22-32.


Libellenfauna in Kanälen und Flüssen mit Grubenwasser im
Lubliner Steinkohlegebiet (Ostpolen)
BUCZYNCKI, Pawel - Lublin (Polen)

Die Kohleförderung im Lubliner Steinkohlengebiet erfolgt im Tiefbau (rund 920 m) und wird von vielen Wasserschichten erschwert. Grubenwasser wird in den kleinen Fluss Świnka geleitet und gelangt damit in den Wieprz, einen rechten Zufluss zur Weichsel. Das Wasser ist stark mineralisiert, vor allem mit Chloriden, und alkalisch (Leitfähigkeit in Kanälen beim Bergwerk bis 4300 μS/cm, pH 8,2-8,5). Der Einfluss des Bergwerkes ist bis zur Mündung der Świnka in den Wieprz sichtbar, wo die Leitfähigkeit bis 1680 μS/cm beträgt (in einem unbelasteten Abschnitt der Świnka: bis 706 μS/cm). Der Wieprz führt viel Wasser, und die Belastung ist nur bei der Świnka-Mündung nachzuweisen.
In den Jahren 1999-2000 und 2002 führte ich eine Libellen-Untersuchung durch. Insgesamt wurden 23 Libellenarten nachgewiesen. 12 Arten kamen als Larven vor, bei sechs anderen beobachtete ich Fortpflanzungsverhalten. Im gesammelten Material dominierten relativ widerstandsfähige Arten. Ihr Vorkommen hing vor allem von der Gewässerstruktur (Tiefe, Strömung, Pflanzengesellschaften, Bodenart, Beschattung) ab. Die Belastung durch das Grubenwasser war offenbar zu klein, um das zu schaden, was sowohl in der Artenzusammensetzung als auch in der Artenvielfalt sichtbar wurde. Ein zusätzlicher Faktor war die organische Verschmutzung der Świnka, wodurch die Larvengesellschaft des Flusses sehr artenarm war. In Kanälen mit unverdünntem Grubenwasser kamen 17 Arten vor (acht als Larven), im belasteten Abschnitt der Świnka zwölf (zwei), in unbelasteten oder kaum belasteten Abschnitten der Świnka und des Wieprz elf (acht).
Die Artenzusammensetzung in den Kanälen und in der Świnka war typisch für mäβig belastete kleine Flüsse. Widerstandsfähige Flieβgewässerarten dominierten (Calopteryx splendens, Platycnemis pennipes, Gomphus vulgatissimus), Calopteryx virgo war sehr selten. Daneben gab es einige euryöke Arten und sehr selten einzelne Moorlibellen (Sympetrum danae, Leucorrhinia pectoralis). Im Wieprz kamen auch Gomphus flavipes und Ophiogomphus cecilia vor. Im Wieprz und in der Świnka gab es keine größeren Unterschiede zwischen belasteten und unbelasteten Abschnitten.
Sehr interessant und völlig anders war die Libellenfauna des am stärksten belasteten Kanals direkt beim Bergwerk. Das in Polen gefährdete Orthetrum brunneum (Bernard et al. 2002) dominierte hier. Imagines von Sympetrum pedemontanum kamen auch zahlreich vor, aber ich fand keine Larven der Art. Dagegen erreichten die Larven von O. brunneum gewaltige Dichten (bis 61 Ind.·m-2, durchschnittlich 23). Diese Andersartigkeit war mit einer anderen Struktur des Abschnittes verbunden. Es war sehr flach, mit einer langsamen Strömung, pflanzenarm (eine Folge regelmäβiger Pflegemaβnahmen) und warm. Algen entwickelten sich durch die groβe Mineralstoffkonzentration massenhaft auf dem Gewässergrund, wodurch eine große Population von Chironomidae existierte, die eine gute Nahrungsbasis für die räuberischen Libellenlarven bildete.
Literatur:
Bernard, R., P. Buczyński, A. Łabędzki & G. Tończyk (2002): Odonata Ważki (pol.). In: Głowaciński, Z. (Hrsg.): Czerwona lista zwierząt ginących i zagrożonych w Polsce - Red list of threatened animals in Poland. Wydawnictwo Instytutu Ochrony Przyrody PAN, Kraków, S. 125-127.


Distribution of ”Annex species” of dragonflies (Odonata) in Slovakia
and their ecological status

BULÀNKOVA, Eva - BRATISLAVA

In Annex II and IV are included 16 dragonflies species, 8 of them have been recorded in Slovakia: Coenagrion mercuriale, Coenagrion ornatum, Leucorrhinia albifrons, L. pectoralis, Ophiogomphus cecilia, Gomphus flavipes, Sympecma braueri (paedisca) and Cordulegaster heros (Stloukal et al. 2002). Findings of two species (Coenagrion mercuriale, Leucorrhinia albifrons) have historical value and in present we have not any data of their occurrence in Slovakia. In the Red list of plants and animals of Slovakia   (David 2001) these species are therefore included into the categorie extict. Endangered species S. paedisca, L. pectoralis and O. cecilia are recorded at present. Distribution of L. pectoralis in west Slovakia described Šíbl (2001).  At present we confirm occurrence of O. cecilia in the Turiec River (West Carpathians) and in the Morava River too.  Vulnerable species Coenagrion ornatum and Gomphus flavipes are recorded in the last years in Slovakia too. Large population of the species G. flavipes were found in the Malý Dunaj River (Dunaj Danube River basin) and its occurrence was confirm in the River Morava (Morava March River basin) too.  Some new localities of the occurrence of  the species Coenagrion  ornatum are in the Dunaj River basin.  The newest findings of the threaetened species Cordulegaster heros (Blaškoviè et al., 2003) which was not included into the Check list of Odonata of Slovakia till now, is important from the european point of view. Our findings indicate natural character of some biotops in Slovakia and their high faunistical value.
This study was a part of the Grant Projects 1/8200/01 provided by the Slovak Grant Agency of the Ministry of Education and Science.
References
Blaškovič, T., Šíbl, J., Bulánková, E., 2003: First record of Cordulegaster heros ssp. heros Theischinger, 1979 (Cordulegastridae, Odonata) from Slovakia. Biologia (Bratislava), 2, in press. - David, S., 2001: Červený (ekosozologický) seznam vážek (Insecta: Odonata) Slovenska. In: Baláž, D., Marhold, K., Urban, P. (Eds.): Červený zoznam rastlín a živočíchov Slovenska. Ochrana prírody 20 (Suppl.), 96-99. - Stloukal, E., Bulánková, E., Holecová, M.,  Kautman, J., Kováč, V., Krno, I., Kulfan, M., Miklós, P. & Žiak, D. 2002. Zoznam druhov uvedených v prílohách smernice Rady Európskych spoločenstiev, ktorých výskyt je známy z územia Slovenska. http://www.fns.uniba.sk/~kzo/natura2000/annexove_druhy.pdf., 03-Dec-2002. - Šíbl, J., 2001: K rozšíreniu Leucorrhinia pectoralis (Odonata: Libellulidae) na západnom Slovensku. Entomofauna carpathica, 13: 3-4.


Der Libellen wegen nach Norden? - Ergebnisse langjähriger Libellenbeobachtungen auf der Ostseeinsel Gotland
BURKART, Gudrun & Werner - WILSTEDT

Die schwedische Ostseeinsel Gotland nimmt aus geologisch-naturräumlichen, klimatischen und historisch-landeskulturellen Gründen eine besondere Stellung unter den schwedischen Landschaften ein. Sie ist aufgebaut aus silurischen Kalken, die gebietsweise durch geologisch junge eiszeitliche Ablagerungen überformt wurden. Bedingt durch die küstenferne Lage ist das Klima deutlich milder als auf dem schwedischen Festland. Biogeografisch wird Gotland der kontinentalen Region zugeordnet, während das übrige Schweden größtenteils der borealen Region angehört.
Im Zeitraum zwischen 1982 und 2002 führten wir während 11 Urlaubsreisen Beobachtungen zur Libellenfauna Gotlands durch. Ziel war es, einen möglichst vollständigen Überblick über das Artenspektrum zu erhalten. An bisher 95 Beobachtungsstellen wurden alle auf Gotland vertretenen Gewässertypen auf der Hauptinsel einschließlich der nördlich angrenzenden Insel Farö aufgesucht. Die Beobachtungstage lagen zwischen dem 21. Juni (1993) und dem 27. August (1998). Im Jahre 2000 wurde die letzte Aprildekade für die Libellensuche genutzt.
Insgesamt konnten wir in den vergangenen 20 Jahren 34 Libellenarten nachweisen. In der folgenden Aufstellung sind die Arten nach der Anzahl der Fundorte geordnet:

  • I. elegans - 44, E. cyathigerum - 38, O. cancellatum 38, C. puella - 36, C. pulchellum - 34,
  • L. quadrimaculata - 32, S. sanguineum - 27, L. sponsa - 25, B. pratense - 25, S. metallica - 25,
  • A. isoceles - 23, S. flavomaculata - 23, A. grandis - 22, L. dryas -18, A. juncea - 16, S. vulgatum - 14,
  • S. striolatum - 13, S. flaveolum - 13, L. depressa - 10, S. danae - 9, C. hastulatum 8, A. cyanea - 7,
  • C. aenea - 7, L. virens - 6, L. albifrons - 6, P. nymphula - 6, E. najas - 6, L. pectoralis - 5, A. mixta - 3,
  • I. pumilio - 2, L. rubicunda - 2, S. fusca - 1, S. paedisca - 1, A. imperator - 1.

Während die meisten der in Mitteleuropa häufigen Arten auch auf Gotland zu den ”Spitzenreitern” gehören, überrascht die relativ hohe Stetigkeit, mit der die Arten B. pratense, A. isoceles und S. flavomaculata anzutreffen sind, wohingegen P. nymphula, A. cyanea und S. danae eher selten vorkommen. Der Hauptgrund für diese Besonderheit liegt sicher in den speziellen Bedingungen der vielen thermisch begünstigten, kalkreichen Gewässer mit ihren flachen Cladium-Röhrichten. Saure Sphagnum-Gewässer fehlen ganz und mit ihnen die an sie gebundene Libellen-Zönose.
Gegenüber der Artenliste bei Sahlén (1996), die ebenfalls 34 Arten umfasst, zeigen sich einige bemerkenswerte Unterschiede. Die dort aufgeführten Arten C. virgo, C. splendens, N. speciosa und O. coerulescens konnten wir nicht (mehr) nachweisen, obwohl wir seit 1995 zumindest nach Prachtlibellen gezielt gesucht haben. Da diese Arten selbst bei geringen Abundanzen kaum zu übersehen sind, gehen wir davon aus, dass sie für die Insel Gotland als verschollen angesehen werden müssen. Ergänzt werden soll hier, dass Ander (1929) fehlende Beobachtungen von Fließwasserlibellen auf Gotland trotz intensiver Suche (”skarp utkik”) ausdrücklich erwähnt. In seinem ”Catalogus” (Ander 1944) ist C. splendens jedoch enthalten. Auch die Suche nach der Zwerglibelle und dem Kleinen Blaupfeil blieb bisher erfolglos. Für beide Arten gibt es nach unserer Einschätzung jedoch noch einige geeignete Lebensräume, so dass Wiederfunde denkbar erscheinen.
Auf der anderen Seite gelangen uns seit 1999 Neufunde von 4 auf Gotland bisher nicht beobachteten Arten. Es handelt sich um A. mixta (1999), S. fusca, S. paedisca (2000) und A. imperator (2002). Die Herbst-Mosaikjungfer  flog in der letzten Augustwoche an 3 verschiedenen Stellen und mag bisher übersehen worden sein. Gegen Ende April 2000 glückten die beiden Winterlibellen-Funde. Während mehrere Exemplare von S. fusca sich offenbar am 20.4. noch am Überwinterungsplatz mehr als 200 m vom Ufer des Fardume-Träsk an einem sonnigen, geschützten Platz aufhielten, war das Paarungsgeschehen von S. paedisca an einem windgeschützten, schilfgesäumten Teich am 27.4. in vollem Gang.
Dannelid & Ekestubbe (2001) diskutieren auf Grund neuerer Beobachtungen die Frage, ob S. fusca sich in Schweden nach Norden ausbreitet. Da Gotland im Vergleich zum schwedischen Festland als bisher nicht besonders intensiv untersucht gilt, muss die Frage nach einer möglichen Neubesiedlung der Insel durch S. fusca in jüngerer Zeit offen bleiben. Das gilt ebenfalls für S. paedisca, deren Nachweis nicht nur neu für Gotland, sondern für ganz Skandinavien ist (Burkart 2001). - Wir gehen von einer bisherigen Erfassungslücke aus.
Anders liegt der Fall bei A. imperator. Diese Art breitet sich seit Jahren nach Norden aus und ist inzwischen in Dänemark angekommen. Ob die diesjährige Beobachtung mehrerer Exemplare einschließlich eiablegender Weibchen an einem Stauteich im Westen Gotlands auf eine bereits etablierte Population hinweist, muss zunächst offen bleiben. Möglich erscheint, dass in den vergangenen Sommern ein Einflug stattgefunden hat. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Fänge mehrerer Exemplare von A. ephippiger und S. fonscolombii in einer Fangreuse der Vogelwarte Ottenby an der Südspitze der Insel Öland (Ottvall 1997). Sie weisen auf einen denkbaren Ausbreitungsweg hin, der wandernden Libellen an den Küstenlinien entlang über Öland auch das Erreichen der relativ isoliert liegenden Insel Gotland ermöglichen könnte.
Literatur
Ander, K. (1929): Bidrag till kännedomen om de svenska odonaterna 3-4. 3. Gotländska trollsländor - Ent.Tidskr. 1929, 70-75. - Ander, K.(1944): Catalogus Insectorum Sueciae, IV. Odonata. - Opuscula Entomologica : 157-163. - Burkart, W.&G. (2001): Tva nya trollsländarter för Gotland! - Nordisk odonatologisk Forum, Nyhetsbrev Vol 7, No.1, Juni 2001, S. 10. - Dannelid, E. & K. Ekestubbe (2001): Vinterflickslända (Sympecma fusca) pa spridning norrut? - Ent. Tidskr. 122 (4): 173-176. - Ottvall, R. (1997): Vandrande Mosaikslända Hemianax ephippiger, och vandrande ängstrollslända Sypetrum fonscolombei funna pa södra Öland - Ent. Tidskr. 118 (4): 193-196. - Sahlén, G.(1996): Sveriges Trollsländor - Fältbiologerna 162 S. Stockholm.


Ausbreitung von Ceriagrion tenellum und Orthetrum coerulescens in der Südheide
CLAUSNITZER, Hans-Joachim - ESCHEDE

Beide Libellen besiedelten die Südheide schon länger, so gab es besonders in zwei Naturschutzgebieten individuenstarke Populationen. Außerhalb dieser geschützten Moore traten sie jedoch recht selten auf. So waren 1970 von der Scharlachlibelle 6 Fundorte und vom Kleinen Blaupfeil 4 Fundorte bekannt. Eine Kartierung im Jahr 2002 erbrachte 28 Fundorte für Ceriagrion und 18 für O. coerulescens. Dabei hatte nicht nur die Zahl der Fundorte zugenommen, es gab auch sehr große Populationen, so dominierte im Tal der Ahrbeck im August Ceriagrion als häufigste Libelle. Dieser Zuwachs an Fundorten und die Populationsvergrößerung sind das Ergebnis mehrerer für beide Arten günstiger Entwicklungen:
1. Eine Ursache liegt in dem Naturschutzgroßprojekt des Bundes (Abendroth 1991), einem Programm vom Bundesumweltministerium zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für den Naturschutz. Bei diesem Projekt spielen Libellen keine Rolle, vielmehr beinhaltet es die Erhaltung und Entwicklung der Flussperlmuschelbestände (Margaritifera margaritifera), die sich nur durch eine Sanierung des Ökosystems Heidebach erreichen lässt. Das Schutzziel orientiert sich an dem Leitbild eines natürlichen Heidebach-Ökosystems (Altmüller 1993). Um dies Ziel zu realisieren, wurden die im Haupt- und Nebenschluss betriebenen Teichanlagen am Bach beseitigt und es erfolgte eine Aufhebung von Entwässerungsgräben und Dränagen in der Bachaue. Das führte zur Zunahme der dort schon vorhandenen Populationen der beiden Libellen und schaffte teilweise großflächig neue Habitate.
2. Aus ökonomischen Gründen wurde vor allem im Staatsforst in kleinen vermoorten Bereichen die bislang übliche regelmäßige Unterhaltung der Entwässerungsgräben aufgegeben. Solche Gräben wuchsen mit Sphagnum zu, führten dann zur Versumpfung der Randzonen und damit zum Absterben der Bäume. So entstanden durchströmte, sonnige Vermoorungsbereiche, die den Ansprüchen dieser beiden Arten entsprachen.
3. In einigen Mooren erfolgte auch ein Wiederanstau, teilweise von Privateigentümern, vom Staatsforst und vom Naturschutz. Dabei kam es zur Aufhebung von Entwässerungsgräben, sie wurden maschinell verfüllt. Auch durch diese Maßnahmen entwickelten sich für beide Arten gut geeignete Habitate.
Diese Entwicklungen begannen alle erst nach 1970, vorher hatte man viele Moore noch entwässert und damit die Habitatbedingungen für viele Libellen verschlechtert. So wurden nach 1970 teilweise Moore wieder vernässt, die vor ca. 15 Jahren mit maschinellem Aufwand erst entwässert worden waren. Als Resultat dieser Maßnahmen kam es zu einer Defragmentierung, die Zahl geeigneter Habitate nahm zu und die Entfernung zwischen den Habitaten verringerte sich.
Es wurden aber nicht nur diese neuen Habitate besiedelt, auch in bislang nicht bewohnte Moore kam es, ohne dass hier Veränderungen stattfanden, zur Vermehrung von Ceriagrion und O. coerulescens. Insgesamt führte diese Entwicklung zu einem Populationsdruck, der durch die Besiedlung von Sekundärhabitaten und ungeeigneten Habitaten evident wurde. Die Besiedlung von Sekundärhabitaten blieb, von wenigen Ausnahmen abgesehen nur sporadisch, meist verschwanden die Populationen rasch wieder, entweder durch zu starke Eingriffe bei der Grabenunterhaltung oder durch Aufgabe der Grabenunterhaltung.
An den ungeeigneten Habitaten kam es zu keiner Reproduktion, die Libellen traten nur in wenigen Exemplaren auf, so flog z. B. die Scharlachlibelle an Gartenteichen oder zusammen mit dem Kleinen Blaupfeil an den Aschauteichen, einer Karpfenzucht.
Diese Beobachtungen beschränken sich nicht nur auf das Gebiet der Südheide, auch in zwei weiteren Mooren, von denen gründliche Untersuchungen der Odonatenfauna von verschiedenen Beobachtern vorliegen, fliegt jetzt die Scharlachlibelle.
Literatur
Abendroth, D. (1991): Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Projekt Lutter: Die Lutter - ein Heidefließgewässer in den Landkreisen Celle und Gifhorn, Niedersachsen. Natur und Landschaft, 66 (1): 24-28. - Altmüller, R. (1993): Die Lutter - ein Fließgewässer mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für den Naturschutz. Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, (135): 73-94.


