Lödderburgk - Löhdeburg - Löderburg
ehemals Kreis Staßfurt
neuerdings Aschersleben-Staßfurter Landkreis (ASL)

Zur Chronik meines Geburtsortes Löderburg
zunächst aber zwei, die Ortslage kennzeichnende Aufnahmen
weitere Informationen in meiner homepage:
www.jmueller-loederburg-kohlenschacht.de
 

 Aufn. an der neuen Bodebrücke mit “Blick” zur Kirche; Oktober 2001.

Blick über die Löderburger Bruchfeldteiche Kippteich (vorn) und den “Alten Seemann” zur Ostseite des Dorfes; Juli 2002.

Kurzgefaßter Datenspiegel nach DANZFUSS (1930) aus der Wanderwegbeschreibung im Kreis Staßfurt, Teil II ( MÜLLER & Autorenkollektiv 1983):

  • um 4000 v.u.Z. ließen sich an den Ufern der Bode von Löderburg bis Unseburg und Egeln Bauern aus dem Donaugebiet nieder; später folgten die Bernburger,
  • 1200 - 750 v.u.Z. (Bronzezeit) wohnten hier am Bodeufer Illyrer (aus der Lausitz). Das Gebiet wurde später auch durch die Slawen beeinflußt.
  • Zur Zeit des Frankenreiches gehörte Löderburg zu Nordthüringen, watr aber unter Karl dem Großen sächsisch.
  • 781 liegt es im Bistum Halberstadt, das in Grafschaften aufgeteilt war; Löderburg gehörte unter Markgraf Gero zur Grafschaft Mühlingen.
  • Ausgang des Mittelalters werden die Grafschaften neu geordnet. Unser Gebiet kam zum Magdeburger Holzkreis. In Löderburg wird hauptsächlich Ackerbau und Fischfang (in der Bode) betrieben.
     
  • 1170 heißt der Ort Luderdeborch.
  • 1265 übereignet der Halberstädter Bischof dem Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg einen Zehnten von Luderdeborch.
  • 1685 heißt der Ort Lödderburgk, später auch: Loderdeburgk, Loderburg, Loederburg oder (noch im 19. Jahrhundert) Löhdeburg.
  • im 15. Jhd. gehört der Ort bereits zum Erzstift Magdeburg und wird nun mehrfach vergeben (an von WESTORFF, NIKOLAUS CRÜGER von Jüterbog, BRANDSTEIN, SCHLANNEWITZ, BRÖSECKE).
  • 1515 gibt es in Loderdeburck zwei freie Höfe mit sieben Hufen Landes.
    • Zu jener Zeit gab es im erzbischöflichen Gebiete Ritter (Herren) und Freie (mit Freihöfen), die aber jederzeit zur Landesverteidigung mit ihren Bauern dem Erzbischof als dem Landesherren zur Verteidigung zur Verfügung stehen mußten.
    • Hufe (althochdeutsch/huoba) waren ursprünglich eingezäunte Felder von dem Umfang, daß sich eine Landmann-Familie davon ernähren und es jährlich mit einem Pferdegespann bearbeiten konnte. Später wird “Hufe” ein Feldmaß von etwa 30 Morgen oder 7-15 ha.
  • 1562 waren zu Loderdeburck 24 Hauswirte.
  • Im 30-jährigen Krieg wurde auch Löderburg beeinflußt, obwohl darüber wenig belegt ist: So lagerte Tilly`s Heer am 19./20. April 1632 in der hiesigen Gegend, sein Fußvolk hatte Lager auf dem Thie.
    • In dieser für das Volk sehr schweren Zeit lebten vielew Familien in Erdkellern, die später noch als Vorratskeller genutzt wurden. So ist es aus heutiger Sicht verständlich, daß unter solchen Lebensbedingungen die Pest 1636 viele Opfer finden und der Ort somit leicht ohne Widerstand geplündert und ein Opfer eines großen Feuers werden konnte.
  • 1685 leben in “Lödderburgk, ein dem Amte Athensleben, dem hochwürdigen Domkapital zu Magdeburg zustehendes Dorf” 6 Ackerleute, 26 Gehilfen in den Salzkothen, Salzsiedereien zu Staßfurt, 14 Häußlinge (= 46 Steuerzahler, entspricht etwa 250 Einwohnern).
     