Teichwirtschaft und Libellen
CLAUSNITZER, Hans-Joachim  - Eschede

Bewirtschaftete Fischteiche mit großen Wasserflächen und mitunter reicher emerser Verlandungsvegetation am Ufer sind für Libellen attraktiv. Da diese Teiche jedoch im Herbst zur Entnahme der Fische abgelassen werden und im Winter trocken liegen, sind sie zur dauerhaften Ansiedlung nur für wenige Arten geeignet. Die Mehrzahl der Libellenlarven wird im Herbst beim Ablassen weggeschwemmt oder stirbt im Winter, wenn der trockene Teichboden durchfriert. Diese wintertrockenen Gewässer können nur von Arten dauerhaft besiedelt werden, die diese Phase entweder als Ei oder als Imago überstehen und sich innerhalb eines Sommers bis zur Metamorphose entwickeln.
Das sind bei uns Sympecma, Lestes
und Sympetrum, daneben kann sich auch Aeshna mixta unter guten Bedingungen erfolgreich entwickeln.
In welchen Abundanzen diese Arten dann an den Teichen fliegen, hängt von der Bewirtschaftungsintensität und von der Größe der Fische ab. Sehr oft handelt es sich beim Besatz um Altersklassen, die Teiche werden also mit gleich altrigen Fischen besetzt. Die Karpfen können ohne Zufutter gehalten werden oder es erfolgt eine Zufütterung, bei der dann ein höherer Ertrag erzielt wird. Nur wenige Libellen entwickeln sich in mit vielen großen Karpfen besetzten Mastteichen. In der Regel sind auch intensiv zur Mast genutzte Teiche recht vegetationsarm und schon deshalb weniger für Libellen geeignet. In großen Teichanlagen existieren aber auch immer Bereiche, in denen günstige Bedingungen herrschen, so haben besonders die Vorstreckteiche eine große Bedeutung für Libellen und Lurche. Man setzt in die flachen, vegetationsreichen Vorsstreckteiche die ganz jungen Karpfen, um sie auf eine verkaufsfähige Größe vorzustrecken. Für die Fische herrscht hier ein großes Nahrungsangebot an Kleintieren und ein Mangel an Prädatoren, Libellenlarven finden ebenfalls gute Entwicklungsmöglichkeiten. In Norddeutschland hat Sympetrum depressiusculum
eindeutig einen Verbreitungsschwerpunkt in solchen Vorstreckteichen (Ewers 1996).
Den entscheidenen ökologischen Faktor in einer Teichanlage bildet jedoch die winterliche Trockenphase. Bleibt der Teich im Winter bespannt, so erhöht sich die Zahl der bodenständigen Libellen. Erfolgt dann eine Reduzierung des Fischbesatzes, so steigt die Libellenzahl wiederum, allerdings nicht mehr sehr stark, es kommen seltenere Arten neu hinzu. So stieg in einem extensiv genutzten, strukturreichem Teich die Artenzahl der bodenständigen Libellen von 9 bei winterlicher Trockenheit auf 22 bei Dauerbespannung mit Fischen und auf 27 nach Entnahme der Fische. Dabei darf die weitere Zunahme der Artenzahl nicht einfach auf die Reduzierung des Fischbestandes zurückgeführt werden, es kann auch am Zeitfaktor liegen, die selteneren Arten benötigen einfach mehr Zeit, bis sie ein geeignetes Gewässer besiedeln.
Literatur
Ewers (1996): Zum Vorkommen der Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) und anderer Libellen an den Ahlhorner Teichen. - Schmidt, E. 1993: Die ökologische Nische von Sympetrum depressiusculum im Münsterland Naturschutzgebiet Heubachwiesen. Libellula ¾: 175-185.


Aeshna viridis und Angelsport
CLAUSNITZER, Hans-Joachim - Eschede

In der Allerniederung fliegt Aeshna viridis hauptsaechlich an den Altarmen, die mit Krebsschere bewachsen sind. Diese Altarme sind naehrstoffreich, die Krebsschere entwickelt daher üppige Bestände und bedeckt die gesamte Wasserfläche. Haben Angler nun solch ein Gewässer gepachtet, stört sie der starke Bewuchs mit Stratiotes aloides. Mitunter werden dann die Krebsscheren vollständig entfernt, es bleibt nicht eine Pflanze zurück. Durch so starke Eingriffe koennen Altarme frei von Krebsscheren werden und sind daher kein Laichhabitat mehr für A. viridis. In solchem Fall empfiehlt es sich, mit den Anglern ein Gespräch zu führen und sie über die Zusammenhänge aufzuklären. Eine Teilentfernung der Pflanzen kommt beiden Interessen entgegen, denn dadurch wird auch eine zu schnelle Verlandung des Altarms verhindert.


Veränderungen der Odonatenfauna der nordwestlichen Niederlausitz
vor dem Hintergrund des Klimawandels
DONATH, Helmut - Fürstlich Drehna
 

Zusammenfassung - In der nordwestlichen Niederlausitz zeigt ein Vergleich der Odonatenfauna für die Zeiträume 1976 - 1986 und 1992 -2002 eine Verschiebung des Artenspektrums von eurosibirisch verbreiteten Arten hin zu Arten mediterraner Herkunft. Bei allgemein rückläufigen Abundanzen fast aller Arten sind die Verluste in der mediterranen Gruppe geringer und in der eurosibirischen Gruppe höher. Die überleitenden Arten zeigen geringere Veränderungen.
Summary - A Comparison of the fauna of dragonflies in the northwestern ”Niederlausitz” for the periods 1976-1986 and 1992-2002 shows a postponement of the spectrum of species from euro-siberian spread species to species with an mediterranean origin. In general the abundances of almost all species have decreased. But the losses in the mediterranean group are smaller than in the euro-siberian group. The linking species show smaller changes.

Im Nordwesten der Niederlausitz (Land Brandenburg) wird seit 1976 die Bestandssituation der Odonatenfauna kontinuierlich erfasst. Für das rund 1.000 km² große Gebiet zwischen Baruther Urstromtal und Unterspreewald im Norden und Niederlausitzer Landrücken im Süden sind bisher 60 Arten nachgewiesen, davon sind oder waren 56 Arten autochthon.
Für den Bereich der oberen Dahme stiegen die Fünfjahresmittel der mittleren Tagestemperatur von 8,16 °C (1961-65) auf 9,08 °C (1986-90). Aktuellere Zahlen liegen nicht vor, dürften aber noch höher liegen. Für den Raum Berlin / Brandenburg wird für den Zeitraum 1989 - 1998 eine mittlere Tagestemperatur von 9,30 °C angegeben.
Artenspektrum und Abundanzen
Von den seit 1986 neu bodenständigen Arten sind 4 mediterranen Ursprungs (E. viridulum, A. parthenope, O. brunneum, S. striolatum)  und nur eine aus der gemäßigt kontinentalen Gruppe: L. caudalis. Dem gegenüber sind aktuell im Gebiet vier Arten als ausgestorben zu werten: A. subarctica, S. arctica (boreo-montane Gruppe), N. speciosa, C. lunulatum (gemäßigt kontinentale Gruppe).
Der Vergleich der Bestandssituation 1976 - 1986 (DONATH 1992) mit der aktuellen Situation 1992 - 2002 zeigt folgendes Bild:
-  In der mediterranen Gruppe hat sich die Artenzahl erhöht. Bei einer Art (L. virens) ist ein deutlicher Bestandsrückgang zu verzeichnen. Eine Art zeigt eine deutliche Zunahme (A. imperator) , während die Mehrzahl der Spezies sich bei vergleichbaren Populationsgrößen befindet.
- In der überleitenden Gruppe blieb das Artenspektrum konstant. Drei Arten zeigen hohe Bestandseinbußen (C. spendens, P. pennipes, C. pulchellum). Eine Bestandszunahme ist für keine Art  festzustellen.
- In der eurosibirischen Gruppe ging die Artenzahl zurück. Davon besonders betroffen ist die boreo-montane Gruppe mit zwei von fünf Arten. Von den verbleibenden Arten sind zwei (A. juncea, L. dubia) akut bedroht. Gleiches gilt für die einzige nordkontinentale Art L. rubicunda.
- In der holarktischen Gruppe sind nur geringe Veränderungen zu beobachten.
- Von der gemäßigt kontinentalen Gruppe verschwanden zwei Arten, es siedelte sich aber auch eine neu an. Während für mindestens drei Arten (A. grandis, L. pectoralis, S. flaveolum)  ein Bestandsrückgang zu verzeichnen ist, gibt es keine Art mit positiver Tendenz.
- In der südkontinentalen Gruppe verharren zwei Arten auf niedrigem Niveau, während der ehemals weit verbreitete S. pedemontanum aktuell nur noch ein kleines Vorkommen besitzt !
Die Arten ohne Bodenständigkeit sind alle Einwanderer aus dem Süden. Neben der afrikanischen Invasionsart H. ephippiger mit dem Einflug 1995 handelt es sich um mediterrane Arten: S. fonscolombei wurde 1987, 1992, 1996, 1998, 2000 bis 2002 nachgewiesen und gilt als Vermehrungsgast. Nach einem Einzelnachweis 1996 von Aeshna affinis gab es 2002 einen Masseneinflug. C. erythraea wurde nach dem Erstnachweis 2001 auch wieder an anderer Stelle 2002 gefunden.
Diskussion
Die im Zusammenhang mit klimatischen Veränderungen erwartete Verschiebung von Artenspektrum  und Abundanzen zu Gunsten der mediterranen Gruppen konnte tatsächlich nachgewiesen werden.
Die Veränderungen im Artenspektrum sowie der Fundortdichte und Abundanzen werden selbstverständlich durch vielfältige ökologische Veränderungen an den Gewässern und ihrer Umgebung überlagert. Neben der Förderung von südlich verbreiteten Arten durch die Entstehung neuer Gewässer in der Bergbaufolgelandschaft wäre aber auch eine Begünstigung von kälteverträglichen Libellen an in Folge verminderter Nutzung stärker beschatteten Feuchtgebieten zu erwarten. Ohne Zweifel hat sich allerdings die erhebliche Schädigung und Zerstörung von Mooren, die als Refugien für boreo-montane und kontinentale Arten gelten können, besonders gravierend ausgewirkt. Dennoch reichen ökologische Veränderungen als alleinige Erklärung nicht aus. Besorgniserregend ist die Zunahme von Bestandszusammenbrüchen bei euryöken Arten, wie sie z.B. im Jahr 2000 besonders L. sponsa ereilte.
Auffällig ist, dass Arten mediterraner Herkunft sich allgemein schneller von Bestandstiefs erholen und bei der Besiedlung neu entstehender Gewässer dominieren. Das zeigen aktuelle Beispiele: Weiher in der Tornower Niederung (seit Spätherbst 2000 entstanden, im Jahr 2000 15 Arten mit Entwicklungsnachweis, davon 6 Arten der mediterranen Gruppe (40 %) und nur 5 eurosibirische Arten (33 %) und Weiher in der Seeser Bergbaufolgelandschaft: 2001 entstanden, 2002 13 Arten mit Entwicklungsnachweis, davon je 4 Arten der mediterranen und der eurosibirischen Gruppe (je 31 %). 
Literatur
Donath, H. (1992): Die Libellen der nordwestlichen Niederlausitz. - Biol. Stud. Luckau 21: 35 - 52.


Entwicklung von Sympetrum pedemontanum vom Ei bis zum Imaginalschlupf
am Sihlsee (Schweiz)
FLIEDNER, Traute - BREMEN

Am Sihlsee (890m ue.NN), dem grössten Stausee der Schweiz wurde 1997 ein Vorkommen der auch in der Schweiz selten gewordenen Sympetrum pedemontanum gemeldet. 2000 gab es weitere Funde, 2001 und 2002 wurde jeweils  Massenschlupf beobachtet.
Die Wasserführung des Sees wird durch mehrere Faktoren beeinflusst: Die Schmelzwasser des Frühjahrs verändern Ufer und Untergrund mit grosser Dynamik. Oft kommt es im Sommer zu Hochwässern und Überflutungen. Im Winterhalbjahr trocknet der See aus, weil das Wasser zu einem grossen Teil für die Elektrizitätsgewinnung genutzt wird. Erst im Juni ist er wieder gefüllt.
Unsere Fragestellung zum Auftreten von S. pedemontanum war, einerseits  herauszufinden, wie und wo die Eier überwintern und wo sich andererseits die Larven entwickeln. Auch ob S. pedemontanum diesem speziellen Wasserregime mit besonderer Anpassung begegnet, sollte untersucht werden.
Aus Proben des wintertrockenen Schlammes entwickelten sich in der Aufzucht im Aquarium S. pedemontanum- und S. danae-Larven, deren Entwicklung im Aquarium und im  See verglichen wurden. Aus den signifikanten Verhaltensunterschieden der beiden Arten wurden Rückschluesse zur angepassten Lebensstrategie von S. pedemontanum gegenüber Prädatoren und zur Einnischung in Gewässern mit grosser Dynamik abgeleitet.
Eine nicht schlupfreife Larve von S. pedemontanum scheint den Winter im Aquarium zu überdauern. Damit ist diese Art möglicherweise in der Lage eine frühe kleine Frühjahrspopulation hervorzubringen, die den kurzen Sommer besser nutzen kann.
Wo sich die Larven im Sommer entwickeln wurde noch nicht abschliessend nachgewiesen. Auch bleibt noch offen, ob die überwinternden Larven im Restwasser des Sees, in der einfrierenden Uferzone oder im Wasserkörper der Randmoore ueberdauern.


An welche Art dachte Linné, als er Libellula aenea beschrieb?
JÖDICKE, Reinhard -
LINDERN

Cordulia aenea gehört zu den 13 europäischen Libellenarten, die in der berühmten 10. Auflage von ‘Systema naturae’ (Linnaeus 1758) beschrieben wurden und einen binären Namen erhielten. Der Artname aenea bezog sich auf eine Typenserie, die sich - aus heutiger Sicht - aus einem Pärchen von C. aenea und einem Männchen von Somatochlora flavomaculata zusammensetzte. Linné erkannte die bestehenden Unterschiede sehr wohl, hielt sie letztlich jedoch für so gering, daß er die drei Exemplare unter einem Namen zusammenfaßte.
Die heterogene Zusammensetzung der Typenserie blieb auch späteren Odonatologen nicht verborgen, stellte jedoch zunächst kein Problem dar. Ganz allgemein wurde der Name aenea auf die durch das Pärchen repräsentierte Art bezogen, während die andere Art von Vander Linden (1825) den Namen flavomaculata erhielt. Ganz in diesem Sinne wurden und werden auch heute noch beide Namen benutzt - Grundlage für eine unmißverständliche und stabile nomenklatorische Situation.
Leider sahen nicht alle Odonatologen die Sachlage aus dem gleichen Augenwinkel. Da war zuerst McLachlan (1898) mit der Überzeugung, Linné habe seinen Namen aenea doch sicherlich genau auf die andere Art bezogen. Er begründete das mit Argumenten, die - das sei hier abkürzend vorweggegriffen - nomenklatorisch unrelevant sind. McLachlan wollte jedoch keine Änderung im Namensgebrauch, daher zog er aus seinen Überlegungen keine Konsequenzen. Erst viel später grub der als ‘Nomenklaturschreck’ bekannte Fraser (1956) die Argumente McLACHLANs wieder aus und schockte seine Zeitgenossen mit der Erklärung, das flavomaculata-Männchen sei der eigentliche Typus der Linné’schen Serie. Diese Formulierung war fatal, denn sie erfüllte genau das, was der Code als Lektotypus-Festlegung definiert und als bindend bezeichnet. FRASER schuf somit eine Situation, für die es keinen nomenklatorischen Spielraum mehr gab: Somatochlora flavomaculata mußte fortan S. aenea heißen, und Cordulia aenea benötigte einen anderen Artnamen.
Fraser (1958) bot auch gleich einen Ersatznamen an: C. linaenea. Er übersah in seinem Eifer, daß zoologische Ersatznamen nur dann vergeben werden können, wenn der zu korrigierende Name keine Synonyme hat. In der Synonymie von aenea gab es neben einigen nicht-verfügbaren (brachycauda, longicauda, selysi) jedoch auch verfügbare Namen: amurensis Selys, 1887; tatrica Dzidzielewicz, 1902; turfosa Förster, 1902; laubmanni Götz, 1923; möglicherweise - bei Konspezifität des nearktischen Vikarianten - auch shurtleffii Scudder, 1866. Von all diesen Kandidaten hätte der älteste genommen werder müssen. Da ist es schon kurios, daß ausgerechnet der Name aeneaturfosa heute noch verwandt wird, wenn es gilt, die Cordulia-Art unter Beachtung des Codes zu benennen. Der Name aeneaturfosa muß Buchholz (1967) zugeschrieben werden, der linaenea wegen Priorität des Förster’schen Namens turfosa zurückwies, dabei aber Opfer des schlampig gedruckten Aufsatzes von Förster (1902) wurde. In dieser Arbeit gab es nämlich zwei Versionen des neu eingführten Namens: C. aenea turfosa (korrekte ursprüngliche Version) und C. aenea-turfosa (inkorrekte ursprüngliche Version). BUCHHOLZ erachtete letztere als korrekt, entfernte - in Übereinstimmung mit dem Code - den ‘unzulässigen’ Bindestrich und schuf damit einen neuen Namen, der natürlich in der Prioritätenliste ganz hinten rangiert.
Zurück zum Dilemma, das uns Fraser (1956) mit seiner Lectotypus-Designierung eingebrockt hat: Einerseits zwingt uns der Code, flavomaculata jetzt aenea zu nennen und für die bisherige aenea das älteste Synonym zu identifizieren und zu benutzen, andererseits will - bis auf eine winzige Minderheit - niemand diese Konfusion. So üben wir uns im Bewahren nomenklatorischer Stabilität, ganz so, als gäbe es kein Problem. Ich will abschließend zeigen, daß das bestehende Problem lösbar ist. Die Lösung bedient sich der Vorschriften des Codes, denn es galt, den Fall der Nomenklatur-Kommission mit dem Ziel vorzulegen, den bisherigen Namensgebrauch zu konservieren, indem die Kommission einer neuen Festlegung des Lectotypus der Linné’schen Typen zustimmt (Jödicke & van Tol 2003).
Natürlich sollte das Streben nach nomenklatorischer Stabilität die Grundlage für die angestrebte Problemlösung sein. Es gibt aber auch sachliche Argumente, die die ursprüngliche Intention LINNÉs in neuem Licht darstellen. Die Argumente kommen von Linné selber, denn er beschränkte sich nicht nur auf den - reichlich knappen - diagnostischen Text, sondern verwies noch auf drei ältere Quellen. Solche Zitate beurteilt der Code als Indikation, die zusätzlich zur Diagnose als Bestandteil der Beschreibung anzusehen sind.
Die erste Indikation verweist auf das Werk ‘Fauna Svecica’ (Linnaeus 1746). Hier stellt sich die gleiche Situation dar wie zwölf Jahre später bei der Namensvergabe. In LINNÉs Schweden-Sammlung befanden sich bereits die späteren Typen, die - aus heutiger Sicht artweise - beschrieben wurden. Für die Problemdeutung kann diese Quelle nichts beitragen, da Linnaeus (1758) ausdrücklich alle betroffenen Tiere unter dem Namen aenea zusammenfaßte. Daran änderte sich auch in einer späteren Ausgabe von ‘Systema naturae’ (Linnaeus 1767) nichts.
Der zweiten Indikation liegt die ‘Historia insectorum’ zugrunde, verfaßt von Raius (1710). Dieses Werk enthält die detaillierte Beschreibung einer Libelle, die ausschließlich mit C. aenea zu identifizieren ist.
Die dritte Indikation schließlich führt zur ‘Insecten-Belustigung’ (Rösel von Rosenhof 1749). Auch hier ist eine Libellenbeschreibung zu finden, die in erstaunlicher Präzision imaginale und larvale Merkmale zusammenstellt, die sich unmißverständlich auf C. aenea beziehen. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß in der späteren Ausgabe von ‘Systema naturae’ (Linnaeus 1767) eine weitere Quelle benannt wird: Geoffroy (1762). Dessen Libellenbeschreibungen aus der Umgebung von Paris lassen sich ebenfalls nur auf C. aenea, nicht jedoch auf S. flavomaculata beziehen.
Zusammenfassend eröffnet sich beim Studium der gesamten von Linné vorgetragenen Fakten eine klare Sicht seiner Intention bei der Vergabe das Namens aenea: Er hatte sehr wohl die Cordulia-Art vor Augen. Die einseitige Fixierung des Namens auf die Somatochlora-Art erweist sich als Fehleinschätzung. Nun bleibt abzuwarten, wie die Nomenklaturkommission entscheiden wird.
Literatur
Buchholz, K.F. (1967): Odonata. In: Illies, J. (ed.) ”Limnofauna Europaea”. G. Fischer, Jena. - Förster, F. (1902): Ueber palaearctische Libellen. Mitteilungen des Badischen Zoologischen Vereins, Karlsruhe 15: 69-81. - Fraser, F.C. (1956): Name proposed for Cordulia aenea (Linnaeus, 1746, no. 769 nec 768) (Odon., Corduliidae). The Entomologist’s monthly Magazine 92: 20-21. - Geoffroy, E.L. (1762): Histoire ebregée des insectes qui se troevent aux environs de Paris, vol. 2. Durand, Paris. - Jödicke, R. & J. van Tol (2003): Libellula aenea Linnaeus, 1758 (currently Cordulia aenea) and Libellula flavomaculata Vander Linden, 1825 (currently Somatochlora flavomaculata; Insecta, Odonata): proposed conservation of usage of the specific names by the replacement of the lectotype of L. aenea with a newly designated lectotype. Bulletin of zoological Nomenclature, im Druck. - Linnaeus, C. (1746): Fauna Svecica, sistens animalia Sveciæ Regni: quadrupedia, aves, amphibia, pisces, insecta, vermes; distributa per classes et ordines, genera et species; cum differentiis specierum, synonymis autorum, nominibus incolarum, locis habitationum, descriptionibus insectorum. Ed. 1. C. Wishoff, Lugduno, Batavorum. - Linnaeus, C. (1758): Systema naturae per regna tria naturae, secundum classes, ordines, genera, species, cum characteribus, differentiis, synonymis, locis. Ed. 10. M. Salvius, Stockholm. - Linnaeus, C. (1767): Systema naturae. Ed. 12, vol. 1, part 2. L. Salvius, Stockholm. - McLachlan, R. (1898): What is Libellula aenea, Linné?: a study in nomenclature. The Entomologist’s monthly Magazine 9: 228-230. - Raius, J. (1710): Historia insectorum. Churchill, London. - Rösel von Rosenhof, A.J. (1749): Insecten-Belustigung. Zweyter Theil. J.J. Fleischmann, Nürnberg. - Vander Linden, P.L. (1825): Monographiae libellulinarum Europaearum specimen. J. Frank, Brussels.


Der Einfluß traditioneller Nutzungsformen der Karpfenteichwirtschaft auf das Vorkommen und die Entwicklung von Libellen
KEIL, René - WEIßWASSER
 

Summary - The influence of management forms of the carp-fishery ponds on the occurrence and the development of Odonata. - In the context of a practice study detailed investigations were accomplished for the influence of the traditional management of carp-fishery ponds on the occurrence and the development of dragonflies. As important factors the winter dewatering and the carp density could be identified. 

Im Rahmen einer Praxissemesterarbeit wurden 1999 ausführliche Untersuchungen zum Einfluss der traditionellen Karpfenteichwirtschaft auf das Vorkommen und die Entwicklung von Libellen durchgeführt (Keil 1999, unveröffentlicht). Ziel der Arbeit war es, basierend auf den Erkenntnissen der Fischereiwirtschaft und der modernen Odonatologie, die bisherigen vor allem qualitativ geprägten Erfassungen der Libellenfauna (vgl. Clausnitzer 1974, Brockhaus 1990 sowie Ott 1993) um quantitative Erfassungen einzelner Libellenzönosen in Abhängigkeit von verschiedenen Bewirtschaftungsmaßnahmen zu erweitern. Ferner sollten mit den Ergebnissen mögliche Schwerpunkte in der weiteren Forschung identifiziert und die Bedeutung der einzelnen Bewirtschaftungsmaßnahmen für das Vorkommen und die Entwicklung von Libellen diskutiert werden.
Als Untersuchungsgebiet wurde mit dem Teichgebiet Hammerstadt ein typisches Oberlausitzer Teichgebiet ausgewählt. Zur Abschätzung des Einflusses des Fressfeinddruckes als Funktion der Karpfengröße bzw. -alters wurden drei morphologisch ähnliche Teiche identifiziert, die jedoch mit Karpfen unterschiedlicher Aufzuchtsklassen (K1, K2 und K3) bestückt waren. Weiterhin wurden zwei Teiche untersucht, die zwar mit gleichen Aufzuchtsklassen (K4), aber in unterschiedlichen Fischdichten (intensiv / extensiv) besetzt waren. Als natürliche Vergleichsgewässer dienten ein Teich, der 1995 aus der Nutzung genommen wurde und einen hohen Wildfischanteil aufwies sowie ein ph-saurer Weiher ohne Fischbesatz.
Um die Zusammensetzung der Libellenzönosen an den einzelnen Gewässer abschätzen zu können, wurde auf die Methodik der regelmäßigen Aufsammlung der Exuvien auf einer definierten Strecke zurückgegriffen. Dazu wurde an jedem Gewässer eine Uferstrecke von 10 Meter festgelegt, die sich stets auf der Seite des Abflusses, nie aber in seiner unmittelbaren Nähe befand. Diese Untersuchungsstrecken wurden je nach Witterung ein- bis zweimal pro Woche sowohl von Ufer- als auch von Wasserseite intensiv abgesucht. Die gesammelten Exuvien wurden nach Heidemann & Seidenbusch (1993) bis zur Art bestimmt. Weiterhin wurden sporadisch die Imagines an den Teichen erfasst, um im Falle eines Massenschlupfes schnell reagieren zu können.
Zur Charakterisierung und zum Vergleich der Teiche wurden einmalig die Vegetation und regelmäßig der Makrozoobenthos, der Gewässerchemismus sowie an zwei ausgewählten Stellen mikroklimatische Parameter erfasst.
In der Auswertung wurden die Libellenzönosen nach Dominanzklassen sowie nach Diversitäts- und Ähnlichkeitsindices verglichen. Es zeigte sich, dass die quantitative Zönosenstruktur der einzelnen Gewässer stets sehr ähnlich war und sich in wenigen Hauptarten, aber zahlreichen Begleitarten ausdrückte. Qualitativ traten jedoch in Abhängigkeit zur Nutzungsform zum Teil sehr erhebliche Unterschiede auf.
Als bedeutendster biozönotisch wirksamer Faktor konnte die winterliche Trockenlegung heraus gearbeitet werden. Dies zeigte sich besonders deutlich bei sog. Brutstreckteichen, welche z.T. über acht Monate bis in den Mai trocken lagen. Es war zu beobachten, dass hierbei das gesamte Spektrum an larval überwinternden Arten nicht zur Entwicklung kam. Gegensätzlich kam es im ganzjährig bespannten Vergleichsgewässer zur vollen Entfaltung dieser Arten. Weiterhin scheint in den staunassen Teichen der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft neben der Dauer der Trockenlegung auch deren Intensität von Bedeutung sein. Dieser Aspekt konnte am Verhältnis der Schlupfdichte von E. najas (Hansemann, 1823) zu I. elegans (Vander Linden, 1840) dokumentiert werden. In Teichen, die auch nach der Trockenlegung größere Wasserflächen aufwiesen, dominierte E. najas die Zönose, während sich in weniger staunassen Teichen Ischnura elegans als dominante Art durchsetzte. Erheblich von der Trockenlegung beeinflusst wird ebenfalls die Entwicklung von Arten mit mehrjähriger Larvalentwicklung (besonders Aeshna spec.), wobei B. pratense (Müller, 1764) scheinbar weniger sensibel auf die Trockenlegung reagierte als andere Arten. Auffällig ist auch das vergleichsweise erhöhte Auftreten von A. mixta (Latreille, 1805) in Teichen, die der Trockenlegung unterzogen wurden. Dieser Aspekt ist möglicherweise mit dem Hinweis auf einen reduzierten Konkurrenzdruck von Seiten anderer Aeshniden-Larven zu begründen. Offensichtlich positiv auf eine Überwinterung von Libellenlarven wirken sich größere Ansammlungen groben pflanzlichen Materials aus, unter welchen sich die Nässe länger hält und die somit einen Überwinterungsort für Zygopterenlarven darstellen.
In Verbindung mit der fischereiwirtschaftlichen Literatur (u.a. Merla 1966) konnte mit der Besatzart und -dichte ein weiterer biozönotisch wirksamer Faktor identifiziert werden. In sog. Winterungsteichen, die im Winter einen erhöhten Karpfenbesatz aufwiesen, konnte ein weitgehendes Fehlen von larval überwinternden Arten festgestellt werden, was allgemein auf die stärkere Beanspruchung des Ökosystems zurückgeführt werden kann. Auffällig war ebenfalls das verminderte Auftreten spezialisierter Planktonfresser und Phytalbesiedler (Zygopteren, Sympetrum spec.) als Folge fehlender submerser Vegetation durch die wühlende Karpfentätigkeit.
Als eindeutig positiv für Teichgebiete ist der Einfluß unbewirtschafteter Gewässer auf die Libellenfauna zu bewerten. In den Untersuchungen wurde deutlich, dass diese zum einen als Rückzugsgebiete für konkurrenzschwache Arten (z.B. C. hastulatum (Charpentier, 1825), Leucorrhinia spec. in ph-sauren Gewässern), zum anderen aber auch als Ausbreitungszentren (in diesem Falle für A. isoceles (Müller, 1767) und C. pulchellum (Vander Linden, 1825)) dienen können. Der Artenreichtum an Libellen in Teichgebieten wird somit im wesentlichen durch das Vorhandensein solcher unbewirtschafteter Gewässer bestimmt.
Literatur
Brockhaus, T. (1990): Zur Libellenfauna bewirtschafteter Teichgebiete in der Umgebung von Karl-Marx-Stadt (DDR). Arch.Nat.schutz Landsch.forsch., Berlin 30 (3): 195-200. - Clausnitzer, H. J. (1974): Die ökologischen Bedingungen für Libellen (Odonaten) an intensiv bewirtschafteten Fischteichen. Beitr. Nat.kunde Niedersachsens, 27. Jahrg. Heft 4: 78-90. - Heidemann & Seidenbusch (1993): Die Libellenlarven Deutschlands und Frankreich. Handbuch für Exuviensammler. Verlag Erna Bauer. Keltern. - Merla, G. (1996): Untersuchungen über die quantitative Entwicklung der natürlichen Nahrung des Karpfens (Cyprinus carpio L.) in Streck- und Abwachsteichen und über ihre Beziehung zum Karpfenzuwachs. Z. Fischerei 14: 161-248. - Ott, J. (1993): Auswirkungen des Besatzes mit Graskarpfen auf die Libellenfauna einer Kiesgrube bei Ludwigshafen. Artenschutzreport 3: 6-11.


Nehalennia speciosa - eine Schlüsselart im Moor-Naturschutz
KUHN, Joachim - Seewiesen

Die Zwerglibelle Nehalennia speciosa zählt im europäischen Maßstab zu den am stärksten bedrohten Libellenarten. Die Mehrzahl der mitteleuropäischen Populationen lebt im südbayerischen Alpenvorland. Für keine andere Libellenart trägt Bayern eine derart große internationale Verantwortung. Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz trägt dem seit 2001 mit einem ”Artenhilfsprogramm Zwerglibelle” Rechnung. Im Vortrag werden einige der bisher gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen vorgestellt.
Bestandssituation:
In Bayern existieren derzeit ca. 30 Zwerglibellen-Vorkommen. Darunter sind etliche Kleinstbestände, aber nur wenige Großpopulationen. Allein seit 1950 sind mindestens zwei Drittel, wahrscheinlich aber 80-90 % der ehemals beständigen Vorkommen erloschen. Der starke Bestandsrückgang hält an. Ein großer Teil der verbliebenen Vorkommen sind offensichtlich Restbestände vormals größerer Populationen. Ehemalige Massenbestände sind auf Bruchteile ihrer einstigen Größe zusammengeschmolzen oder erloschen.
Habitate:
N. speciosa ist auch in Bayern ein extremer Habitatspezialist, das Typenspektrum der besiedelten, durchweg oligo- bis mesotrophen Lebensräume ist in Bayern jedoch breiter als in anderen zentraleuropäischen Ländern. Es reicht von Quellsümpfen und Grundwassermooren über minerotrophe Zwischenmoore bis hin zu ombrotrophen Regenmooren. Vorkommen an stark sauren Moorgewässern sind in der Minderzahl. Unter den bayerischen Habitaten überwiegen heute (!) Schwingdecken-Zwischenmoore; Ursache ist die Hydrostabilität der Schlenkenkomplexe schwimmender Moorteile, die auch bei Teilentwässerung bestehen bleibt. Sekundäre, durch menschliche Nutzung (Rodung, Streunutzung, Beweidung, Torfstich, Weiherwirtschaft) entstandene oder optimierte Habitate spielen bzw. spielten eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen. Von herausragender Bedeutung waren durch Streumahd geprägte, ganzjährig schlenkenreiche oder in Teilen ganzjährig überstaute Bestände des oligo- bis mesotraphenten Nicht-bultigen Steifseggenriedes sowie des Fadenseggenmoores (Großseggen-Streuwiesen).
Aktuelle spezifische Gefährdungsfaktoren:
Die Mehrzahl der verbliebenen Primär- und Sekundärhabitate unterliegt einer schleichenden Entwertung durch Moorwasser-, Grundwasser- oder Seespiegelabsenkung, (Aut-) Eutrophierung und Sukzession. Etliche Vorkommen liegen sehr isoliert; eine selbständige Wiederbesiedlung verwaister Habitate dürfte in aller Regel unmöglich sein.
Handlungsbedarf:
In fast allen aktuellen und ehemaligen Vorkommensgebieten sind Maßnahmen zur Wiederherstellung früherer hydrologischer Zustände entweder dringend erforderlich oder erwägenswert. Dies gilt auch für einige der zwar besterhaltenen, aber eben nur scheinbar unbeeinträchtigten Moore. Vielerorts sind gelegentliche oder regelmäßige Pflegeeingriffe sinnvoll oder notwendig - vor allem um die Folgen des angeschlagenen Wasserhaushalts, der Brachlegung und/oder der Eutrophierung zu mildern. Eine Wiederherstellung verwaister Lebensräume durch hydrologische Restitution und/oder adäquate Nutzung oder Pflege erscheint in einigen Fällen möglich.
Die Zwerglibelle ist in besonderem Maße als Ziel- und Leitart im Moor-Naturschutz geeignet, weil ihr Vorkommen besonders hochwertige hydrologische und trophische Zustände anzeigt. Bei Beeinträchtigungen fällt sie als eine der ersten Arten aus - oft lange bevor die Veränderungen floristisch-vegetationskundlich erkennbar sind. N. speciosa sollte dringend in die Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie aufgenommen werden.
Bei der naturschutzfachlichen Bewertung des hydrologischen Zustandes von Mooren und Gewässern müssen strengere Maßstäbe angelegt werden, als dies bisher Praxis ist.


Thesen zum Workshop ”Fische, Fischerei und Libellenschutz”
KUHN, Joachim - Seewiesen

Der Workshop ”Fische, Fischerei und Libellenschutz” ist ein Versuch, den Stand der Kenntnisse zum Thema abzustecken und zu bewerten, Widersprüche aufzudecken, schlummerndes Wissen zu wecken und Berichte über Erfahrungen und aufschlussreiche Einzelbeobachtungen anzuregen. Die folgenden zusammenfassenden Thesen stützen sich auf eine laufende Literaturstudie und sollen eine kontroverse Diskussion entfachen.

Bewertung des Kenntnisstandes:

  • Im Themenfeld ”Fische, Fischerei und Libellenschutz” erweist sich die Literatur als erstaunlich unergiebig: Konkrete, gut belegte und nachvollziehbare Ergebnisse sind sehr selten, die meisten Aussagen sind Vermutungen auf der Basis indirekter Indizien oder Analogieschlüsse.
  • Naturschutzfachliche Probleme mit der Fischerei werden in der Libellenliteratur - von Ausnahmen abgesehen - auffallend undifferenziert behandelt: In den allermeisten der einschlägigen Libellenarbeiten sind nicht einmal die Fischarten genannt; häufig werden ”Fischbestand” mit ”Fischbesatz”, Individuenverluste mit naturschutzrelevanter ”Gefährdung” gleichgesetzt usw.
  • Zwischen der ökologischen (einschließlich der verhaltens- und evolutionsökologischen) Grundlagenforschung einerseits und der Naturschutzpraxis andererseits klafft eine tiefe Lücke. An guten praxisorientierten Untersuchungen besteht großer Mangel.

Koexistenz von Libellen und Fischen: generelle Aspekte:

  • Artenzusammensetzung und Dichte der Fischbestände sind Schlüsselfaktoren für Artenspektren und Populationsgrößen der Libellen.
  • Prädation durch Fische prägte die Evolution von Larven-”Lebensstilen” und Lebenslaufstrategien der Libellen maßgeblich mit.
  • Faustregel mit Ausnahmen: Libellenarten fischreicher Gewässertypen weisen morphologische und ethologische Larven-Anpassungen an die Koexistenz mit Fischen auf; Libellenarten primär fischfreier Lebensräume sind nicht an die Koexistenz mit Fischen angepasst.
  • Larven-Anpassungen an die Koexistenz mit Fischen können überfordert werden durch Überbesatz, Fehlbesatz und fischereilich bedingte Arten- und Mengenverschiebungen innerhalb der Fischfauna.

Fischbesatz und Angelfischerei:

  • Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass angelfischereilicher Besatz vielerorts zu den stärksten Schadfaktoren für einige Libellenarten zählt. Die Kenntnisse der direkten und indirekten Wirkungszusammenhänge sind jedoch bis heute recht vage, fragmentarisch und sektoral.
  • In kaum einem anderen Konfliktbereich verfügt der Naturschutz über derart schlechte Argumentations- grundlagen.
  • Eine Reihe angelfischereilicher Praktiken ist nicht mit den Zielen des Gewässer- und des Naturschutzes vereinbar.
  • Anglervereine profitieren von einer Rechtslage, welche die professionelle Fischerei im Auge hatte (als ”ordnungsgemäß”).