  • !742 ein erhalten gebliebenes “Dienst-Reglement des königlichen Amts Athensleben, owie solches vob Sr. Königl. Majestät mittels allergnädigst Rescripti vom 23. März 1742 konfirmiert worden” gibt Zeugnis über die Verhältnisse und Lebensweise bzw. Reglementierung des Volkes bis zu Beginn des 19. Jhd.
  • 1726 und 1748 verwüsteten große Brände den Ort.
    • Der Brand am 26. März 1726 vernichtete u.a. auf dem Thie (“alwo die Amtswäscherei lieget”) 5 Koßathen-Häuser nebst Ställen und Scheunen.
    • Das Feuerlöschwesen war sehr vernachlässigt!
  • In der 2. Hälfte des 18. Jhd. bis ins 19. Jhd. werden in Löderburg 3 Maulbeerplantagen (an der Seestraße anstelle der Drescherhäuser in der Mitte der Chaussee Löderburg-Staßfurt (“Maulbeerbreite”) für die Seidenraupenziucht betrieben.
  • Im 19. Jhd. wird Löderburg ein reines Landwirtschaftsdorf, in dem hauptsächlich Korn und Flachs produziert und die Leinewebereibetrieben wurde.
     
    • 1848 kamen dann die ersten Kohlenschächter hinzu.
    • 1808 gehört Löderburg mit Alt-Staßfurt, Atzendorf, Athensleben und Rothenförde zum Canton Staßfurt im Königreich Westfalen.
    • 5. Mai 1809 Durchzug von Ferdinand von SCHILL´s Freikorps.
    • 1817 hat Löderburg 493 Einwohner und wächst allmählich bis
    • 1900 auf 5500 Einwohner.
    • 1864/66 forderte die Cholera nochmals viele Opfer.
    • 1872 werden erste kleine Bruchsteinhäuser in der Kolonie- und Bergmannsstraße gebaut,
    • 1882-1903 erste Mauersteinhäuser.
    • 1873 wird der Thiedamm errichtet.
    • 1885/87 erhält der Ort endlich Straßenpflaster.
    • 1892 erhält Löderburg sein erstes Postamt, denn seit 1. Juni 1885 wurde der Postbetrieb in einer Postagentur durch eine Privatperson verwaltet.
       
  • 1899 wird Löderburg durch eine elektrische Kleinbahn (“Die Elektrische”) mit Staßfurt und Hecklingen verbunden.
  • 1900-1928 sinkt infolge des Eingehens der umliegenden Salzschächte Löderburgs Einwohnerzahl wieder auf 3785.
  • 1901 wird der erste elektrische Lichtanschluß gelegt.
  • 1991 wird die erste Gasleitung gebaut.
  • 1918 bildete sich infolge der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Orte ein Arbeiter- und Soldatenrat.
  • 1927 wird der erste Wasserleitungsanschluß verlegt.
  • Am 1. Februar wird auf dem Thie der Sportplatz mir der dazugehörigen Bodebrücke übergeben, die heute noch - ungepflegt - vorhanden ist.
  • 1920/21 wird Löderburg durch den Häuserbau in der Neustaßfurter Straße auch mit Neustaßfurt “fest” verbunden; der Kohlenschacht errichtete wegen der Wohnungsnot die Siedlungen an der Staßfurter Chausse und in der Langen Straße.
  • Die Elektrische, vorerst nur zur Personenbeföderung eingerichtet, transportierte ab 1909 auch Braunkohle für die Staßfurter Industrie.
  • Im Jahre 1925 beförderte sie ungefähr 1 Million Personen und etwa 140.000 Tonnen Braunkohle.
    • Der Absatz dieser Braunkohle war erst Mitte der 1860er Jahre durch die Staßfurter Chlorkaliumfabriken und durch die Sodafabrik so recht in Schwung gekommen.
    • Die nach dem 2. Weltkrieg 1945 vorhandene Kohleknappheit für die Haushalte in Löderburg und Umgebung veranlaßte die Grube Löderburg seinerzeit, einen feststehenden Rost in eine Schurre einzubauen, um an die Bevölkerung gesiebte Braunkohle abgeben zu können.
    • Die dazu Schlange stehenden Handwagenkollonnen, die von Löderburg zur Kohlengrube an unserer Hoftür vorbei führten, habe ich selbst als kleines Kind  noch erlebt. Ich erinnere mich deutlich an dieses Ereignis.
    • Die Löderburger Kohlengrube hatte an der Mechanisierung des Braunkohlentiefbaues einen nicht geringen Anteil. Genannt seien beispielsweise nur der Einsatz von ersten Schüttelrutschen und Transportbändern 1939, die Einführung des Kurzstrebbruchbaues 1944 und des ersten Stegkettenförderers der DDR im Kurzstreb 1951. - An die dazu erforderlichen Forschungsarbeiten, auch in meinem Elternhaus auf dem Kohlenschacht auf großen Zeichenbrettern deutlich sichtbar, erinnere ich mich ebenso wie an die Besuche der Forschungskollegen aus Kleinmachnow (Dr. Krüger u.a.) und habe die freundliche fröhliche Aufbruch-Atmosphäre jener Zeit in schöner Erinnerung ...