Teich- und Weiherwirtschaft:

  • In Fischteichen und Teichwirtschaften wird die Libellenfauna einerseits von der Bewirtschaftungs- intensität, andererseits vom Bewirtschaftungsmodus, insbesondere vom Bespannungsregime geprägt.
  • Traditionell-”extensive” Karpfen-Teichwirtschaft ist eine naturschutzfachlich und kulturhistorisch gleichermaßen wertvolle Nutzungsform.
  • Die Mehrzahl der mitteleuropäischen Libellenarten reproduziert regelmäßig oder unter bestimmten Bedingungen in fachgerecht ”extensiv” bis mäßig ”intensiv” genutzten Fischteichen und -weihern; einzelne Arten haben hier sogar regionale oder überregionale Vorkommensschwerpunkte.
  • Merkmale ”extensiver”, für die Libellenfauna positiver Teichbewirtschaftung sind bislang unzureichend konkretisiert. Die Handhabung der Begriffe ”intensiv” und ”extensiv” ist widersprüchlich, je nachdem welche Bewirtschaftungsmaßnahmen im Blickpunkt stehen.
  • Die Möglichkeiten, die sich aus einer differentiellen Teichbewirtschaftung für den Libellenschutz ergeben, werden bisher wohl nirgends planmäßig ausgeschöpft.
  • Winterung ist in der Regel zwingender Bestandteil qualifizierter Teichbewirtschaftung und -pflege. Winterung bedingt einerseits zwar drastische Individuenverluste und ökologische Einschränkungen für Teile der Libellenfauna, verschiebt andererseits aber die Konkurrenzverhältnisse - vor allem zugunsten gefährdeter Arten astatischer Gewässer. Ohne regelmäßige Winterung in mehrjährigem Turnus verlieren viele Teiche mittel- und langfristig ihre naturschutzfachliche Bedeutung.
  • Sömmerung: Gelegentliches Austrocknen im Sommer bzw. gelegentliche Sömmerung ist für eine Reihe gefährdeter Libellenarten positiv (u.a. Arten astatischer Gewässer). Schon teilweises Ablassen im Hochsommer kann sehr positive Auswirkungen haben.

Forschungs- und Klärungsbedarf:

  • Die Kenntnisse über die Auswirkungen von Fischbesatz und Angelfischerei müssen dringend ausgeweitet, vertieft und differenziert werden. Besonders hilfreich wären experimentelle Freiland- und Halbfreiland-Studien mit adäquatem Design.
  • Die naturschutzfachliche Optimierung des Teich- und Weihermanagements könnte durch eine adäquate statistische Analyse vorhandener Datensätze sehr gewinnen (multivariate und Meta-Analysen). ”Widersprüche” und ”Ausnahmen” sind oft Wegweiser zu neuen Erkenntnissen.
  • Das Verständnis der Lebensstrategien (Life-history-Strategien) mitteleuropäischer Libellenarten muss ebenso ausgebaut werden wie das Verständnis der Interaktionen im Larvenstadium.
  • Juristische Klärung: Die Rechtslage im Kontext der Angelfischerei ist aus naturschutzfachlicher Sicht unbefriedigend. Dringender Bedarf besteht an einer umfassenden juristischen Aufarbeitung der rechtlichen Möglichkeiten und Hemmnisse für eine naturschutzkonforme Ausgestaltung bzw. Einschränkung der Angelfischerei.

Konsequenzen für die Praxis: Faustregeln und Maßnahmen-Prioritäten:

  • Illegaler und unsachgemäßer Besatz muss besser überprüft und wirksam geahndet werden.
  • Zumindest aus naturschutzfachlich hochwertigen Gewässern müssen gebiets- und gewässerfremde (Besatz-) Fischarten eliminiert werden.
  • Professionelle Teichbewirtschaftung ist anders zu beurteilen als die Freizeitnutzung durch Angelsportvereine. Traditionell-”extensive” Teichbewirtschaftung sollte aus naturschutzfachlicher Sicht noch stärker gefördert werden.
  • Bloße Nutzungsauflassung (und deren Verbrämung als ”Prozessschutz”) ist in der Regel kein tragfähiges Naturschutzkonzept - auch nicht bei Teichen und Weihern!
  • Pflegeeingriffe müssen unvoreingenommener, positiver und weitsichtiger beurteilt werden als bisher (maßvolle Auflichtung der Submersvegetation, Schilfmahd, Uferpflege, Winterung etc.). Manche der gängigen Maßnahmen-Empfehlungen beruhen auf überholten Vorstellungen.


Onychogomphus costae : Portait eines ibero-maghrebinischen Endemiten
KUNZ,  Bernd - Langenburg -  & JÖDICKE, Reinhard - Lindern
Referent: B. Kunz

Onychogomphus costae gehört zu den am wenigsten erforschten Libellenarten Europas. Sein Vorkommen ist auf den Süden der Iberischen Halbinsel und den Norden des Maghreb beschränkt. Ein in Algerien gefangenes Männchen gelangte in die Sammlung von Selys und wurde von diesem als das damals noch unbekannte Männchen von Paragomphus genei beschrieben (Selys 1871). Später erkannte Selys den Irrtum und vergab den eigenen Artnamen costae (Selys 1885). Besonders in Spanien und Portugal blieben Verwechslungen zwischen den beiden Gomphidenarten noch ein rundes Jahrhundert an der Tagesordnung (vgl. Compte Sart 1965), so daß das heute bekannte Verbreitungsbild im wesentlichen auf jüngsten Erkenntnissen beruht.
Die Art war noch nie das Objekt gezielter biologischer oder ökologischer Fragestellungen. Auch wir können keine derartige Studie vorlegen, doch wollen wir, aufbauend auf eigenen Feldbeobachtungen in Verbindung mit den spärlichen Literaturhinweisen, erste Erkenntnisse zur ökologischen Einnischung, zum Verhalten von Imagines, zu den Exuvienfundorten, zur Phänologie und zum Voltinismus präsentieren.
In den meisten der bisher vorgelegten Larvenbeschreibungen (Schmidt 1936, Conesa GarcÌa 1985, Askew 1988, Suhling & Müller 1996, Sternberg & Gerken 1999) ist O. costae ohne Dorsaldornen auf den Abdominalsegmenten 4-9 dargestellt. Dieses Merkmal wird meist als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu O. forcipatus unguiculatus und O. uncatus betont. Nach unseren Erfahrungen aus dem Maghreb, wo wir die Exuvien  aller drei Onychogomphus-Arten aufsammelten, lassen diese sich nicht zuverlässig aufgrund ihrer Dorsaldornen oder Körperlänge unterscheiden. Als einziges gut sichtbares Unterscheidungsmerkmal erachten wir die Form des dritten Antennengliedes.
Zur Variabilität der Exuvie von O. costae können wir jetzt aufgrund eines großen Materialumfangs (n = 328; Herkunft: Tunesien und Marokko) detaillierte Angaben machen. Die Gesamtgröße der Exuvien schwankte beträchtlich (19,0-24,4 mm). Große Dorsaldornen traten sowohl bei großen als auch bei kleinen Exuvien auf. Auch konnten wir keinen Zusammenhang zwischen der Entwicklung großer Dorsaldornen und einem bestimmten Gewässertyp, dem Bodensubstrat oder der Fundorthˆhe erkennen.
Literatur
Askew, R.R. (1988): The dragonflies of Europe. Harley, Colchester. - Compte Sart, A. (1965): DistribuciÛn, ecologÌa y biocenosis de los Odonatos ibÈricos. Publicaciones del Instituto de Biologia aplicada 39: 33-64. - Conesa GarcÌa, M.A. (1985): Larvas de odonatos. In: ”Claves para la identificacion de la fauna EspaÒola”. Catedra de Entomologia, Facultad de Biologia, Madrid. - Gerken, B. & K. Sternberg (1999): Die Exuvien europ‰ischer Libellen - The exuviae of European dragonflies. Arnika & Eisvogel, Hˆxter & Jena. - Schmidt, E. (1936): Die westpal‰arktischen Gomphiden-Larven nach ihren letzten H‰uten (Ins. Odon.). Senckenbergiana 18: 270-282. - Seidenbusch, R. (1995): Comparison of the last instar larvae of Onychogomphus forcipatus unguiculatus Vanderlinden 1823 Onychogomphus costae Selys 1885 (Anisoptera: Gomphidae). Sulzbach-Rosenberger Libellenrundbrief 2: 2 pp. - Selys-Longchamps, E. de (1871): Nouvelle rÈvision des Odonates de l’AlgÈrie. Annales de la SociÈtÈ entomologique de Belgique 14: 9-20. - Selys-Longchamps, E. de (1885): Rectification concernant l’ Onychogomphus Genei Selys, et signalement de deux Gomphines nouvelles. Comptes-Rendus de la SociÈtÈ entomologique de Belgique 29: cxli-cxlvi.  - Suhling, F. & O. Müller (1996): Die Flußjungfern Europas. Gomphidae. Die Neue Brehmbücherei 628. Westarp, Magdeburg; Spektrum, Heidelberg.


Habitatspezifisches Driftverhalten der Larven von Cordulegaster-Arten:
Erklärung für ihre Einnischung?
LEIPELT, Klaus Guido - Braunschweig

In vielen Regionen Europas treten zwei Arten der Gattung Cordulegaster sympatrisch auf. Eine Art eines solchen Artenpaares beschränkt sich dabei auf den Quellbereich (z.B. C. bidentata, C. insignis), während die andere Art Fließgewässer von der Quelle bis ins Hyporhithral hinein besiedeln kann (z.B. C. boltonii, C. picta). In Mitteleuropa existiert das Artenpaar C. bidentata / C. boltonii, in der östlichen Ägäis das Artenpaar C. insignis / C. picta. Es stellt sich die Frage, warum Larven von C. bidentata bzw. C. insignis nicht bis ins Hyporhithral hinein vorkommen. Bisher gab es dafür keine plausible Erklärung.
Ich stellte die Hypothese auf, dass sich die Larven der Cordulegaster-Arten hinsichtlich ihres Driftverhaltens unterscheiden. Cordulegaster-Arten, die in Bachabschnitten mit starker Wasserführung (Hyporhithral) leben, sollten weniger anfällig für Verdriftung sein als Arten, die nur in Quellrinnsalen (geringe Wasserführung) vorkommen. In künstlichen Fließgerinnen im Labor wurden drei unterschiedliche Drift-Experimente durchgeführt. Dabei wurde die Anfälligkeit für Verdriftung, das Verhalten nach einem Drift-Ereignis und das Verhalten in starker Strömung getestet. Die beiden quellbewohnenden Arten C. bidentata und C. insignis unterschieden sich von C. boltonii und C. picta durch eine höhere Anfälligkeit gegenüber Drift, nach einem Drift-Ereignis wurden sie häufiger ein weiteres Mal verdriftet und in starker Strömung wurden sie über eine längere Strecke verdriftet als C. boltonii und C. picta. Bei allen drei Experimenten ergab sich immer das gleiche Muster: Die Larven der beiden quellbewohnenden Arten C. bidentata und C. insignis unterschieden sich in ihrem Verhalten nicht signifikant voneinander. Ebenso gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen C. boltonii und C. picta. Die vier anderen paarweisen Vergleiche dagegen ergaben immer signifikante Unterschiede.
Ich ziehe aus den Ergebnissen folgende Schlüsse:
Die auf Quellrinnsale beschränkten Cordulegaster-Arten kommen im Hyporhithral nicht vor, weil sie aufgrund ihres Verhaltens der dort herrschenden Wasserführung nicht standhalten würden. Im von Stauhindernissen durchsetzten Quellbereich der Fließgewässer bringt das Verhalten dieser Arten offenbar keine Nachteile mit sich (Absenz von Fischen, geringe Wasserführung). Im Gegensatz dazu sind die Arten C. boltonii und C. picta in der Lage, durch ihr Verhalten das Driftrisiko gering zu halten. So vermeiden sie das Verdriften in suboptimale Bachabschnitte sowie Prädation durch Driftfresser.


Der Untere Allier und seine Libellenfauna - naturnahes Referenzgewässer für vergleichbare mitteleuropäische Flüsse? *
LOHR, Mathias - Boffzen
* aus den Lehrgebieten Tierökologie und Landschaftsökologie, FB9 Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Fachhochschule Lippe und Höxter, An der Wilhelmshöhe 44, 37671 Höxter

In diesem Beitrag werden die Ergebnisse aus insgesamt 9 Untersuchungsjahren (1995-2002) zur Libellenfauna des Unteren Allier nördlich von Moulins (Dépt. Allier, Mittelfrankreich) vorgestellt. Die Loire und ihr Nebenfluss Allier entwässern das französische Zentralmassiv nach Norden hin, bevor sie nach jeweils etwa 400 Flusskilometern bei Nevers zusammenfließen. Das Klima des Untersuchungsgebietes ist bereits deutlich submediterran geprägt, die Abflussmengen zeigen sehr hohe Schwankungen zwischen Niedrig- und Hochwasserereignissen.
Von herkömmlichen mitteleuropäischen Flussbaumaßnahmen bislang weitgehend verschont gelten die Mittlere Loire und der Allier- zumindest im zentral- und westeuropäischen Raum - als die letzten naturnahen Flusssysteme. Abflussregime und Geschiebehaushalt sind weitgehend unbeeinflusst von Stauhaltungen. Uferverbauungen und -befestigungen sind kaum vorhanden, Unterhaltungsmaßnahmen, wie sie für fast alle anderen mitteleuropäischen Flüsse üblich sind (Fahrrinnenvertiefungen, regelmäßiger Schnitt der Ufergehölze, Beseitigung von Totholz etc.), werden nicht durchgeführt. Insbesondere der Allier weist daher eine sehr naturnahe Abfluss- und Geschiebedynamik auf. Aufgrund dessen sind viele typische fluss- und auenmorphologische Strukturen - wie Stromspaltungen, ausgedehnte Kies- und Sandbänke sowie Uferabbrüche - vorhanden. Die landwirtschaftliche Nutzung der Aue ist im wesentlichen geprägt durch eine extensive, naturverträgliche Rinderbeweidung.
Der naturnahen Geschiebedynamik entsprechend findet sich im Bereich des Allier-Hauptgerinnes eine sehr hohe Substratvielfalt, weshalb eine hohe Vielzahl an Arten aus der Familie der Flußjungfern zu finden ist. O. cecilia schlüpft in sehr hohen Abundanzen mit z. T. mehr als 50 Tieren je 10 m Uferlänge. Gomphus vulgatissimus kann in Bereichen mit relativ feinem Substrat und einem hohen Anteil organischer Bestandteile ähnlich hohe Schlupfdichten erreichen. In etwas geringeren Abundanzen finden sich die südwesteuropäische G. simillimus, die ähnliche Bereiche besiedelt, und Onychogomphus, die Abschnitte mit kiesigen Substraten bevorzugt. G. flavipes besiedelt ausschließlich meist kleinräumig strömungsberuhigte Bereiche mit sehr feinen Sedimenten in Schlupfdichten von bis zu 10 Tieren je 10 m Uferlänge. Lediglich in sehr geringen Dichten findet sich G. pulchellus.
Uferabschnitte mit größeren Genistansammlungen oder submersen Wurzelgeflechten der Uferbäume werden regelmäßig von B. irene besiedelt. Bemerkenswert ist das zumindest jahreweise syntope Vorkommen von P. pennipes und P. acutipennis. Abschnitte mit größeren strömungsberuhigten Bereichen werden auch von I. elegans, C. lindenii und O. cancellatum als Fortpflanzungsgewässer genutzt.
Die Libellengemeinschaften der nur temporär überfluteten Seitengerinne und Altwässer sind stärker zonal geprägt. Hier dominieren C. scitulum, E. viridulum und O. albistylum an durch Rinderbeweidung trittbeeinflussten, vegetationsarmen Gewässern. Grundwasserbeeinflusste Gräben werden u. a. von C. mercuriale besiedelt, in Gewässern, die eine dichte emerse Vegetation aufweisen, finden sich u. a. A. affinis, L. dryas, S. sanguineum und S. meridionale.
Das Großklima des Untersuchungsraumes zeigt mehr oder weniger deutlich submediterrane Einflüsse, und es finden sich bereits zahlreiche südwesteuropäische Faunenelemente (z.B. B. irene, G. simillimus, P. acutipennis). Trotzdem können aus den Ergebnissen für die stärker azonal geprägten Gewässer des Allier-Hauptgerinnes Rückschlüsse auf die ursprüngliche Libellenfauna vergleichbarer mitteleuropäischer Flüsse gezogen werden. Aufgrund der naturnahen Geschiebe- und Abflussdynamik finden sich im Unteren Allier Libellengemeinschaften, die im übrigen Mitteleuropa - wenn überhaupt - meist nur noch fragmentarisch vorhanden sind. Dabei kommt insbesondere dem oft kleinräumig differenzierten Wechselspiel von Erosion und Sedimentation große Bedeutung zu. Arten, die z. B. in der Elbe, der Oder und der Weser fast ausschließlich in strömungsberuhigten Buhnenfeldern zu finden sind, besiedeln im Allier Bereiche hinter Totholz und größeren Genistansammlungen, die im Fluss verbleiben und nicht entfernt werden. Insbesondere G. vulgatissimus (hoher Anteil organischer Bestandteile in der Umgebung der Geniste) und G. flavipes (Ablagerung von sehr feinen Sedimenten im Strömungsschatten) profitieren hiervon.
Für die Regeneration mitteleuropäischer Flüsse ergibt sich aus den Untersuchungen u. a. die Forderung, künftig durch das Belassen von Totholz und anderen Genisten morphodynamische Prozesse verstärkt zuzulassen. Auch die Beseitigung von Geschiebesperren (Stauanlagen, Wehre) und Uferverbauungen sowie die Reduzierung von Unterhaltungsmaßnahmen würde vielerorts mit vergleichsweise geringem Aufwand zu einer wesentlichen Erhöhung der Geschiebedynamik führen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Regeneration von Flusslandschaften führen. Die Bereitschaft, Auenflächen sowohl aus Aspekten des vorsorgenden Hochwasserschutzes (Schaffung von Retentionsraum) als auch des Naturschutzes (Möglichkeit verstärkter morphodynamischer Entwicklungen) zur Verfügung zu stellen, wird in Frankreich mit dem Konzept des ”l’espace de liberté” (Entfaltungsfläche für den Fluss, MALAVOI & SOUCHON 1996, MALAVOI 1998) praktiziert.
Literatur
MALAVOI, J. (1998): Guide technique No. 2. Détermination de l’espace de liberté des cours d’eau. - Lyon: Agence de l’Eau Rhône Méditerranée Corse et DIREN Rhône Alpes. - MALAVOI, J. & Y. SOUCHON (1996): Dynamique fluviale et dynamique écologique. - Colloque d’Hydrotechnique 153: 145-158.


Zur Ausbreitung von Crocothemis erythraea in der nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Oberweserniederung*
LOHR, Mathias - Boffzen
* aus den Lehrgebieten Tierökologie und Landschaftsökologie, FB9 Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Fachhochschule Lippe und Höxter, An der Wilhelmshöhe 44, 37671 Höxter

Nachdem für die mediterrane Libellenart Crocothemis erythraea (Feuerlibelle) bereits in den 1970er und 1980er Jahren im mittleren und nördlichen Frankreich eine Ausbreitung zu beobachten war (Dommanget mdl.), ist auch in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre eine starke Zunahme von Beobachtungen zu verzeichnen (vgl. z. B. OTT 2000).
In der Oberweserniederung wurde die Art erstmals durch die Beobachtung eines einzelnen Männchens im August 2000 an einem ehemaligen Abgrabungsgewässer bei Holzminden (Niedersachsen) nachgewiesen. Im Jahr 2001 wurden an diesem Gewässer bis zu 10 Männchen gleichzeitig beobachtet, wobei die meisten Männchen ausgeprägtes Revierverhalten zeigten. An zwei weiteren, benachbarten Abgrabungsgewässern in der Umgebung von Höxter (Nordrhein-Westfalen) flog 2001 jeweils ein einzelnes Männchen.
2002 wurde die Art an insgesamt 10 ehemaligen Abgrabungsgewässern in der Oberweserniederung zwischen Bad Karlshafen und Holzminden festgestellt. An fast allen Gewässern wurde neben Revierverhalten auch Kopulae und Eiablagen beobachtet. Die bereits 2000 bzw. 2001 besiedelten Gewässer zeigten Dichten von bis zu 3 Männchen je 10 m Uferlänge. Exuvienfunde gelangen bislang jedoch - trotz intensiver Suche - nicht.
Beobachtet wurde die Art ausschließlich an ehemaligen Kiesgrubengewässern unterschiedlicher Sukzessionsstadien. Dabei wurden vorzugsweise Uferabschnitte mit relativ flachem Ufer, ausgedehnten Flachwasserzonen (Wassertiefe in einem größeren Bereich unter 0,5 m) und dichten Grünalgenwatten sowie einer dichten submersen Vegetation besiedelt. Die Gewässer wiesen i.d.R. einen starken Grundwassereinfluß auf, weshalb selbst die Flachwasserzonen im Winter nicht durchfrieren dürften. Sie könnten sich daher durchaus auch als Fortpflanzungsgewässer für die Art eignen (vgl. STERNBERG & BUCHWALD 2000).
Zwar lag die Beobachtungsdichte 2001 und 2002 etwas höher als in den Vorjahren, die meisten der festgestellten Gewässer wurden aber bereits seit Ende der 1980er Jahre regelmäßig und intensiv auf ihre Libellenbesiedlung hin untersucht. Trotzdem kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, daß dabei einzelne Tiere von C. erythraea übersehen worden sind. Die starke Zunahme der Beobachtungen in den Jahren 2001 und 2002 weist jedoch eindeutig darauf hin, daß die Art sich innerhalb weniger Jahre sehr stark ausgebreitet hat. Es bleibt abzuwarten, ob die Art dauerhaft die Oberweserniederung besiedeln kann.
Neben C. erythraea haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten weitere als mediterran geltende Libellenarten in der Oberweserniederung ausgebreitet. So folgte der Ausbreitung der C. lindenii in den 1980er Jahren E. viridulum und G. pulchellus) Anfang der 1990er Jahre. Die drei Arten gehören seit einigen Jahren zu den häufigsten Arten der Abgrabungsgewässer in der gesamten Oberweserniederung. Darüber hinaus ist von A. affinis seit 1999 ein bodenständiges sowie seit 2002 ein weiteres Vorkommen bekannt. 2001 und 2002 gelangen mehrere Nachweise von A. parthenope.
Literatur
OTT, J. (2000): Die Ausbreitung mediterraner Libellenarten in Deutschland und Europa - die Folge einer Klimaveränderung? - NNA-Berichte 2/2000: 13-35. - STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Die Libellen Baden-Württembergs. Band 2. - Stuttgart: Ulmer.


Erste Antworten auf die Frage, warum Anax parthenope im Norden Brandenburgs
klare und im Süden trübe Seen besiedelt
MAUERSBERGER, Rüdiger - Templin

Nachfolgenden Betrachtungen liegen Daten von Anax parthenope aus den Seengebieten Mecklenburgs und Nord-Brandenburgs an 146 Fundorten zugrunde, die z.T. aus der Literatur, überwiegend aber von eigenen Beobachtungen (MAUERSBERGER, BÖNSEL & MATTHES 2002) sowie denen mehrerer Kollegen (vor allem F. PETZOLD) in der Zeit von 1989 bis 2002 stammen. An 28 Gewässern ist die Bodenständigkeit belegt. Dabei handelt es sich um Seen aller Größen und Trophiestufen, die über Ried- und Röhrichtgürtel verfügen. In mehreren geschichteten Klarwasserseen mit ständig ausgeglichenen Sauerstoffverhältnissen im Litoral war A. parthenope über Jahre kontinuierlich anzutreffen.
Verbreitung und Abundanz der Art im Gebiet sind erheblicher Fluktuation unterworfen, besonders der kalte Winter von 1995/1996 mit Sauerstoffdefiziten unter Eis in den Seen verursachte vorübergehend einen starken Rückgang. Unter Vernachlässigung der Schwankungen gehen wir insgesamt von einer Zunahme von 1989 bis 2002 aus.
PETERS (1987) hob die Diskrepanz zwischen den Äußerungen von MÜNCHBERG (1932), der von großen Klarwasserseen im heutigen West-Polen als Habitat schrieb und seinen eigenen Beobachtungen aus dem südwestlichen Brandenburg und Sachsen-Anhalt an trüben Flachgewässern hervor. Das nun vorliegende umfangreiche Datenmaterial zeigt, daß beide recht haben und die Diskrepanz unter Berücksichtigung limnologischer und klimatischer Faktoren aufgelöst werden kann:

  • Wärmebedürfnis: wird gefolgert aus der geografischen Lage des Areals und der Zunahme in Deutschland innerhalb der letzten Jahrzehnte während steigender Mitteltemperaturen. Im Nordosten Deutschlands kam es zu Maxima in Verbreitung und Abundanz nach mehreren warmen Sommern in Folge.
  • Bedarf an stetig verfügbarem Sauerstoff während der Larvalentwicklung: wird abgeleitet aus der stetigen Besiedlung von unbelasteten Klarseen sowie aus dem Einbruch der Verbreitung von A. parthenope nach dem kalten Winter 1995/1996, während dessen die Sauerstoffgehalte unter Eis in vielen Seen rapide absanken.
  • Kombiniert man beide Faktoren, erkennt man die Verantwortlichkeit des Klimas für die unterschiedliche Habitatbindung: die Tiefländer von Südwestbrandenburg bis Sachsen-Anhalt erleben seltener kalte Winter als der kontinentalere Nordosten, es herrscht somit seltener Sauerstoffmangel unter Eis - nährstoffreichere und trübere Gewässer können besiedelt werden. In Gebieten mit längerer Eisbedeckung halten nur Klarwasserseen bis zum Ende des Winters ausreichend Sauerstoff bereit; sie bilden daher dort die Rückzugsräume. Je häufiger auch im Nordosten die kalten Winter ausbleiben, desto mehr wird A. parthenope auch an eutrophierten Seen angetroffen. Von diesen sind vermutlich diejenigen noch als recht günstig zu bezeichnen, die auch im Winter über einen Durchfluß verfügen. Die hohe Besiedlungsdichte im Nordosten erklärt sich aus der gewaltigen Anzahl eiszeitlich entstandener Seen, die unter diesen Voraussetzungen fast alle als potentielles Habitat der Art in Frage kommen. Bei weiterer Klimaerwärmung ließe sich somit eine bald ”ubiquitäre” Verbreitung von A. parthenope prognostizieren. Vor hundert Jahren war die Art sehr verbreitet (vgl. KANZLER 1954), weil es mehr Klarwasserseen gab als gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Diese landschaftsökologisch geschlossenen Zusammenhänge harren nun einer physiologischen Überprüfung im Experiment.
Die Annahme von STERNBERG & HÖPPNER (2000), dass A. parthenope ursprünglich gar nicht zur mitteleuropäischen Fauna gehörte und erst infolge der Klimaänderung und der Rodungen günstige Lebensbedingungen hierzulande findet, lässt sich anhand der neuen Kenntnislage zu den Vorkommen im Nordosten Deutschlands widerlegen:
·Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, also vor Eintreten des rapiden Klimawandels, gab es in Brandenburg zahlreiche Nachweise; KANZLER (1954) nannte mehr Funde von A. parthenope als von Aeshna grandis oder A. cyanea; der einzige mecklenburgische Odonatologe aus der Mitte des 19. Jahrhundert erwähnte die Art aus dem Raum Neustrelitz (FÜLDNER 1855, 1863), wo sie bis heute bodenständig ist.
·Die Begünstigung durch Rodungen bleibt unbegründet, da Schwerpunkte der aktuellen Besiedlung in vollständig bewaldeten Gebieten liegen, z.B. Stechlinsee-Gebiet, Schorfheide, Kastavenseen und Fürstenseer Seen.


Zur Kenntnis der potentiell natürlichen Fischfauna der Seentypen NO-Deutschlands
als gedankliche Basis für den Libellenschutz
MAUERSBERGER, Rüdiger - Templin

Zwischen Libellen und der Fischfauna ihres Fortpflanzungsgewässers bestehen zahlreiche Wechselbeziehungen, die bislang nur unzureichend untersucht sind: Nahrungskonkurrenz, Prädation bis hin zur morphologischen Beeinflussung des Individuums (z.B. Ausprägung der Abdominalbedornung). 
So wie sich für jeden Gewässertyp evolutiv eine typische Fischartengemeinschaft herausgebildet hat, mußte sich die Libellenbesiedlung daran anpassen. Libellenschutz sollte also darauf abzielen, anthropogen überformte Fischbestände zu vermeiden und Arten- und Dominanzverhältnisse wiederherzustellen, wie sie dem Gewässertyp entsprechen. Als planerisches Entwicklungsziel und Handlungsanweisung ist daher die Kenntnis der potentiell natürlichen Fischfauna als Steuergröße der Libellenbesiedlung vonnöten. Für die Standgewässertypen NO-Deutschlands wird hier beispielhaft eine Übersicht gegeben.
Die wesentlichen Habitatfaktoren für die verschiedenen Vertreter der Fischfauna von Standgewässern sind:

  • Anbindung an Fließgewässer - zur Laichwanderung, wegen Rheophilie oder Präferenz für Auenökosysteme (Stint, Döbel, Aland, Rapfen, Gründling, Ukelei, Schmerle, Zander, Wels, Quappe, Aal und Stichlinge)
  • Vorhandensein von Hartsedimenten als Laichsubstrat (Kleine Maräne, Stint, Döbel, Gründling, Schmerle, Steinbeißer, Zander) oder Nahrungsort (Steinbeißer)
  • Vorhandensein von kühlen, sauerstoffreichen Tiefenzonen (Kleine Maräne)
  • geringe Konkurrenz durch andere Fischarten (Moderlieschen, Karausche)
  • Toleranz gegenüber zeitweiligem Sauerstoffmangel (Schlei, Karausche, Giebel, Moderlieschen; abgeschwächt einige weitere Arten)
  • Vorkommen von Großmuscheln (Bitterling)
  • Makrophytenbestände als Laichsubstrat (Rotfeder, Schlei, Karausche, Wels) und Unterstand (Hecht)
  • Toleranz gegenüber zeitweiliger Austrocknung (Schlammpeitzker, Karausche)
  • Neubesiedlungspotential bei fehlender Fließgewässeranbindung (Karausche, Giebel)
  • Säuretoleranz (Barsch, ferner Karausche, Hecht)
  • Transparenz (Zander versus Hecht)

Je nach Gewässertyp werden einige Fischarten das Geschehen prägen, andere allenfalls begleiten oder gänzlich ausfallen. Einige weitere Arten sind generell nicht als standortheimisch anzusehen, weil sie aus anderen Faunenregionen eingeführt worden (Karpfen, Weißer Amur, Silber- und Marmorkarpfen, Zwergwels, Sonnenbarsch, Regenbogenforelle) und im Falle des Karpfens zusätzlich züchterisch überformt sind; sie gehören aus der Sicht des Libellenschutzes in keinen der Gewässertypen - unabhängig davon, ob ihre Wirkungen auf die Libellenfauna im Einzelnen untersucht worden sind oder nicht.
Zusammenfassend werden in tabellarischen Übersichten einige Standgewässertypen anhand ihrer Fischfauna charakterisiert und ergänzend typische Libellenarten aufgeführt.


Die Wüste lebt !
Verbreitungsmuster der Libellen Namibias in Raum und Zeit
MARTENS, Andreas - Braunschweig

Namibia ist eines der trockensten Laender der Erde. Trotzdem hat es mit 99 Arten eine vergleichsweise artenreiche Libellenfauna. Die generelle Libellenverbreitung folgt zwei Grundmustern,

  • (1) dem Gradienten des zunehmend tropisch-humiden Klimas von Südwest nach Nordost und
  • (2) einer Verbreitung entsprechend der Verteilung von permanenten Wasserstellen.

Der Grossteil des Landes ist arm an Wasser. Nur die Flüsse an den nördlichen Landesgrenzen, der Kunene, Okavango, Chobe und Sambesi, sowie der Oranje an der Südgrenze sind die ganzjährig wasserführenden grossen Fliessgewässer.
Im besonders trockenen westlichen Teil des Landes, basierend auf der Libellenerfassung an mehr als 300 Stellen, lassen sich zwei Hauptfaktoren identifizieren: die Dauerhaftigkeit des Habitats und die Saisonalität.
Temporäre Gewässer werden besiedelt von

  • (1) Wanderarten, die während der kurzen Regenzeit invasionsartig auftreten und eine schnelle Entwicklung besitzen,
  • (2) residenten Arten bzw. fakultativen Wanderern, die die lange Trockenzeit als Imago überdauern oder zwischenzeitlich zu permanenten Gewässern wechseln.

Permanente Gewässer werden hingegen von Arten besiedelt, die

  • (3) sich von der Saison unabhängig entwickeln und bei ganzjähriger Flugzeit gewöhnlich mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen und solchen
  • (4) mit eingeschränkter Flugzeit, Überdauerung der Trockenzeit als Larve und wahrscheinlich einjähriger Entwicklung.

Die Phänologie der Libellen Namibias wird bestimmt durch die drei Jahreszeiten Namibias; die Regenzeit von Januar bis April, wobei die Regenfälle von Jahr zu Jahr extrem unterschiedlich ausfallen können, die kalte Trockenzeit von Mai bis September und die heisse Trockenzeit von September bis Dezember.


Koexistenz von Libellen und Fischen - die evolutionsökologische Perspektive
MARTENS, Andreas - Karlsruhe

Libellenlarven-Gemeinschaften werden besonders durch 3 Faktoren bestimmt:

  • (1) Konkurrenz untereinander,
  • (2) Prädation und Kannibalismus durch größere Libellenlarven sowie
  • (3) Feinddruck durch Fische.

Libellenlarven sind Räuber. Sie fressen nahezu alle Tiere, die sie überwältigen können, oft auch ihre Artgenossen. Großlibellenlarven können in Gewässern die größten Räuber sein und in der Nahrungskette weit oben stehen. Sobald Fische vorkommen, sind Libellen bloß Räuber der mittleren trophischen Ebene - sie werden Beute der Fische.
Für das Verständnis der Lebensraumbindung von Libellen spielt das Vorkommen von Fischen eine große Rolle, denn die eine Art kann mit Fischen koexistieren, die andere nicht. Es gibt sowohl morphologische als auch ethologische Anpassungen, die das Prädationsrisiko durch Fische senken, wenn auch nicht vollständig vermeiden können. Dies sind insbesondere der Besitz von Dornen, die versteckte Lebensweise, das Totstellen bei Gefahr und der Nahrungserwerb als Lauerjäger. Die geringere Aktivität als Anpassung an Fische geht in der Regel auf Kosten einer längeren Entwicklungszeit.


Die Ausbreitung mediterraner Libellenarten nach Deutschland, Mittel- und Nordeuropa - eine Zusammenstellung aktueller Daten im Hinblick auf einen Klimawandel
OTT, Jürgen
- Trippstadt

Die Zusammenstellung der Nachweise verschiedener mediterraner Libellenarten in Deutschland und Mitteleuropa aus den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten zeigt deutlich, dass eine Ausbreitung nach Norden stattgefunden hat.
Es fand dabei sowohl eine Zunahme der Populationen (Anzahl, Größe) dieser ehemals größtenteils oder auch ausschließlich im Süden verbreiteten Arten statt, als auch eine Ausbreitung in höher gelegene Regionen und Gewässer.
Nachdem dieser Prozeß anfänglich zunächst besonders deutlich für die im Gelände sehr auffällige Feuerlibelle (Crocothemis erythraea
) gezeigt werden konnte, kamen in der Folge bald auch weitere Arten aus den verschiedensten Großlibellen-Familien und aus der Unterordnung der Kleinlibellen hinzu.
Die dauerhafte Ansiedlung wird offensichtlich auch durch strenge Winter nicht nachhaltig negativ beeinträchtigt, da die Arten in den meisten Gebieten auch nach stärkeren Frostperioden immer noch bodenständig sind; von kurzfristigen Oszillationsprozessen kann damit nicht (mehr) gesprochen werden. Auffällig ist auch bei mehreren Arten die Ausbildung von einer weiteren Generation und in gut untersuchten Regionalfaunen die Verschiebung zugunsten des Anteils mediterraner Arten.
Ähnliche Arealveränderungen von ehemals südlich verbreiteten Arten sind nun auch von anderen Ländern bzw. Kontinenten (z.B. Nordamerika, Japan) berichtet worden, wenn auch dort nicht in dieser deutlichen Ausprägung.
Diese Ausbreitungstendenzen bei Libellen - die mittlerweile auch bei anderen taxonomischen Gruppen und innerhalb der Flora festgestellt wurden - können mit klimatischen Veränderungen (im Sinne einer Erwärmung) korreliert werden, wobei aufgrund der generellen Rahmenbedingungen von einem Fortschreiten dieses Prozesses ausgegangen werden muss.
In der hier vorgestellten Übersicht werden die neuesten Daten und Trends aus Deutschland und einigen europäischen Ländern vorgestellt. Dabei wird auch auf die Effekte innerhalb der betroffenen Biozönosen eingegangen und die Bedeutung der Faunistik für eine generelle ökologische Umweltüberwachung (Monitoring) dargestellt.


Die ökologischen Folgen von Fischbesatz auf Libellenzönosen von Kiesgruben
OTT, Jürgen - Trippstadt

Seit 1985 werden vom Autor diverse Kiesgruben in Rheinland-Pfalz mehr oder minder intensiv und regelmäßig auf ihre Odonatenfauna - besonders im Hinblick auf die Auswirkungren von Fischbesatzmaßnahmen - hin untersucht. Es zeigte sich dabei, dass Kiesgruben prinzipiell ein hohes bis sehr hohes Arteninventar aufweisen können, was vor allem auf strukturreiche und klimatisch begünstigte Gewässer zutrifft.
In allen Gewässern, auch in geschützten, wurden aber auch Fische eingesetzt und die Zönosen damit verändert und zum Teil auch nachhaltig und langfristig gestört.
Neben ”normalen” Besatzmaßnahmen im Zuge der freizeit- und angelsportlichen Nutzung der Gewässer zeigen besonders die Besatzmaßnahmen mit exotischen Arten, wie Zwegwelsen (Ictalurus nebulosus, durch Aquarianer) oder Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella, durch Angler) negative Auswirkungen. Gerade die zuletzt genannte Art stört das ökologische Gleichgewicht eines Gewässers massiv und dauerhaft: an einem seit 1985 jährlich untersuchten Gewässer kann demonstriert werden, dass sich selbst nach mehr als einem anderthalben Jahrzehnt nach dem Eingriff die ursprünglich sehr artenreiche Libellenzönose nicht hat regenerieren können. - In dem Beitrag werden einige Beispiel aus Rheinland-Pfalz kurz dargestellt.


Untersuchungen zu Habitatansprüchen und der Morphometrie von
Cercion lindenii Selys 1840 (Zygoptera, Odonata)
RICHTER, Madlen - Weißwasser - & XYLANDER, Willi E. R. - Görlitz

17 Seen (10 in Sachsen, 3 in Brandenburg, je einer in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Baden Württemberg) wurden vom Juni bis August 2002 auf das Vorkommen von Cercion lindenii untersucht, sowie physiko-chemisch und bezüglich der Gewässerstruktur sowie der Gewässerrandvegetation charakterisiert.
287 Männchen und 9 Weibchen von C. lindenii wurden an insgesamt 6 Gewässern nachgewiesen. Am Knappensee bei Hoyerswerda konnten insgesamt 22 C. lindenii gefangen werden (19 Männchen, 3 Weibchen). Dies ist der erste Nachweis für Sachsen.
Einige Indizien sprechen für eine Einwanderung aus Brandenburg in der jüngsten Vergangenheit; die Ausbreitung korreliert mit der Zunahme der Durchschnittstemperatur in Ostsachsen.
C. lindenii bevorzugt mesotrophe Gewässer mit ausgeprägter submerser Vegetation und einem fragmentierten Röhrichtgürtel. Anthropogene Seen sind dabei offenbar bevorzugte Habitate.
Die Individuen von C. lindenii wurden bezüglich ihrer Körperlänge, Vorderflügellänge und Kopfbreite untersucht. Die Ergebnisse wurden mit dem U-Test auf Signifikanz verglichen. Die Tiere aus Nordostsachsen waren signifikant größer als alle anderen. Auch untersuchte Populationen aus Brandenburg waren bezüglich der gemessenen Parameter signifikant größer als die westdeutschen Populationen.