Ich werde deshalb in Kürze über meine Heimat an anderer Stelle in einer eigens dafür eingerichteten homepage ( www.jmueller-loederburg-kohlenschacht.de) zur Natur- und Kulturgeschichte um Löderburg berichten und damit eine Plattform für die Heimatkunde Löderburg bieten ...

Hier nur noch so viel im Zusammenhang mit meinen naturwissenschaftlichen Arbeiten, die in Löderburg an den Bruchfeldteichen ihren Anfang nahmen - nachstehend eine Aufnahme (10.11.2001) vom Kreuzteich östlich am Ortsteil Thie gelegen, mit Blick nach Neustaßfurt zur ehemaligen Pottaschefabrik und seinen westlich (hier rechts unten)  vorgelagerten, von Flußregenpfeifern besiedelten Aschehalden direkt vor meiner Haustür (bemerkenswerte Artvorkommen um 1960-70: mehrere BP Zwergdommel, Gr. Rohrdommel - Keilflecklibelle, Aeshna isoceles ...):

In der Folge des Abbaues von Braunkohle in der Egelner Mulde untertage und im Tagebau-Betrieb kam es in der Umgebung von Löderburg bzw. entlang des Bodelaufs im Bereich der Egelner Mulde zu teilweise großflächigen Bergsenkungen mit einer Ausbildung von naturnahen Seen (z.B. der "Löderburger Bruchfeldteiche" Kippteich, Alter Seemann, Lake, Salzteich, Kreuzteich und des Tagebausees Löderburg). Diese Bruchfeldteiche, die ökologisch betrachtet als "Seen" zu bezeichnen sind, haben sich im Laufe von über 80 Jahren zu äußerst interessanten Lebensräumen mit einer bemerkenswerten Naturausstattung entwickelt. Sie sind heute als wertvoller Lebensraumtyp nach der Fauna Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) den naturlichen eutrophen Seen einschließlich ihrer Ufervegetation mit Schwimm- und Wasserpflanzenvegetation gleichzusetzen !

Hier habe ich zwischen 1954 (erste Tagebuch-Aufzeichnungen) und heute insbesondere die Vogelwelt (Avifauna) und die Libellen (Odonatenfauna) erforscht und darüber mehrfach publiziert ...

Die Nutzung dieser Lebensraumtypen sollte wegen ihrer relativen Naturnähe nachhaltig, d.h. umweltschonend erfolgen. Die Nutzung als Bade- und Angelgewässer bzw. Naherholungszentrum (Tagebausee) sollte unter Berücksichtigung des Schutzes - d.h. Nutzung ohne erhebliche Beeinträchtigung - dieser Stillgewässer-Lebensraumtypen erfolgen.