Die Libellenfauna der Oberrheinauen als Spiegelbild der historischen Verhältnisse und
des rezenten Ausbauzustandes
SCHIEL, Franz-Josef - Sasbach

Trotz ihrer weitgehenden Zerstörung durch die TULLAsche ”Rheinkorrektur” (1817-1867), der Schiffbarmachung durch Honsell (1907-1939) und die Ausbaumaßnahmen zur Stromgewinnung (1928-1977) gehören die Auen des Oberrheins nach wie vor zu den bedeutendsten Libellenlebensräumen Baden-Württembergs und der Bundesrepublik Deutschland:
54 (71%) der 76 baden-württembergischen Libellenarten pflanzen sich im Rhein und an seinen Nebengewässern fort. Davon haben eine ganze Reihe hochgradig gefährdeter Arten hier ihren landesweiten Verbreitungsschwerpunkt.
Die Artenvielfalt und der hohe Anteil bedrohter Arten hat im wesentlichen drei Ursachen:

  • 1. die Klimagunst des Gebietes mit einem hohen Anteil wärmebedürftiger, mediterraner Faunenelemente (z.B. Aeshna affinis, Crocothemis erythraea, Cercion lindenii).
  • 2. die nach wie vor große Zahl an Gewässern.
  • 3. die große Vielfalt verschiedener Gewässertypen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien.

Es kommen aber nicht alle Arten gleichmäßig verteilt auf der gesamten, ca. 250 km langen Strecke vor.
Die Rheinaue lässt sich nach ihrem ursprünglichen Zustand und dem aktuellen Ausbauzustand in drei Hauptabschnitte einteilen:

  • 1. südlichster Abschnitt zwischen Basel und Breisach (ca. 50 km): In der ehemaligen Furkationsaue sanken die Grundwasserstände infolge der verschiedenen Ausbaumaßnahmen um bis zu 10 m ab; abgesehen von wenigen Kiesgruben fehlen Stillgewässer weitgehend. Auf Kiesflächen im Wechselwasserbereich konnten sich sehr punktuell Verhältnisse ausbilden, die der Situation vor dem Ausbau sehr ähnlich sind; hier kommen an wenigen Stellen S. depressiusculum und S. pedemontanum vor. Die Wertigkeit des Abschnittes ergibt sich im wesentlichen aus der Qualität des sog. ”Restrheins”, dem bei mittleren Wasserständen nur eine Restwassermenge von ca. 30 m³ zugestanden wird. So hat sich innerhalb des eigentlichen Rhein-Hauptgerinnes eine "Aue im Kleinen" entwickelt, in der u.a. G. simillimus, O. cecilia und S. pedemontanum nachgewiesen wurden.
  • 2. mittlerer Abschnitt zwischen Breisach und Baden-Baden (Iffezheim) (ca. 100 km): Diese ehemalige Furkationzone ist durch eine Kette von sechs Stauhaltungen zur Elektrizitätsgewinnung geprägt. Ein massives Absinken der Grundwasserstände wie südlich Breisach wurde zwar durch mehrere feste Schwellen und bewegliche Wehre verhindert, die auetypischen starken Grundwasserschwankungen wurden jedoch nivelliert. Der Rhein selbst ist in diesem Abschnitt mit fast durchgängig befestigten Ufern zur Schifffahrtsstraße degradiert. In der Aue ist die Vielfalt an wertvollen Libellengewässern hingegen sehr groß; sie reicht von eutrophen Altrheinen mit sehr großen Vorkommen u.a. von G. vulgatissimus und O. forcipatus über grundwassergespeiste Altrheine (sog. Gießen), an denen z.T. u.a. C. mercuriale vorkommt bis hin zu unterschiedlich großen Altwassern und Auskiesungen. An letzteren gehören L. fulva, B. pratense und A. grandis zum typischen Artenspektrum. Die wenigen Vorkommen von Leucorrhinia caudalis und S. depressiusculum sind sehr eng lokalisiert.
  • 3. nördlicher Abschnitt zwischen Baden-Baden (Iffezheim) und Mannheim (ca. 100 km):
    Diese ehemalige Mäanderzone ist nicht mehr staureguliert. Innerhalb eines mehrfach unterbrochenen, unterschiedlich breiten, rheinparallelen Bandes besteht eine naturnahe Überflutungsdynamik. Der Abschnitt ist geprägt durch große Altwasser mit verschilften Ufern, die aus alten Rheinschlingen hervorgegangen sind. Innerhalb der baden-württembergischen Rheinebene sind ausschließlich hier aktuelle Bestände von A. isoceles und E. bimaculata bekannt. E. najas und C. pulchellum sind hier wesentlich häufiger als im mittleren Abschnitt. Die wenigen Entwicklungsgewässer von L. caudalis in diesem Bereich liegen allerdings außerhalb der rezenten Aue und weisen zwar starke Grundwasserstandsschwankungen, aber keine Trübstoffeinträge durch Oberflächenwasser auf. In den eutrophen Altrheinen, die einer stärkeren Morphodynamik unterliegen als die im stauregulierten Bereich, finden sich neben G. vulgatissimus und O. forcipatus in geringer Abundanz auch O. cecilia und G. flavipes.

Das Fehlen vieler Stillgewässerarten in der Aue des südlichsten Oberrheinabschnittes ist leicht durch die generelle Seltenheit an Stillgewässern in diesem Abschnitt erklärbar. Das (bislang) ausschließliche Vorkommen von G. simillimus am Hochrhein (Heitz 1993) und am Oberrhein zwischen Basel und Breisach (K. & S. Westermann 1996) hat arealgeografische Ursachen: Das Vorkommen  liegt am nordöstlichen Arealrand dieser Art.
Dagegen lassen sich die aktuellen Verbreitungsbilder vieler Arten nicht allein aus ihrer Gesamtverbreitung und dem aktuellen Gewässerangebot herleiten, sondern erfordern die Betrachtung weiterer Faktoren.  Hier werden mögliche Interpretationen zweier unterschiedlicher Verbreitungsbilder charakteristischer Libellenarten der Oberrheinaue anhand der historischen Verhältnisse zur Diskussion gestellt.
Obwohl es sowohl im nördlichen wie im mittleren Abschnitt der Oberrheinauen große Altwasser mit flächigen Hydrophyten- und Röhrichtbeständen gibt, sind Vorkommen von A. isoceles nur im nördlichen Bereich bekannt. Dies korrespondiert mit der Verbreitung mehrerer eutraphenter Wasserpflanzenarten (Beispiele: Trapa natans, Hydrocharis morsus-ranae). Eine mögliche Erklärung wäre die, dass die aktuelle Verbreitung der o.g. Arten die historische Verbreitung geeigneter Gewässertypen widerspiegelt: Größere, eutrophe Stillgewässer, die für die genannten Wasserpflanzen, aber auch für A. isoceles geeignete Lebensräume darstellen, gab es vor dem Oberrheinausbau schwerpunktmäßig in der Mäanderzone nördlich Rastatt. In der südlich daran angrenzenden Furkationszone mit den viel stärkeren Umlagerungen konnten solche Gewässertypen nicht entstehen.
Demgegenüber repräsentieren Arten wie S. flaveolum und S. depressiusculum einen anderen Verbreitungstyp. Beide Arten kommen aktuell entlang des Oberrheins nur sehr verstreut vor. Die von ihnen besiedelten Lebensräume sind infolge fehlender Umlagerungen und Grundwasserschwankungen sowie zunehmender Gehölzbeschattung stark zurückgegangen. Deshalb sind die wenigen und meist kleinen aktuellen Vorkommen dieser Arten wahrscheinlich letzte Relikte einer ursprünglich geschlossenen Verbreitung.


Zur Habitat-Präferenz einiger Sommer-Libellenarten in den Elbauen
im Raum Dessau im Hinblick auf den Einfluß der Beweidung mit Großvieh
SCHMIDT, Eberhard G. - DÜLMEN (Westmünsterland)

Paradigma
Libellen zeigen eine artspezifische, fein differenzierte Habitat-Präferenz sowohl bei der Raumeinnahme der paarungsgestimmten GG als auch bei der Eiablage, die bei den meisten Arten gut mit den Larven-Habitaten und Schlüpforten übereinstimmen. Wesentlich sind dabei u.a. Ufer- und Vegetations-Strukturen in Verbindung mit der Licht-Exposition. Hilfreich für diese Korrelationen sind flächendeckende Fernglas-Beobachtungen der Imagines bei optimalen Flug-Bedingungen mit Foto-Dokumentation von Habitaten und Artbelegen ergänzt durch Schlüpfnachweise (Schmidt 1996, 1998).
Material und Methode
Diese Sichterfassung hat sich in über 40 Jahren in verschiedenen Gegenden Norddeutschlands auch im Hinblick auf den Einfluß von Naturschutz-Maßnahmen bewährt. Für Anregungen zu den Auen der Mittleren Elbe danke ich Joachim Müller, Magdeburg (vgl. Müller 1999). Realisiert wurden bislang 2 Sommer-Exkursionen (2000: Elbe-Niedrigwasser, 2001: höheres Elbewasser, Wasserlinie in der Ufervegetation) vor allem in die Auen außendeichs vom Park Wörlitz (Weideland) und unterhalb von Dessau im Raum Brambach, dazu als regionales Vergleichsgewässer ein Stauweiher im Fläming (NO Zerbst).
Die Ergebnisse sind daher erst vorläufig.
Erythromma viridulum: Art von besonnten Weihern mit feingliedrigen Tauchblattpflanzen als Eiablage-Substrat (Myriophyllum, Ceratophyllum, Utricularia in den Elbauen vor Wörlitz und ”Alte Elbe” Brambach, dazu Algenwatten am Stauweiher NO Zerbst), sitzt aber gern auch auf Schwimmblatt-/ Schwimmpflanzen, Paarung (zwischen Tandem-Positionen) vorzugsweise dort (Schmidt 1996). Diese Vegetation ist von Beweidungen unberührt, ebenso (in NRW) vom Fraß durch Bisam oder Schmuckschildkröten, nachteilig ist Freizeitangeln, das aber in den Elbauen nicht auffiel. Die Geschlechter sind von E. najas an der Seiten-Zeichnung sicher per Fernglas zu unterscheiden. Am Weiher Wörlitz und an der Alten Elbe Brambach war (zu ihrer Hauptflugzeit) viridulum die vorherrschende Kleinlibellenart der Tauchblattzone (najas nur in geringer Zahl: Flugzeitende!). Das paßt zu den Befunden von Petzold (1994) in der benachbarten Mulde-Aue und zur aktuellen Bestandssituation in Sachsen-Anhalt (Müller 1999). Viridulum hat eine geringe Präsenz am Ufer, ist damit schwer zu fangen und nur durch Sichterfassung angemessen nachzuweisen. - Im Westen Deutschlands fliegt viridulum im Gegensatz zur Mittelelbe (an größeren Gewässern) oft zusammen mit Cercion lindenii.
Sympecma fusca: In den Elbauen nur am Auenweiher mit ± offenem Flachufer (ohne Viehzugang) gegenüber Brambach frisch geschlüpft oder schlüpfend, am Waldrand im dortigen Gebiet auch ein Herbstfund (22.10.1999), sonst auch am Stauweiher NO Zerbst. Die Habitat-Präferenz der Winterlibellen ist noch nicht abgeklärt. Gewässer mit wechselnden Wasserständen und lichter Ufervegetation in Nachbarschaft zu (lichten) Wäldern scheinen bevorzugt zu werden.
Aeshna affinis: Überall in den untersuchten Elbauen einzelne unstete Durchzügler, Revierflug (bei Brambach) an einem trockenen Waldtümpel (nahe Lichtung) mit einigen Riedherden (nur 2000); in sehr hoher Abundanz (bes. 2001) nur im trocken gefallenen Ufersaum in der mit Rindern beweideten Aue vor Wörlitz. Durch die Beweidung war hier ein auf etwa 0,5 m Höhe verbissener, aufgelichteter Wasserschwaden-Streifen (Glyceria maxima) vor dem hohen Wasserröhricht (Rohrkolben, Teichbinse) entstanden. Es flogen nicht nur die GG unermüdlich (setzten sich selten an das Wasserröhricht), es waren auch vielfach Eiablagen (im Tandem am Grunde der Vegetation, sehr scheu) und das Ergreifen von Paaren zur Paarung zu sehen. Anzumerken ist ein Einzelfund eines juvenilen G von Lestes virens in dieser Zone. - Die Beweidung mit den Rindern (zur optimalen Intensität: Olthoff & Ikemeyer 2002) hat hier (2001) eine für affinis günstige Vegetations-Struktur am Ufer (nicht im rasig verbissenen Weideland) geschaffen (zum Status im Gebiet und zur Habitatpräferenz in der Elbaue vgl. Müller & Steglich 2000, 2001).
Sympetrum flaveolum, Lestes barbarus: Beide bevorzugen sommertrockene Tümpel mit sehr niedriger Vegetation (flaveolum um 0,3 m, barbarus <0,2 m; Schmidt 1998). Von Natur aus ist das nur auf nährstoffarmen Böden gegeben, Beweidung durch Kaninchen kann das fördern (Beispiel von Amrum). Großvieh erzeugt bei schlammigem Grund zu starke Vertrittschäden, selbst Schafe sind kritisch; Mahd durch den Naturschutz kann optimieren (Beispiel aus dem Münsterland). Beide Arten wurden dementsprechend nur 2000 in den Tümpeln am Waldweiher gegenüber Brambach nachgewiesen, 2001 bestimmten dort Großstauden (wie Zweizahn) den Vegetationsaspekt, in den wenigen und kleinen Flecken mit niedrigeren Stauden fanden sich einzelne flaveolum, nicht mehr barbarus. Durch Mahd (mit Abtransport des Mähgutes) ließen sich die Tümpel für diese Libellen verbessern.
Fazit: Erythromma viridulum braucht in den Auenweihern mit submerser Vegetation keine Schutzmaßnahmen, Aeshna affinis wird durch Beweidung mit lockeren Wasserschwaden-Rasen am Flachufer von besonnten Auenweihern begünstigt. Für großflächige Tümpel im Auenwald werden durch Mahd zu dichter Großstauden-Fluren Lestes barbarus, Sympetrum flaveolum begünstigt.
Literatur
Müller, J. (1999): 7.24 Bestandsentwicklung der Libellen (Odonaten). S. 442-448 in Frank & Neumann (Hrsg.): Bestandssituation der Pflanzen und Tiere Sachsen-Anhalts. Ulmer, Stuttgart. - Müller, J. & R. Steglich (2000): Zur Verbreitung der Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis (Odonata) in Sachsen-Anhalt in den Jahren 1993-1999. - Ent.Mitt. Sachsen-Anhalt 8 (1): 22-32. - Müller, J. & R. Steglich (2001): Zum aktuellen Vorkommen der Flußjungfern (Gomphus et Ophiogomphus - Odonata) in der Elbe Sachsen-Anhalts. - Ent. Nachr. Ber. 45 (3/4): 145-150. - Olthoff, M. & D. Ikemeyer (2002): Vorkommen von Libellen und Heuschrecken in Feuchtwiesen. LÖBF-Mitt. (NRW) 1/02: 24-30. - Petzold, F. (1994): Bemerkenswerte Libellenfunde in der Mulde-Niederung bei Dessau. - Libellula 13 (1/2): 33-46. - Schmidt, E. (1996): Naturschutzkonforme und ökologisch relevante Odonaten-Faunistik auf der Grundlage von Sichterfassungen mit Fotodokumentation am Beispiel der Zygopteren Erythromma viridulum und Cercion lindenii im Flachland von Nordrhein-Westfalen. - Verh. 14. Symp. Entomofaunistik in Mitteleuropa (SIEEC) 1994 in München: 365-372. - Schmidt, E. (1998): Die ökologische Nische von Sympetrum flaveolum (L., 1758) und die Problematik von Artenschutz und Einstufung in Rote Listen bei Odonaten mit temporärer Habitat-Besiedlung (Od.: Libellulidae). - Entomol. Gener. (Stuttgart) 129-138.


20 Jahre GdO: Der offizielle Startpunkt am 4.9.1982 in Bonn
SCHMIDT, Eberhard G. -   DÜLMEN (Westmünsterland)

Die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) ist mit ihren Jahrestagungen und der Zeitschrift Libellula als Forum für Libellen-Untersuchungen im deutschsprachigen Teil von Mitteleuropa schon lange etabliert und bewährt. Am Anfang stand ein Arbeitstreffen am 6.10.1979 im Naturkunde-Museum Münster, zu dem Dr. Rainer Rudolph (damals Mitarbeiter am Museum) eingeladen hatte. Vorbild waren die regelmäßigen Treffen niederländischer und belgischer Odonatologen in den Nachbarländern. *)  Dabei sollten die zahlreichen Amateure (Hingabe aus Liebe, nicht für Geld), die die regionale Libellenforschung maßgeblich tragen, besonders angesprochen werden. Für sie wurde bewußt der deutsche Sprachraum (nicht eine Nation) und die Kommunikation auf Deutsch als Grundlage gewählt. Damit sollte eine mögliche Hemmschwelle zur professionell institutionalisierten, internationalen Libellen-Forschung mit Englisch als Fach- und Kongreßsprache und weltweit gestreuten Tagungsorten, umgangen werden. Für Interessenten wurde die Verbindung zur ”Societas Internationalis Odonatologica (SIO, Zeitschrift Odonatologica, seit 1972 etabliert) als Assoziation (affiliation von SIO) eingerichtet (später aus vereinsrechtlichen Gründen aufgehoben). Das SIO-Symbol (Libellen-Dreistern) bildete dementsprechend den I-Punkt von Libellula bis 1998 (Bd.17), ehe es vom GdO-Symbol (Schema Leucorrhinia pectoralis) abgelöst wurde.
Der Name Libellula wurde von den Teilnehmern der Münsteraner Tagung festgelegt. Das Heft 1(1) erschien 1981 als Tagungsbericht Münster 1979 in hektografierter Form, herausgegeben, erstellt und finanziert von Dr. Rudolph namens einer organisatorisch noch offenen AG Deutscher Odonatologen. Die Gründung der GdO erfolgte dann auf dem nächsten ”Treffen der Libellenkundler” in Freiburg/Br. am 14./15.2.1981, zu dem Dr. Bernd Gerken (damals Geobotanisches Institut der Universität) eingeladen hatte (Tagungsband Libellula 1(2), 1982, in gleicher Form wie 1(1)). Für den Verein mußten jedoch noch die rechtlichen Voraussetzungen (wie eine ordnungsgemäße Satzung) erstellt werden. Daran war Rechtsanwalt und Notar Rolf Busse (Bad Essen bei Osnabrück) maßgeblich beteiligt. Damit konnte dann auf einer Gründungsversammlung am 4.9.1982 (im Rahmen der 3.Tagung im Museum Koenig in Bonn, ausgerichtet vom Autor, damals Uni Bonn) GdO offiziell als rechtmäßiger Verein etabliert werden. Als Vorsitzende wurden damals Dr. Bernd Gerken (damals Uni Freiburg/Br.), Prof. Dr. Rainer Rudolph (Uni Münster) und der Autor, als Schriftführer Herr Harald Heidemann (Bruchsal) gewählt, die auch zusammen Libellula (ab Band2, 1983, dem Tagungsband Bonn 1982, in gebundener Form mit Titelfoto) herausgaben (bis Bd.8, 1989, danach personelle Veränderungen). - Vereinsrechtlich neue Abschnitte ergaben sich mit der Eintragung des Vereins (als e.V.) beim Amtsgericht Mönchengladbach (etwa ab 1992) und mit der Anerkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins (ab 2000). - Etwa gleichzeitig wurden die ”Libellennachrichten” als Mitteilungsblatt von GdO und eine Homepage: www.libellula.org eingerichtet, denen die aktuellen Informationen zu entnehmen sind.
GdO hat sich damit als blühende, kreative und fruchtbare Bündelung der odonatologischen Aktivitäten im deutschsprachigen Raum erwiesen, die Tagungen sind jedesmal gut besucht (immer auch mit Gästen aus dem Ausland) und immer wieder faszinierend. Libellula (bis 2002 21Jahrgänge, dazu bislang 3Supplement-Bände) ist eine unersetzliche Informationsquelle über die Odonaten und für die Odonatenforschung in Mitteleuropa. Zu dem Jubiläum 20Jahre GdO (als Verein im juristischen Sinne) sollen daher hiermit die besten Glückwünsche überbracht werden!
Als Rückbesinnung werden nachstehend die bisherigen Tagungen von GdO (im weiten Sinne) aufgelistet (in Klammern das Tagungsdatum und der Ausrichter bzw. stellvertretend für eine Arbeitsgruppe einer der Ausrichter, Namen jeweils ohne akademische Titel); ausgefallen sind aus organisatorischen Gründen die Tagungen 1989 in Frankfurt und 1991 in München, als Ersatz für München wurde die Sektion Odonaten auf dem Westdeutschen Entomologentag in Düsseldorf (24./25.11.1991: Eberhard SCHMIDT) angeboten:

  • (01) 1979 MÜNSTER (6.10.; Rainer RUDOLPH)
  • (02) 1981 FREIBURG/Br. (14./15.2.; Bernd GERKEN)
  • (03) 1982 BONN (3./5.9.; Eberhard SCHMIDT)
  • (04) 1983 COBURG (26./27.2.; Peter BECK)
  • (05) 1984 HANNOVER (10./11.3.; Reinhard ALTMÜLLER)
  • (06) 1985 FORBACH/Murg (16./17.3.; Rudolf KULL)
  • (07) 1986 HÖXTER (22./23.3.1986; Bernd GERKEN)
  • (08) 1987 ULM (21./22.3.; Heiko BELLMANN)
  • (09) 1988 HAMBURG (25./27.3.; J. PARZEFALL/ Joachim HOFFMANN et al.)
  • (10) 1990 BRAUNSCHWEIG (16./18.3.; Georg RÜPELL et a l.)
  • (11) 1992 GOTHA (27./29.3.; Wolfgang ZIMMERMANN)
  • (12) 1993 KAISERSLAUTERN (19./21.3.; Jürgen OTT)
  • (13) 1994 HÖXTER (12./13.3.; Bernd GERKEN)
  • (14) 1995 ALEXISBAD/Harz (24./26.3.; Joachim MÜLLER)
  • (15) 1996 BERLIN (22.-24.3.; Günther PETERS)
  • (16) 1997 NÜRNBERG (14./16.3.; BUND/ Brigitte MADER et al.)
  • (17) 1998 BREMEN (20./22.3.; Jürgen RUDDECK et al.)
  • (18) 1999 MÜNSTER (19./21.3.; Rainer RUDOLPH et al.)
  • (19) 2000 SCHWÄBISCH HALL (17./19.3.; Bernd KUNZ et al.)
  • (20) 2001 GÖRLITZ (16./18.3.; W. XYLANDER)
  • (21) 2002 WORMS (22./24.3.; Jürgen OTT)
  • (22) 2003 DESSAU (14./16.3.; Joachim MÜLLER)

Ergänzend seien die bisherigen Internationalen (Zweijahres) Symposien von SIO im deutschsprachigen Raum aufgeführt:

  • (02) 1973 KARLSRUHE (20./23.10.; Gerhard JURZITZA)
  • (06) 1981 CHUR / CH (17./21.8.; Bostjaan KIAUTA)
  • (13) 1995 ESSEN (20./25.8.; Eberhard SCHMIDT et al.).

*) Dazu hat mich Rainer RUDOLPH, Münster, in einem Gespräch am Gesellschaftsabend aufmerksam gemacht, daß er seinerzeit auch die Treffen der DDR-Odonatologen durchaus als Vorbild sah, sich in der Bundesrepublik Deutschland zu versammeln. Dies hat er auch in seinem Beitrag über die “Zusammenarbeit deutschsprachiger Libellenkundler in Münster am 6.10.1979” in Libellula 1(1): 1 zum Ausdruck gebracht, indem er feststellte: “Während in den Niederlanden, in England und in der DDR nationale Treffen der Libellenkundler fast Tradition haben, wurde in Münster von R. Rudolph erstmals der Versuch unternommen, die bundesdeutschen Libellenkundler zu einer Arbeitstagung und zum gegenseitigen Kennenlernen einzuladen. ...”. - jomü


Quantitative Untersuchungen zum Schlupf von Libellen an Fischteichen
SCHNABEL, Herbert  - Mücka

In den Jahren 1999 und 2000 wurde das Aufkommen von Libellenlarven an Fischteichen untersucht und die Abhängigkeit von der Bewirtschaftung dargestellt (Schnabel 2001).
Diese Untersuchungen wurden in den Jahren 2001 und 2002 an 62 Teichen weitergeführt. Dabei wurden 10593 Larven in 18 Arten festgestellt. Wie viel und welche Arten der vorgefundenen Libellenlarven unter den Bedingungen der winterlichen Trockenlegung tatsächlich zum Schlupf kommen, sollte durch quantitative Exuvienaufsammlungen ermittelt werden. Dazu wurden an verschiedenen Teichen im Bereich der Abfischgruben Kontrollabschnitte festgelegt, welche gut zu kontrollieren sind und möglichst über mehrere Jahre nicht durch Teichpflegemaßnahmen verändert werden. Die Kontrollabschnitte an den Teichen (Uferröhricht mit einzelnen Bäumen und Büschen) waren 10 - 85 m lang und 0,5 - 1m breit. Eine Ausnahme bildet der Wüsteteich. Hier wurde das gesamte Ostufer auf einer Strecke von 190 m in die Untersuchungen einbezogen, wobei in Teilbereichen der Schilfgürtel bis 3 m breit und mit Weidengebüsch durchsetzt war.
An folgenden Teichen wurden regelmäßig Exuvien aufgesammelt:

  • Teich II (30 m) und Besiakteich (10 m) der Teichwirtschaft Wartha, Kreis Kamenz im Jahr 2001.
  • Kaolinteich (60 m) und Großer Besackteich (85 m) der Teichwirtschaft Wartha in den Jahren 2001 und 2002
  • Wüsteteich (190 m) der Teichwirtschaft Neudorf / Klösterlich, Kreis Kamenz im Jahr 2002.

Grobe Angaben zur Strukturausprägung der untersuchten Teiche werden in Anlehnung an das ”Auswahlverfahren für Teiche zur Anwendung der Verwaltungsvorschrift Vertragsnaturschutz” im Freistaat Sachsen mitgeteilt.
Die Daten zur Bewirtschaftung der Teiche wurden von der Fischereibehörde Königswartha zur Verfügung gestellt. Die Angaben zu Dauer und Intensität der Trockenlegung beruhen auf eigenen Erhebungen.
Als geringe Intensität der Trockenlegung wurde gewertet, wenn der Teichboden von Staunässe oder Sickerwasser des angrenzenden bespannten Teiches beeinflusst wird, sich größere Restwasserflächen an den Fischgruben oder Teichbinnengräben befinden.
Hohe Intensität der Trockenlegung bedeutet, dass der ganze Teich trocken liegt und somit keine Restwasserflächen vorhanden sind.
Als Ergebnis der Untersuchungen wird deutlich, dass die Dauer und Intensität der winterlichen Trockenlegung entscheidend für die Schlupfrate überwinternder Libellenlarven war. 
Im Teich II war im Winter 2000 / 2001 der Teichbinnengraben 1 - 3 m breit unter Wasser und ermöglichte somit die Überwinterung der Libellenlarven. Nur die Larven der Großlibellen sind in der Lage, nach dem Ablassen der Teiche auf dem Schlamm zu laufen und Pfützen oder Gräben zu erreichen. Es wurde beobachtet, dass sich die Larven von O. cancellatum, L. quadrimaculata, S. metallica und C. aenea beim Abtrocknen des Schlammes aktiv eingraben. Bei der Betrachtung der Ergebnisse am Großen Besackteich fällt auf, dass bei annähernd gleicher Bewirtschaftung bei der Verlängerung der Trockenlegung von 6 auf 12 Wochen bereits einige Arten ausfielen. 2002 fehlten Schlupfnachweise von A. cyanea, A. imperator, L. quadrimaculata und C. puella / pulchellum. Die Exuvien von I. elegans und E. najas wurden alle erst am 4.8.02 gefunden und entstammen vermutlich einer zweiten Jahresgeneration. Die Ergebnisse vom Wüsteteich belegen eindrucksvoll die Abhängigkeit des Libellenvorkommens von der Bewirtschaftung der Karpfenteiche. Geringer Fischbesatz, sehr gute Strukturausprägung und keine winterliche Trockenlegung  ermöglichten die Entwicklung einer arten- und individuenreichen Libellenfauna.
Vermutlich hat auch der Witterungsverlauf während der winterlichen Trockenlegung (Verteilung und Höhe der Niederschläge, Anzahl der Frost- und Eistage)  Einfluss auf die Schlupfrate. Anzunehmen ist auch ein Zusammenhang mit der Fütterung der Karpfen und der Düngung der Teiche.
Für die Informationen zur Bewirtschaftung der Teiche möchte ich Herrn Langner -  Fischereibehörde  Königswartha, Herrn Ringpfeil - Teichwirtschaft Wartha und Herrn Dr. Zelder - Teichwirtschaft Neudorf / Klösterlich  herzlich danken. Herrn Dr. Thomas Brockhaus danke ich für die Durchsicht des Manuskrips.
Literatur
SCHNABEL; H. (2001): Untersuchungen zum Vorkommen larval überwinternder Libellenlarven. Sonderausgabe der Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz Band 73 (1). - Freistaat Sachsen, Landesamt für Umwelt und Geologie (1996): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege, Auswahlverfahren für Teiche zur Anwendung der Verwaltungsvorschrift Vertragsnaturschutz.


Artenhilfsprogramm für die Libellenarten Coenagrion mercuriale und Coenagrion ornatum in Thüringen
SERFLING, Christianna - Hermsdorf

Einleitung
Das Artenhilfsprogramm wurde durch eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Dr. W. Zimmermann, L. Buttstedt, P. Leupold (1999-2000) und C. Serfling, im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) erstellt.
Die Arbeiten hierfür erstreckten sich über drei Jahre (1999-2001), wobei der Schwerpunkt auf der Ermittlung der aktuellen Verbreitung von Coenagrion mercuriale und Coenagrion ornatum in Thüringen lag. Des weiteren wurden Daten zu Habitatwahl, Gefährdungen und zur Entwicklung ausgewählter Vorkommen gesammelt. Für beide Libellenarten wurden allgemeine sowie spezielle, auf jedes Vorkommen abgestimmte Pflege- und Schutzmaßnahmen aus den gewonnenen Erkenntnissen abgeleitet. Im Jahre 2002 erfolgten erste Anstrengungen zur Umsetzung der im Artenhilfsprogramm formulierten Maßnahmen.
Methodik
Die Kartierung der Vorkommen der Helm- und Vogel-Azurjungfer erfolgte mithilfe eines speziell zu diesem Zweck entworfenen Erfassungsbogens. Neben den allgemein üblichen Angaben zur Lage und Kurzcharakteristik des Fundortes sowie zum Aufnahmedatum wurde eine detaillierte Habitat- und Populationsanalyse erstellt. Die Habitatanalyse umfasste Angaben zum Gewässer (Profiltiefe, Böschungsbreite und -neigung, Gewässerbreite, maximale Gewässertiefe, Fließrichtung, Fließgeschwindigkeit, Grundwasserzustrom, Substrat), zur Vegetation am und im Gewässer sowie auf der Böschung, zum Beschattungsgrad, den angrenzenden Nutzungsformen, der Gewässerunterhaltung, den erkennbaren Gefährdungen sowie speziell erforderlichen Schutzmaßnahmen. Die Populationsanalyse bestand in der Zählung (selten Schätzung) der Zahl der Imagines auf einer definierten Gewässerstrecke (Zählstrecke), der Statusangabe, Aussagen zur insgesamt besiedelten Gewässerlänge, der allgemeinen Dichte, Flugaktivität und zum Aufenthaltsort (Gewässer, Böschung, angrenzende Lebensräume, Abstand zum Gewässer). Des weiteren wurden die Witterung, die Uhrzeit der Begehung sowie begleitende Libellenarten registriert.
In den meisten Fällen erfolgte eine zweimalige Populationsanalyse während der Flugzeit der Arten im Abstand von etwa 3-5 Wochen.  
Im ersten Jahr der Untersuchungen (1999) wurden vorrangig die bereits bekannten, im Thüringer Artenerfassungsprogramm (AEP) verzeichneten Fundorte aufgesucht, auf ihre Aktualität geprüft sowie die Verhältnisse in oben beschriebener Weise dokumentiert. In den beiden folgenden Jahren bestand der Schwerpunkt der Kartierungstätigkeit in der gezielten Suche nach weiteren Vorkommen. Hierbei wurden potenziell besiedelbare Fließgewässer(-Komplexe) systematisch auf ihre Eignung sowie das Vorhandensein der beiden Libellenarten untersucht.
Darüber hinaus erfolgte über die 3 Jahre eine Dauerbeobachtung (Monitoring) ausgewählter Vorkommen von C. mercuriale und C. ornatum.
Ergebnisse
3.1. Vorkommen und Häufigkeit von C. mercuriale und C. ornatum in Thüringen
3.1.1. Coenagrion mercuriale
Die thüringischen Vorkommen der Helm-Azurjungfer zeigen eine deutliche Bindung an Flussauen und liegen zumeist an Gräben in den Aueniederungen von Unstrut, Gera, Gramme, Lossa, Helbe und Helme. Somit besiedelt die Art aktuell fast ausschließlich Sekundärlebensräume.
Insgesamt wurden 67 Vorkommen ermittelt. (Unter Vorkommen wird ein Fließgewässer bzw. Fließgewässerabschnitt verstanden. Es erfolgte eine Unterteilung in mehrere Vorkommen auch bei einem Fließgewässer, wenn lange unbesiedelte Abschnitte (über 1 km) zwischen den einzelnen Fundorten lagen.).
Die Einordnung der Vorkommen in Abundanzklassen (nach Sternberg & Buchwald 1999) wird dargestellt.
3.1.2. Coenagrion ornatum
Es wurden insgesamt 10 Vorkommen der Vogel-Azurjungfer ermittelt. Dabei liegt der weitaus überwiegende thüringische Siedlungsraum von C. ornatum in der Helme-Niederung. 2001 gelang erstmalig ein Fund der Vogel-Azurjungfer in der Unstrut-Aue bei Bretleben, wenn auch in engem räumlichen Kontakt zu den bisher bekannten Vorkommen.
Die Einordnung der Vorkommen in Abundanzklassen (nach STERNBERG & BUCHWALD 1999) wird dargestellt.
3.2. Ergebnisse der Habitatanalysen
Die Darstellung beschränkt sich auf C. mercuriale, da die Untersuchungsergebnisse zu den räumlich zusammengehörigen Vorkommen von C. ornatum in Thüringen und Sachsen-Anhalt in einem gesonderten Beitrag durch Dr. W. Zimmermann und L. Buttstedt vorgestellt werden.
In Thüringen wurde die Helm-Azurjungfer an Gewässern mit einer Fließgeschwindigkeit von 1-70 cm/s gefunden, wobei Werte über 30 cm/s nur sehr selten aufgetreten sind. Rund 64% aller untersuchten Zählstrecken wiesen eine Fließgeschwindigkeit von 1-10 cm/s auf. Etwa 34% lagen bei 10-30 cm/s, wobei hier im Durchschnitt höhere Individuendichten auftraten. Der Gewässergrund zeigte sich überwiegend schlammig, in geringerem Maße sandig und nur an drei Zählstrecken wurde als Substrat Geröll verzeichnet. Die Tiefe der besiedelten Gewässer lag zwischen 1 und 100 cm. Bevorzugt wurden Tiefen von 1-20 cm (35% aller Zählstrecken) und 21-40 cm (39% aller Zählstrecken). Die Gewässerbreite lag zwischen 0,1 und größer 6 m, wobei sich knapp 60% aller Vorkommen an 1,0-2,0 m breiten Gewässern befanden. Die im Durchschnitt höchsten Individuendichten konnten bei 1,0-3,0 m Breite ermittelt werden. Am häufigsten nachgewiesene Pflanzenarten im Gewässer waren in der Reihenfolge ihrer Nennung Berula erecta, Phragmites australis, Sparganium spec. und Phalaris arundinacea. Der Deckungsgrad der Vegetation im Gewässer lag bei etwa 83% aller Zählstrecken zwischen 60 und 100%, wobei die durchschnittlich höchsten Individuendichten bei Deckungsgraden zwischen 80 und 95% registriert wurden. Die Beschattung durch fließgewässerbegleitende Gehölze betrug bei über zwei Dritteln der untersuchten Vorkommen 0 bis maximal 20%.
3.3. Gefährdungsanalyse und Ableitung von Maßnahmen zu Pflege und Schutz
Für die thüringischen Vorkommen wurden folgende Gefährdungen ermittelt: Fortgeschrittene Sukzession der Gewässervegetation (51%), Gehölzanpflanzungen am Gewässerufer (20%), Abwassereinleitung (13%), Beschattung durch fließgewässerbegleitende ältere Gehölze (8%), Abflussreduzierung (7%), Rinderbeweidung (6%), Eutrophierung ohne Quellenangabe (5%), Beschattung durch krautige Böschungsvegetation (4%), Trockenfallen (1%).
Resultierend aus diesen Gefährdungen wurde ein Katalog allgemeiner Maßnahmen abgeleitet, der insbesondere Maßnahmen zur Zurückdrängung der aufgrund hoher Nährstoffeinträge vielerorts rasanten Sukzession der Gewässervegetation, zur Sicherstellung der Besonnung der Fließgewässer und die Empfehlung zur Einrichtung von Gewässerrandstreifen enthält. Darüber hinaus wurde für jedes Vorkommen in Thüringen ein ”Steckbrief” erstellt, der alle wichtigen Angaben zu Population und Habitat in Kurzform vereinigt sowie in Text und Karte die speziell erforderlichen Pflege- bzw. Schutzmaßnahmen ausweist. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen wurden im letzten Jahr Informationsgespräche mit den regional zuständigen Naturschutzbehörden sowie den Unterhaltungspflichtigen der betroffenen Fließgewässer geführt. Somit konnten erste Maßnahmen bereits im Herbst 2002 durchgeführt werden.
Literatur
Sternberg, K. & R. Buchwald (Hrsg.)(1999): Die Libellen Baden-Württembergs. - Ulmer, Stuttgart.


Ein Baggersee mit reicher Libellenfauna trotz intensiver Angelfischerei
WEIHRAUCH, Florian - MÜNCHEN

Ein älterer, ca. 2 ha großer, grundwasserbeeinflusster Baggerweiher im "Feilenmoos" bei Ingolstadt, Oberbayern, wurde von mir seit 1996 v.a. wegen des alljährlichen Schlupfes von Gomphus vulgatissimus (cf. Weihrauch 1998, Libellula 17, 149-161) intensiv odonatologisch untersucht. Der Weiher ist im Privatbesitz eines Anglerclubs, wird alljährlich neu besetzt und birgt eine dichte und reiche Fischfauna (Regenbogenforelle, Hecht, Barsch, Aal, Schleie, Karpfen, Rotauge, Rotfeder, weitere Weißfischarten). Neben der intensiven Nutzung durch Angelfischerei, die auch ein rigoroses Zurücksetzen der Ufervegetation in zweijährigem Turnus beinhaltet, ist der Weiher auch starkem Naherholungsdruck durch Badegäste ausgesetzt. In sieben Untersuchungsjahren konnte ich hier dennoch 26 Libellenarten nachweisen, von denen 22 als bodenständig anzusehen sind. In keinem Fall kam es zu erkennbaren Bestandsrückgängen.


Auswirkungen der Hochwasser 1995 und 1999 auf Libellenbestände von Fließgewässern der südbadischen Rheinniederung
WESTERMANN, Karl - Rheinhausen

Von 1994 bis 2002 wurden an Fließgewässern der südbadischen Oberrheinebene halbquantitativ oder quantitativ Exuvien bestimmter Arten oder aller Arten eines Gewässers gesammelt, insgesamt mehr als 200 000 Stück (z.B. Westermann & Westermann 1998, Westermann 2002). Das große Hochwasser von 1999 fiel unerwartet in die Untersuchungsperiode. Es lief Mitte Mai sehr hoch auf und dauerte bis Mitte Juli. Schon 1995 suchten wir am ”Restrhein” zwischen Basel und Kaiserstuhl während eines lange andauernden Hochwassers systematisch nach Exuvien (Westermann & Westermann 1996). In dieser Arbeit wird über Auswirkungen der Hochwasser auf die Abundanzen schlüpfender Imagines und die Erholung der Bestände in den nachfolgenden Jahren berichtet. Eine ausführliche Darstellung soll an anderer Stelle erfolgen (Westermann in Vorb.).
Der Restrhein fließt im alten Bett des im 19. Jahrhunderts korrigierten Rheins. Er hat die meiste Zeit im Jahr nur geringe Abflüsse, nimmt aber große Hochwasserabflüsse auf. Die enormen Unterschiede zwischen Niedrig- und Hochwasserabflüssen bedingen eine hohe Dynamik und beträchtliche Umlagerungen im Flußbett.
Am Restrhein ist Onychogomphus forcipatus die häufigste Libellenart. Sie schlüpfte in den Jahren 1996 und 1998 mit normalen Wasserständen in Abundanzen von weniger als 100/500 m am Oberlauf und bis zu 1000/500 m und mehr am Mittellauf. In den Hochwasserjahren 1995 und 1999 war die Intensität der Emergenz dagegen sehr gering; Verdriftungen in größerer Zahl konnten nicht nachgewiesen werden. Da 1995 eine sehr geringe und 1996 eine ”normale” Dichte schlüpfender Imagines festgestellt wurden, wird die Vermutung geäußert, daß die Entwicklung während des Hochwassers verzögert abläuft und daher ein Jahr länger dauern kann.
Die Libellen-Gemeinschaft ist am Restrhein ebenso wie an anderen kanalisierten Flüssen und an Hochwasserkanälen mit Ausnahme der Gomphiden arten- und individuenarm - wahrscheinlich infolge der geringen Strömungs- bzw. Hochwassertoleranz der Larven vieler Libellenarten.
Breite Altrheine wie der ”Altrhein” und sein Zufluß ”Hexenkehle” bei Weisweil (Landkreis Emmendingen) beherbergen dagegen arten- und individuenreiche Libellen-Gemeinschaften.
Der Altrhein - bei Weisweil Hauptvorfluter der Rheinauen - hat im untersuchten Bereich außerhalb von Hochwasserzeiten eine gleichmäßige Strömung von bis zu 0,2 m/s und eine Breite von etwa 35 m. Große Hochwasser, die zu flächigen Überflutungen führen, kommen nicht mehr alljährlich vor und klingen im Gegensatz zum Hochwasser 1999 meistens wieder rasch ab. Die häufigste Libellenart mit Dominanzen von über 50% ist C. lindenii (Westermann 2002). Das Hochwasser von 1999 beseitigte die in der Regel ausgedehnten, hohe Deckungsgrade aufweisenden Makrophytenbestände fast vollständig - ein Jahr später hatten diese sich wieder erholt.
Die abflußschwache, 11 bis 24 m breite Hexenkehle wird außerhalb von Hochwasserzeiten aus Grundwasser gespeist und bleibt selbst bei Hochwasser in vielen Bereichen strömungsarm. Während des Hochwassers kam es zu einer massiven Eutrophierung, so daß in der Folge ausgedehnte Bestände von Characeen und anderen Makrophyten abstarben; bis zum Herbst 2002 war noch keine nachhaltige Erholung bei Arten oligotropher bzw. mesotropher Gewässer erkennbar.
Die Libellen-Gemeinschaften der beiden Gewässer waren vom Hochwasser 1999 in unterschiedlicher Weise betroffen:

  • Am Altrhein blieb nach Stichproben die Intensität der Emergenz während des Hochwassers bei allen Arten gering. Danach schlüpften im gleichen Jahr nur noch wenige Individuen verschiedener Arten. Die meisten Larven sind offensichtlich abgewandert, wurden verdriftet oder vernichtet oder entwickelten sich verzögert. Vor dem Hochwasser geschlüpfte Imagines früher Arten mußten zweifelsohne abwandern, weil sich der Altrhein als Fortpflanzungsgewässer nicht mehr eignete. Nur so sind die dokumentierten, teilweise groben Bestandsrückgänge der meisten Arten auch im folgenden Jahr 2000 erklärbar. C. splendens und Ch. viridis entwickelten allerdings schon 2000 wieder große Bestände. Während die erste Art nach dem Hochwasser vermutlich verbesserte Habitatqualitäten nutzen konnte, können die hohen Bestände der zweiten Art im Jahr 2000 nur mit einer massiven Zuwanderung von Larven aus der benachbarten Hexenkehle erklärt werden. Nach zwei Jahren hatten sich die Bestände aller Arten mit Ausnahme von S. striolatum wieder vollständig erholt oder gar merklich vergrößert.
  • Auch an der Hexenkehle erreichte die Emergenz während des Hochwassers nur eine geringe Intensität. Nach seinem Ablaufen schlüpften aber zwischen Mitte Juli und Mitte September - jahreszeitlich stark verzögert - viele Individuen etlicher Arten. Die Bestände schlüpfender Imagines von Ch. viridis, C. lindenii und I. elegans waren dabei derart hoch, daß zumindest bei diesen Arten mit einer massiven Zuwanderung oder Verdriftung von Larven in das Gewässer gerechnet werden muß. Ab dem Jahr 2000 gingen die Bestände vieler Arten zurück, S. fusca starb lokal aus - vermutlich infolge der Eutrophierung und der beträchtlichen Rückgänge der Makrophyten.

Der Gewässerbau hatte in der Vergangenheit wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Libellenbestände. Der Rückbau von kanalisierten Flüssen und Hochwasserkanälen zu naturnahen Fließgewässern könnte die Arten- und Indviduenzahl der Libellen wieder beträchtlich erhöhen. Die Erfahrungen mit dem Hochwasser von 1999 machen es wahrscheinlich, daß die bisher realisierte und umfassend geplante Hochwasserrückhaltung in Poldern entlang des Rheins den Arten- und Individuenreichtum der Rheinauen bedroht. Entscheidend für deren Erhaltung ist ein möglichst naturnahes Reglement während des Polderbetriebs.
Literatur
Westermann, K. (2002): Die Abundanz schlüpfender Libellen in einem südbadischen Altrheingebiet. - Naturschutz südl. Oberrhein 3: 215-244. - Westermann, K. (in Vorb.): Auswirkungen von Hochwassern auf Libellenbestände von südbadischen Fließgewässern. - Westermann, K., & S. Westermann (1996): Neufunde der Gelben Keiljungfer (Gomphus simillimus) und der Grünen Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) am Oberrhein bei Basel. - Naturschutz südl. Oberrhein 1: 183-186. - Westermann, K., & S. Westermann (1998): Verbreitung und Bestandsdichte der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) in der südbadischen Rheinniederung zwischen Basel und Straßburg - Dokumentation der Exuvienfunde. - Naturschutz südl. Oberrhein 2: 167-180.


Libellen in der Vorreiterrolle bei der Pflege und Gestaltung von Naturschutzgebieten - ein Beispiel aus der Schweiz
WILDERMUTH, Hansruedi - Rüti / Schweiz

In einem Naturschutzgebiet des Schweizer Mittellandes wurde die Entwicklung der Libellenfauna mit ihrer Dynamik während der letzten 30 Jahre ununterbrochen verfolgt. Parallel dazu erfolgten laufend manipulative Eingriffe in den Haushalt und die Struktur des Gewässersystems mit dem Ziel, die Lebensgrundlagen für die aquatische Artenvielfalt zu verbessern. Alljährliche Bestandsaufnahmen, ökologische Grundlagenforschung und Untersuchungen zur Auswirkung der Pflege- und Gestaltungsmassnahmen im Hinblick auf die Libellen wurden zunächst auf privater Basis durchgeführt. Die Ergebnisse führten in der Folge zu einem verstärkten Engagement der Naturschutzbehörde und schliesslich zum Erlass einer gebietsbezogenen Naturschutzverordnung mit Verpflichtung zur nachhaltigen Biotoppflege.
Das Schutzgebiet umfasst ca 9 km2 Fläche mit 1.2 km² Naturschutzkernzone (Moor) und ist von intensiv bewirtschaftetem Agrarland, Industrie und Siedlungsflächen umschlossen. Geomorphologisch handelt es sich um eine voralpine Drumlinlandschaft - ein heute noch praktisch bautenfreies Gelände mit Resten traditioneller Kuturlandschaft, bestehend aus einem kleinräumigen Mosaik von Waldkuppen, Futter- und Streuwiesen, regenerierenden Hochmoorparzellen, Hecken und Buschgruppen. Dazwischen gibt es offenes Wasser in Form von seichten Schlenken, Abzugsgräben, kleinen Bächen und verlandenden Torfweihern - alles ausnahmslos Kleingewässer. Ausserhalb des Schutzgebietperimeters kommen zwei grössere Weiher und zwei renaturierte Bachläufe hinzu.
Zwischen 1972 und 2002 wurde das Gebiet an rund 1000 Tagen besucht. Dabei kamen >10.000 Exuvien zusammen. Insgesamt wurden 45 Libellenarten beobachtet, die sich verschiedenen Kategorien zuordnen lassen:

  • Arten der weiteren Umgebung, die sich vorübergehend ansiedelten: A. grandis, A. mixta,
  • u.a. Arten, die aus dem Alpenraum zuflogen und sich zum Teil vorübergehend ansiedelten: L. dubia, S. arctica,
  • Gastarten: A. affinis, A. isosceles, B. pratense, S. fonscolombii u.a.

Um die lokale, standorttypische Libellenfauna zu erhalten und auf bestimmte Habitate spezialisierte Arten zu fördern, wurden verschiedene Massnahmen geplant und umgesetzt:

  • Stabilisieren oder lokales Anheben des Grundwasserstandes zur Erhaltung der mesotrophen Schlenken (Zielarten: Somatochlora flavomaculata, S. arctica),
  • Renaturieren von begradigten und eingedolten Bächen; abschnittweises Entkrauten von gefällsarmen fliessenden Kleingewässern; teilweises Entfernen schattenwerfender Buschreihen (Zielarten: C. virgo, C. splendens, C. boltonii, O. brunneum),
  • Regenerieren von verlandeten und Schaffen von neuen Torfstichen; regelmässiges Pflegen der Torfgewässer nach dem Rotationsprinzip (Zielarten: u.a. L. pectoralis, L. virens),
  • Abschnittweises Aufstauen und lokales Verbreitern von bestehenden Abzugsgräben in Flachmooren; Schaffen von Staubereichen mit nahezu stehendem Wasser und mit Rieselbereichen auf Torf- und Lehmgrund (Zielarten: u.a. S. flavomaculata, O. coerulescens, C. boltonii).

In nächster Zukunft sollen neue, durch den Staat finanzierte Massnahmen zur Optimierung der Gewässervielfalt und Vergrösserung der offenen Wasserflächen umgesetzt werden. Bei der Diskussion und Festlegung der Vorhaben achtete man auf die standörtlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten sowie auf die Vernetzung gleichartigen Gewässertypen im ganzen Gebiet. Im Rahmen  der Planung aller Eingriffe in das Gewässersystem waren die Libellen nicht allein massgebend und auch nicht die einzigen Zielobjekte, aber sie spielten eine wichtige Vorreiterrolle. Allgemein wurde anerkannt, dass sich in ihrem Schlepptau mit der Pflege, Gestaltung und Neuschaffung von Kleingewässern zahlreiche weitere aquatische Organismen fördern lassen.


Inwieweit beeinträchtigen Fische die Libellenfauna kleiner Moorgewässer?
WILDERMUTH, Hansruedi - Rüti / Schweiz

In einem Moorschutzgebiet bei Zürich (Schweiz) wurde die Libellenfauna von kleinen ehemaligen Torfstichen mit ähnlicher Struktur im Lauf mehrerer Jahre miteinander verglichen. Vier Gewässer waren mit Elritzen (Phoxinus phoxinus) besetzt, eines davon zusätzlich mit Goldfischen (Carassius a. auratus), fünf enthielten keine Fische. 16 von 23 festgestellten Libellenarten pflanzten sich in mindestens einem der Torfstiche fort. Vier Arten kamen in jedem Untersuchungsjahr und in allen Gewässern zum Schlupf. In den fischfreien Torfstichen entwickelten sich zwischen sieben und zwölf Arten, in den fischhaltigen sechs bis neun. Der Entwicklungserfolg der Grosslibellen wurde in jedem Gewässer während zwei Jahren durch quantitatives Aufsammeln der Anisopteren-Exuvien bestimmt. Häufigste Art war Aeshna cyanea, gefolgt von L. quadrimaculata, L. pectoralis und C. aenea. In den fischfreien Weihern betrug die Anzahl aller Anisopteren-Exuvien pro Weiher und Jahr 6.4 bis 65.5 pro 10 m2, in den fischbesetzten 0.8 bis 5.6 pro 10 m². Die Unterschiede sind signifikant.

Kescherfänge ergaben in fischbesetzten Torfstichen deutlich niedrigere Larvendichten von Klein- und Grosslibellen, Eintagsfliegen, anderen Invertebratengruppen und Amphibien. Die geringeren Abundanzen werden auf die Prädation durch Fische zurückgeführt. Von den Grosslibellen waren die einzelnen Arten unterschiedlich betroffen. Bei drei der vier häufigsten Anisopterenarten war die Exuvien-Abundanz in den fischhaltigen Gewässern signifikant niedriger, während L. pectoralis zusammen mit Fischen überhaupt nicht zur Entwicklung kam. Offenbar exponieren sich die Larven, die dem ´fast lifestyle´-Typ angehören, den Fischprädatoren stärker als die anderer Arten. Als Folge für die Naturschutzpraxis ergibt sich, dass kleine Stillgewässer mit gefährdeten Habitatspezialisten wie z.B. L. pectoralis fischfrei bleiben sollen. Da andererseits auch die Elritze mindestens regional gefährdet ist, verlangt die Problematik des Fischbesatzes von Moorgewässern Mitteleuropas eine differenzierte Beurteilung unter Einbezug weiterer Organismengruppen.


Ökologische Beobachtungen an vergesellschafteten Subpopulationen von Coenagrion ornatum und Coenagrion mercuriale in der Helme-Unstrut-Aue
ZIMMERMANN, Wolfgang - Weimar - & BUTTSTEDT, Lothar - Roßla

1. Nach kurzer Erläuterung, wie und wann das Vorkommen entdeckt wurde, werden die thüringischen Vorkommen beider Arten, einschließlich der räumlich zugehörigen Fundorte in der Helme-Aue Sachsen-Anhalts, kartenmäßig vorgestellt. Coenagrion ornatum ist offensichtlich auf ein kleines Gebiet der Helme-Unstrut-Aue um Artern beschränkt und tritt an allen Fundorten mit Coenagrion mercuriale vergesellschaftet auf. Von den bisher bekannten 22 gemeinsamen Vorkommen dieser Arten, liegen 7 in Sachsen-Anhalt und 15 in Thüringen.
2. Halbquantitative Bestandskontrollen in den Jahren 1999 - 2002 erbrachten, von einer Ausnahme abgesehen, an allen Fundpunkten nur für Coenagrion mercuriale eudiminante Werte. Bei der Ausnahme handelt es sich um einen ca. 1000 m langen Abschnitt der Kleinen Helme bei Artern. Hier erreichten beide Arten ungewohnlich hohe Abundanzwerte, weshalb wir ihn für ein Bestands-Monitoring auswählten, das allerdings bisher erst 4 Beobachtungs-Jahre umfaßt.
3. Wichtige abiotische und biotische Charakteristika der Kontrollstrecke werden mitgeteilt.
4. Zur Beurteilung der Subpopulationen an der Kleinen Helme wurden mehrere Methoden angewandt, die im Vortrag erläutert werden.
5. Ergebnisse:

  • Im Dezember 2001 und im November 2002 interessierte uns, wo sich die Larven beider Arten im Winter aufhalten. Das Lückensystem der Gewässervegetation mit starker Detritusschicht ist der eindeutig bevorzugte, nahezu ausschließlich bewohnte Raum. Die Larven beider Arten tolerieren eine Eisdecke ihres Wohngewässers. Im Experiment überlebten sie völliges Einfrieren nicht.
  • Am 21. Mai 2001 registrierten wir die Hangplätze der Exuvien beider Arten, nach der jeweils gewählten Pflanzenart, nach Entfernung von der Uferlinie und Höhe über Grund. Das Ergebnis wird in einer Grafik vorgestellt.
  • Zwischen C. mercuriale und C. ornatum ließen sich keine Anzeichen von Konkurrenz feststellen. Im Kontrollbereich waren alle wesentlichen Ansprüche und Verhaltensweisen, d. h. die Aufenthaltsorte der Larven im Winter und im Frühjahr, aber auch Schlupf, Paarung und Eiablage auf den gleichen Bereich konzentriert. Er lag grundsätzlich im Flachwasserbereich innerhalb der Gewasservegetation und überwiegend nahe der Uferlinie des sommerlichen Niedrigwassers. Analoge Bedeutung können vegetationsbestandene Schlamminseln in der Hauptströmung erlangen.
  • Die Grabenpflege, durch jährlich einseitige Krautung und Grundräumung in mehrjährigen Intervallen, bedeutet fur die Libellenfauna einen gewaltigen, nicht quantifizierbaren Exodus. Er ist aber, sowohl aus Grunden der Gewässerunterhaltung, als auch angesichts extrem hoher Produktivität der Makrophytenvegetation für die Odonaten-Taxozönose ohne Alternative. - Auf die Art und Weise der Eingriffe wird im Rahmen eines Artenhilfsprogrammes der TLUG in Jena (Serfling et al. 2002) über die UNB des Kyffhäuser-Kreises Einfluß genommen.


f.d.R. der Angaben
jomü.

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